Basel

Im Les Trois Rois wird Afternoon Tea nach allen Regeln der Kunst serviert

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

Do, 26. Dezember 2019 um 16:46 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Er ist die beliebteste Tradition im Basler Grand Hotel Les Trois Rois: Afternoon Tea wird hier nach allen Regeln der Kunst in einer Swiss-Style-Variante mit Köstlichem aus der eigenen Patisserie zelebriert.

Beim Betreten des Lichthofs muss man unwillkürlich zu den funkelnden Kugeln rings um den Kronleuchter hinaufschauen: In der Vorweihnachtszeit präsentiert sich das Basler Grand Hotel Les Trois Rois – bei den Grand Prix Villégiature Awards 2019/2020 zum besten Hotel in Europa gekürt und 2019 für den Gault-Millau "Hotel des Jahres 2020" – in festlichem Glanz. 1681 erstmals als Herrenherberge erwähnt, in der auch Napoleon Bonaparte Station machte, wurde 1844 anstelle des alten Gasthofs ein von Amadeus Merian entworfenes klassizistisches Gebäude errichtet. Berühmtheiten wie Thomas Mann, James Joyce und Picasso weilten seither in dem Haus direkt am Rhein ebenso wie gekrönte Häupter.

Auch die Queen war hier, die bekannt dafür ist, selbst beim Teewasser nichts dem Zufall zu überlassen. Hätte sie Basel nach der Restaurierung und Erweiterung des Hotels 2006 besucht, wäre sie in den Genuss einer hier sorgfältig und kundig zelebrierten britischen Tradition gekommen: Afternoon Tea, der – nach Anmeldung – täglich zwischen 14 und 16 Uhr sowie 16 und 18.30 Uhr in der Lobby serviert wird.

Der Duft frischgebackener Scones liegt zur Teatime in der Luft und ist so unwiderstehlich, dass man gar nicht anders kann, als ihm bis zur Quelle zu folgen und mit einem kleinen Seufzer in einen der bequemen Sessel zu sinken. Ein weißes Tischtuch, verspieltes englisches Porzellan, kunstvoll vertikal gerollte Stoffservietten, eine silberne Etagere voller süßer und pikanter Köstlichkeiten: Dem regelmäßig nach London reisenden Barchef Thomas Huhn ist es zu verdanken, dass sich Tee-Liebhaber zwei Stunden fühlen, als seien sie einer Einladung an den englischen Königshof gefolgt.

Dort soll der Afternoon Tea im 19. Jahrhundert von der Herzogin von Bedford, Hofdame in Diensten von Königin Victoria, erdacht worden sein. Mit Tee und Gebäck, später auch mit Sandwich-Varianten, beugte man gemeinsam Schwächeanfällen oder gar quälendem Hunger zwischen Mittag- und Abendessen vor.

Beim Cream Tea (auch Devon Cream Tea oder Cornish Cream Tea genannt) handelt es sich um eine einfache südenglische Variante, die sich ebenfalls bis heute großer Beliebtheit erfreut. Sie besteht aus Scones – weichen Brötchen mit Backpulver als Triebmittel, eingearbeiteter Butter und Milch – und Clotted Cream, einem dicken, ungesüßten Rahm. Beides ist nur eine Komponente des vielfältigen Afternoon Teas im Les Trois Rois, der mit der Wahl einer von 23 Teesorten aus dem Luzerner Teegeschäft "L’art du thé" beginnt. Die Darjeeling-Hausmischung aus First- und Second Flush sowie der Herbstpflückung passt jedenfalls hervorragend als Einstieg zum saisonalen Fruchtspiessli und dem Silserli (Laugenbrötchen), das mit einer Füllung aus Eitartar und rosa Pfefferbeeren auf dem Teller liegt.

Spätestens nach dem Fingersandwich mit Appenzeller und Tartarsauce wird deutlich, was mit "Swiss Style" gemeint ist: "Die Sandwichs wechseln mit den Jahreszeiten. Im Sommer kann das auch eine Erbsen-Minzcreme oder Oliventapenade mit Zucchini sein", erklärt Markus Loritz, Bar Supervisor, und ersetzt das genüsslich verspeiste Sandwich mit Peperoni und Thymian-Creme unauffällig durch ein neues Genusshäppchen. Heidelbeeren und Mangomousse gibt es als Zwischengang, und dann werden ofenfrische kleine Scones nach britischem Originalrezept serviert. "Basler Teegebäck" heißen sie hier, denn ihre filigrane Form unterscheidet sich von der des Klassikers. Dafür kommt die Clotted Cream direkt aus der Grafschaft Wiltshire und wartet darauf, aufs halbierte dampfende Gebäck getupft und mit einer Mütze aus hausgemachter Erdbeer- und Aprikosenmarmelade verspeist zu werden.

Doch damit nicht genug: Macarons, Kaffee-Eclairs, Zitronen-Cupcakes und Erdbeertartelettes mit Pistazien fordern ebenfalls Beachtung. Spätestens wenn man nach dem finalen Schluck Madeira – ebenfalls einer "good old british tradition" – zur hausgemachten Ingwerpraline und den Klängen des Flügels verträumt aus dem Fenster schaut, wird man im siebten Teatime-Himmel schweben.
Das Rezept

Orangen-Scones (aus "Weihnachten auf Highclere Castle", siehe Buchrezension): Für 8 mittelgroße Scones 225 g Mehl und eine halbe Packung Backpulver vermischen. Mit einem halben Teelöffel Salz, 1 TL gemahlenem Kardamom, der abgeriebenen Schale einer Orange und 60 g kalter, gewürfelter Butter mit den Fingern zu einem Teig verreiben, der an Semmelbrösel erinnert. 40 g Zucker unterheben, eine Mulde in den Teig drücken und 140 bis 150 ml Milch nach und nach hinzugeben. Den Teig nur so lange mit den Händen kneten, bis er geschmeidig ist und federt. 2 cm dick ausrollen, Kreise ausstechen. Die Scones mit Ei bepinseln und bei 200 Grad 17 bis 20 Minuten backen, bis sie aufgehen und goldgelb sind. Warm servieren.

Die Terrasse ist derweil dabei, sich in die "Bar de Noel" zu verwandeln. Dort können Gäste, ein kuscheliges Kissen im Rücken, mit Blick auf den Rhein und Kleinbasel ebenfalls ganz entspannt Tee trinken. Im nächsten Sommer soll der Afternoon Tea auch dort draußen serviert werden und auf Wunsch mit hausgemachtem Eistee.
Afternoon Tea im Grand Hotel Les Trois Rois, Blumenrain 8, Basel. Preise pro Person: Afternoon Tea "Deluxe" 69 Franken, Afternoon Tea "Royale" (mit Champagner) 85 Franken. Nur mit Reservierung: Telefon 00 41/6 12 60 51 35, bar@lestroisrois.com. Bis Ende Februar sind alle Plätze ausgebucht. Info: http://www.lestroisrois.com