Kochen

Die Schauspielerin Bea von Malchus bringt ein Kochbuch gegen den Corona-Frust heraus

Anita Fertl

Von Anita Fertl

So, 15. November 2020 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Bea von Malchus hat mit "Vier Jahreszeiten" ein besonderes Kochbuch nachgelegt. Gemäß dem Motto: Essen tröstet, rückt Grauwetter und Corona-Frust in weite Ferne.

Kommt zuvor noch eine anregende Kochbuchlektüre dazu, dann war die Freiburger Schauspielerin Bea von Malchus am Werk – schreibend und malend.

Denn die Künstlerin weiß, wie großes Theater geht.

Egal, ob sie auf der Bühne steht (beziehungsweise geschichtenerzählend sitzt) oder herrlich wunderliche Rezepturen in den Backofen schiebt und im Kochtopf zusammenrührt – in beiden Metiers ist sie auf hohem Niveau unterwegs, verwöhnt dabei Geist und Gaumen.

Das hat sie schon mehrfach getan, hat aktuell zehn selbstgeschriebene, aus Geschichte und Weltliteratur inspirierte Stücke auf die Bühne gebracht, die mit scheinbarer Leichtigkeit, aber umso tiefsinnigerem Humor daherkommen.

Extravagant und phantasievoll

Ihre Kochbuchpremiere lieferte von Malchus 2019 mit dem Köchel-Verzeichnis und legt nun, nicht weniger phantasievoll, einfach und gleichzeitig extravagant nach mit Vier Jahreszeiten, die seit Oktober in einer "extremly limited Edition" erschienen sind. Auf 99, pfiffig in Schwarz-Weiß-Optik gehaltenen Din-A4-Seiten gibt es 134 vegetarische Rezepte.

Nachdem das erste Buch schnell vergriffen war, sammelte Bea von Malchus gleich neue Ideen. "Ich finde, den meisten Kochbuchautoren fehlt der Humor und sie sollten sich nicht so chefmäßig hinstellen. Ich will Entspannung in die Küche bringen und fände es sexy, wenn Leute sich getrauen, rum zu experimentieren", sagt die 61-Jährige. Kein Wunder, dass sie ohne allzu pedantische Mengenangaben auskommt.

Denn mit dem Kochen klappe es bei ihr nur über den Geschmack, aber nicht den Verstand. Neben frischen, regionalen Produkten ist es ein neues Gewürz, das sie mitnimmt und schließlich irgendwann mal ausprobiert.

Kulinarische Reise um die Welt

Ausgehend vom heimischen, herbstlichen Wald, der von Malchus zu Kastaniensuppe, einem "schwindelerregenden Schnaps-Schoko-Maronen-Ding" oder zu wie Herbstlaub knisternde Schwarzkohlchips inspiriert, geht es durch die Jahreszeiten: "Im Herbst essen wir Wolken", verspricht sie im Editorial.

"Im Winter reiten wir in weißen Handschuhen durch französische Parks. Im Frühjahr kochen wir rosa und grüne Dinge und werden immer schöner." Und im Sommer gibt’s Halloumi-Karottenburger, Fettucine al Limone und Deep Purple-Eis mit Miso-Granola.

Denn gleichzeitig ist das Kochbuch auch eine kulinarische Reise um die Welt. Die norwegische Oma steuert einen Nachtisch bei, der Kaffee-Balsamico ist italienisch angehaucht, die Shitake-Pilze mit Kokosnuss und Soba-Nudeln asiatisch. Bea von Malchus erzählt, wie der schottische Porridge im Nebel und im Jahr 478 erfunden wurde, kreiert eine Luxusversion mit Sahne, Rum, Agavendicksaft und Pflaumenkompott.

Gewagt und inspirierend auch ihr Borschtsch, der dank Rote Bete, Sauerkraut, Karamellcreme und Meerrettich "Erde und Leichtigkeit, Schärfe und Süße" hat.

Ach, man könnte noch ewig schwelgen in den Rezepturen samt eingestreuter Geschichten, fein garniert mit selbstgemalten Zeichnungen und nostalgisch-poppigen Collagen. Gut nur, dass von Malchus neuen Schwung in die Küche bringt – bis sie selbst wieder auf die Bühne kann.
Bea von Malchus: Vier Jahreszeiten, 99 Seiten, 28 Euro. Zu beziehen über ausgewählte Geschäfte, Restaurants oder einfach unter: post@beavonmalchus.de