Antiker Brief

Die Uni Basel besitzt die älteste Handschrift eines Christen

sda

Von sda

Do, 11. Juli 2019 um 16:38 Uhr

Basel

Darin schreibt der Verfasser unter anderem: "Schick’ mir auch die Fischsoße " Auch sonst ist der Inhalt kaum spirituell. Laut einer Historikerin ist der Brief aus den 230er Jahren nach Christus.

Die weltweit älteste Handschrift eines Christen ist im Besitz der Universität Basel und zeigt die frühen Christen in einem neuen Licht. Die ersten Christen im römischen Reich waren wohl weitaus weniger weltabgewandt als lange angenommen. Das legt eine Handschrift aus Ägypten im Besitz der Universität Basel nahe, die die Historikerin Sabine Huebner datiert, entziffert und analysiert hat.

Der Brief, den ein gewisser Arrianus an seinen Bruder Paulus schrieb, stammt demnach aus den 230er Jahren nach Christus und ist damit mindestens 40 bis 50 Jahre älter als alle anderen weltweit bekannten christlich-dokumentarischen Briefe, wie die Uni Basel mitteilte.

Es geht um Alltägliches

Anders als das oft gezeichnete Bild des im römischen Reich von Verfolgung bedrohten, nur auf den Glauben fokussierten Christen, geht es im Brief um sehr Alltägliches: Reisen, politische Ämter, die Bitte um Fischsoße als Mitbringsel – "Schick’ mir auch die Fischsoße, von der Du glaubst, dass sie gut ist."– und Grüße von der Familie. Die Zeilen, die Arrianus seinem Bruder schrieb, zeigen, dass es im ägyptischen Hinterland abseits der Städte bereits im frühen 3. Jahrhundert Christen gab, dass sie politische Ämter innehatten und sich von der übrigen Bevölkerung im Alltag nicht groß unterschieden. Der Autor und sein Bruder waren demnach junge, gebildete Söhne der Lokalelite, Landbesitzer und Träger öffentlicher Ämter.

"Ich bete, dass es Dir gut geht im Herrn."


Die Handschrift sticht aus der Masse der erhaltenen Briefe des griechisch-römischen Ägyptens durch die abschließende Grußformel hervor: "Ich bete, dass es Dir gut geht im Herrn", eine abgekürzte Schreibweise einer christlichen Formel. "Die Verwendung dieser Abkürzung lässt keinen Zweifel an der christlichen Gesinnung des Briefschreibers", ließ sich Huebner zitieren. Der Name des Bruders "Paulus" war zu dieser Zeit äußerst selten. "Wir dürfen daraus ableiten, dass die im Brief genannten Eltern bereits Christen waren und ihren Sohn nach dem Apostel benannt hatten." Die Analyse des Briefes ist ein zentraler Teil von Huebners neuer Monographie "Papyri and the Social World of the New Testament". Die Uni macht ihr Papyrus-Archiv neu online auf der Plattform Papyri.info zugänglich.