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Kräutertee

Eine Herbolzheimerin baut Kräuter für die Kräutermaufaktur an: "Fast wie eine Art Meditation"

Gabriele Hennicke
  • So, 07. Juli 2024, 07:00 Uhr
    Gastronomie

     

Der Sonntag Seit zehn Jahren pflanzen Bäuerinnen Kräuter für die Kräutermanufaktur für Tees an und verkaufen diesen. Im Interview spricht Roswitha Ette aus Herbolzheim über das Projekt – und den perfekten Eistee.

Roswitha Ette von der Kräutermanufaktur  | Foto: Gabriele Hennicke
Roswitha Ette von der Kräutermanufaktur Foto: Gabriele Hennicke

BZ: Frau Ette, Sie sind von Anfang an dabei, wie entstand die Kräutermanufaktur?

Roswitha Ette: Aus dem Verein Bauerngarten- und Wildkräuterland, einem Zusammenschluss von Frauen aus dem ländlichen Raum in ganz Baden-Württemberg, entstand die Idee, den Reichtum der Heilpflanzen und Kräuter, die bei uns wachsen, für hochwertige Tees zu nutzen. Dank EU-Fördermitteln für Frauen im ländlichen Raum konnten interessierte Frauen an einer eineinhalbjährigen Fortbildung teilnehmen, bei der Anbau, Pflege, Ernte, Verarbeitung und Vermarktung von Kräuterprodukten gelehrt wurde. Inzwischen bauen wir etwa 70 verschiedene Tee- und Gewürzkräuter an und vermarkten unsere Teemischungen online, über Wiederverkäufer und auf Märkten.

"Das Ganze ist reine Handarbeit und sehr aufwändig."Roswitha Ette

BZ: Welche Kräuter bauen Sie selbst an?

Ette: Das ist schon ein größeres Sortiment. Es geht von marokkanischer Minze über drei verschiedene Basilikumsorten, Zitronenverbene und Johanniskraut bis hin zu Blüten von Königskerzen und Ringelblume. Hinzu kommen kleine Mengen von Kornblumen- und Klatschmohnblüten – dafür braucht man sehr viele, bis mal 100 Gramm zusammenkommen. Alle Blätter und Blüten werden einzeln abgezupft und in einem Trockenschrank Marke Eigenbau schonend getrocknet. Das Ganze ist reine Handarbeit und sehr aufwändig. Aber nur so können wir Ganzblatttees in hoher Qualität produzieren.

BZ: Was fasziniert Sie so am Teekräuteranbau?

Ette: Es ist einfach eine schöne Arbeit. Wenn ich nachher durch meinen Garten gehe und Königskerzenblüten abzupfe, kommt mir das fast wie eine Art Meditation vor. Gartenarbeit tut gut, sie wirkt entschleunigend. Man ist draußen, bekommt den Lauf der Jahreszeiten hautnah mit. Natürlich gibt es auch mal Frust, wenn die Schnecken die Kornblumenblüten abfressen, aber da helfen unser Zusammenschluss, der Rückhalt und die Anregungen der anderen Frauen.

Beim Trocknen von Ringelblutenblüten  | Foto: Gabriele Hennicke
Beim Trocknen von Ringelblutenblüten Foto: Gabriele Hennicke

BZ: Wie hat sich die Kräutermanufaktur in diesen zehn Jahren entwickelt?

Ette: Wir sind größer geworden, es kamen neue Anbauerinnen dazu, ein harter Kern ist von Anfang an dabei. Wenn ich überlege, wie wir begonnen haben (lacht)! Alles läuft nun viel strukturierter ab als zu Beginn, die Abläufe sind effektiver geworden. Unser Wirtschaftsbetrieb ist erfolgreich, wir haben mit 200 Kilogramm Teepflanzen angefangen, heute produzieren wir jährlich zwischen 700 und 900 Kilogramm, entsprechend sind die Umsätze gestiegen.

"Wir haben mit 200 Kilogramm Teepflanzen angefangen, heute produzieren wir jährlich zwischen 700 und 900 Kilogramm."

BZ: Bei der Gründung der Kräutermanufaktur ging es auch darum, dass Frauen im ländlichen Raum ein eigenes Einkommen erwirtschaften. Ist das gelungen?

Ette: Ich meine ja, für die meisten Anbauerinnen ist der Kräuteranbau eines von mehreren Standbeinen. Uns war es von Anfang an wichtig, ordentliche Preise zu bezahlen. Der Verein bezahlt Kilopreise für die Kräuter. In der Manufaktur sind zudem zwei Festangestellte und mehrere Aushilfen beschäftigt, die die Tees mischen, abfüllen und versenden. Zu Beginn war das alles ehrenamtliche Arbeit.

Tees der Kräutermanufaktur  | Foto: Gabriele Hennicke
Tees der Kräutermanufaktur Foto: Gabriele Hennicke

BZ: Die Teemischungen haben Namen wie "Lebe wild" oder "Ab ins Bett". Wie entstehen sie?

Ette: Die Namen haben immer etwas mit der Wirkung der Hauptkräuter zu tun, die Namen entstehen beim gemeinsamen Brainstorming. Das macht richtig Spaß. Ein besonders beliebter Tee ist "Atme durch" mit Kräutern gegen Erkältung, jetzt im Sommer auch "Denk klar", der eignet sich prima für einen Eistee oder auch "Blühe auf" mit Zitronenmelisse, Zitronenbasilikum, Sonnenblumen- und Holunderblüten.

BZ: Wie stelle ich einen Eistee her?

Ette: Das ist kein Hexenwerk. Man macht einen doppelt starken Tee, lässt ihn abkühlen, gibt ein paar Zitronenscheiben dazu, Eiswürfel nach Belieben. Wer mag, kann etwas süßen. Einen kleinen Geschmackskick machen ein paar Himbeeren oder Johannisbeeren im Glas, das ist auch schön fürs Auge. Lecker schmeckt auch mit Kräutern aromatisiertes Wasser, dafür eignet sich ein Minzestängel sehr gut oder ein, zwei Stängel Eberraute, dann bekommt das Wasser einen leichten Cola-Geschmack.

Roswitha Ette bewirtschaftet einen großen Blumen-, Gemüse- und Kräutergarten in Herbolzheim-Wagenstadt. Sie verkauft ihr Gemüse auf dem Markt, bietet Gartenführungen an und ist zweite Vorsitzende der Kräutermanufaktur. Die Kräutermanufaktur ist beim Badischen Kräutertag am Sonntag, 7. Juli in St. Märgen mit einem Stand vertreten.

Ressort: Gastronomie

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