Fotografische Enzyklopädie des Industriezeitalters

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 21. Juli 2020

Basel

Das Kunstmuseum Basel präsentiert in einer Doppelpremiere die Sammlung Ruth und Peter Herzog und zeigt damit erstmals Fotos.

(BZ). Das Kunstmuseum Basel präsentiert dieser Tage eine Doppelpremiere: Die Ausstellung "The Incredible World of Photography" zeigt erstmals ein umfassendes Porträt der Fotosammlung Ruth und Peter Herzog in der Schweiz. Zugleich ist sie für das Museum auch die erste Ausstellung, die sich mit der Geschichte der Fotografie befasst. Die Schau ist der Auftakt einer Kooperation mit dem Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, das auch die innovative Ausstellungsarchitektur konzipiert hat. Sie zeigt nicht nur das Leben im Industriezeitalter, sondern lädt dazu ein, in die Geschichte der Fotografie einzutauchen.

Die Fotosammlung Ruth und Peter Herzog gehört seit 2015 zum Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett. Erstere umfasst laut einer Mitteilung des Museums mehr als 500 000 Fotografien vom 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre. Damit deckt sie alle wichtigen Entwicklungen der analogen Fotografie ab, schreibt das Kunstmuseum weiter. Gerade für das 19. Jahrhundert habe das Sammlerpaar wichtige Entdeckungen gemacht, die das Verständnis für die bewegte Geschichte der Fotografie erweitert haben. Heute gehört das Ehepaar zu den wichtigsten Fotosammlern weltweit und hat nach Angaben des Museums "eine fotografische Enzyklopädie des Lebens im Industriezeitalter geschaffen".

Für die Ausstellung wurden rund 400 Exponate dieser Enzyklopädie ausgewählt. Auf einem Parcours durch neun Räume werden Schwerpunkte gesetzt zur Amateur-, der kommerziellen und der wissenschaftlichen Fotografie des 19. Jahrhunderts sowie zur Werbe- und Pressefotografie des 20. Jahrhunderts. Ziel war es, die Vielfalt der Fotosammlung und deren Charakter als "Enzyklopädie des Lebens", wie sie der Schweizer Kurator und Kulturunternehmer Martin Heller einmal nannte, erfahrbar zu machen. Das Kunstmuseum verspricht "nie gesehene Werke" von Schweizer und internationalen Fotografinnen und Fotografen. Neben einzelnen Abzügen werden auch fotografische Objekte ausgestellt, etwa Daguerrotypien, Salzpapierabzüge, Autochrome oder Silbergelatineprints. Zudem werden historische Aufnahmen ins Verhältnis gestellt zu Kunstwerken, beispielsweise von Vincent van Gogh, Robert Delaunay, Andy Warhol oder Martin Schongauer. Damit sollen formale Korrespondenzen als auch Grenzen zwischen den Gattungen ausgelotet werden. Die Ausstellung, die von Olga Osadtschy und Paul Mellenthin kuratiert wird, will verschiedene visuelle Zugänge bieten, von der Betrachtung einzelner Objekte bis hin zu Einzelbildern, die teils an die Wand projiziert werden.

Info: bis 4. Oktober, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr, mittwochs von 17 Uhr an freier Eintritt, Kunstmuseum Basel, St. Alban-Graben 11, Basel. Eine wissenschaftliche Begleitpublikation erscheint im Christoph Merian Verlag (360 Seiten, 300 Werkabbildungen). Sie eignet sich auch als informativer Sammlungskatalog.