Buchempfehlung

Von Erdbeerbäumen und Rankenfusskrebsen: Wie die Algarve schmeckt

Geraldine Friedrich

Von Geraldine Friedrich

So, 15. August 2021 um 06:44 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Falls Ihr Südportugalurlaub dieses Jahr ausfällt, gibt es einen würdigen Ersatz. Der opulente Schmöker "Algarve – eine kulinarische Reise" führt in die südlichste portugiesische Region.

Das zwei Kilo schwere Buch porträtiert einerseits Menschen vor Ort, wie eine Muschelsammlerin, einen Surfer, einen Fischer, Köchinnen – eben alle, die in direktem Kontakt mit den Naturelementen stehen. Andererseits stellt das Werk Mitteleuropäern eher unbekannte Früchte samt Rezept vor: Schon mal von Rankenfußkrebs (Percebes), Wollmispeln, Queller oder den Früchten des Erdbeerbaums (Medronho) gehört?

Keine Sorge, es gibt auch Rezepte für Normalsterbliche, die sich aus hier erhältlichen Zutaten leicht nachbauen lassen. Für das gebratene Kaninchen braucht es hauptsächlich besagtes Tier und Sardellen, für die Ceviche benötigt man Doraden samt Kräutern und Gewürzen, und auch die Mandelsuppe mit Feigen und Sardellen ist gut machbar.
Algarve – Geschichten und Rezepte aus Portugals wildem Süden. Von Rita Henss, Knesebeck Verlag 2021, 352 Seiten, 40 Euro

Die hier aufgeführten Rezepte stammen übrigens von Noélia Jéronimo, einer Autodidaktin, die in Cabanas de Tavira ein Restaurant betreibt und zu den populären Köchinnen Portugals gehört. Sie steht für eine authentische und bodenständige Küche ohne Chi Chi.

Ganz anders dagegen das Freunde-Team um Köchin Ana Palmeira in Faro: Hier finden sich viele vegetarische Raffinessen wie Kastanienkroketten mit Fenchelsamen, Lupinentaler mit Biervinaigrette, Kichererbsen mit Spinat und Brotkrümeln, Kürbis mit Trockenobst, Nüssen und Schafskäse. Auch Lamm mit Birnen stehen auf dem Speiseplan der jungen Portugiesin. Autorin Rita Henss porträtiert den Werdegang noch weiterer Köche und stellt auf insgesamt rund 150 Seiten deren Rezepte in Text und Bild vor. Fotos samt luftigem Layout sind sehr ansprechend.

Fazit: Die erste Hälfte des Buchs beschäftigt sich geradezu verschwenderisch mit Zutaten und Charakterköpfen, die diese sammeln oder produzieren. Die zweite Hälfte widmet sich deren Verwertung. Das Werk vereint also Kochbuch mit Reiseliteratur und eignet sich daher perfekt für die virtuelle Algarve-Reise zu Hause auf der Couch. Aber Achtung: Es besteht akute Fernwehgefahr! Zu weiteren Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie gerne im Buchladen Ihres Vertrauens nach.