Apfelschaumwein

Zwei Winzer am Kaiserstuhl machen Cider

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 15. August 2021 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Cider hat das Zeug, ein abendliches Feierabendbierchen zu ersetzen. Das sagen Markus und Norman Weishaar aus Eichstetten. Ihr naturreiner, prickelnder "Mustum" kann sich mit den besten Apfelschaumweinen der Welt messen.

Dänen und Schweden lieben seine anregende Frische, und in Großbritannien fließt er im Pub um die Ecke literweise aus dem Zapfhahn: "Ich selbst habe Cider nicht in Europa, sondern während einer Reise nach Neuseeland kennengelernt", erzählt Markus Weishaar. "Dort bekommt man regionale Sorten überall in Kneipen und Bars und trinkt sie genauso gern wie Bier." Der 30-Jährige ist Techniker für Weinbau und Önologie. Mit seiner Frau Corinne, seinem Bruder Norman und seinen Eltern betreibt er im Nebenerwerb ein kleines Weingut in Eichstetten. Seit drei Jahren kann man sich dort auch mit einem am Kaiserstuhl einzigartigen und in der Region seltenen Produkt versorgen: "Alles begann damit, dass unser Nachbar und Winzerkollege uns 500 Kilo Äpfel von seinen Streuobstwiesen zwischen den Reben geschenkt hat", erinnert sich Norman Weishaar, der als Maschinenbauingenieur arbeitet. Was tun mit der riesigen Menge Obst von Apfelbäumen, mit guten alten Sorten wie Kaiser Wilhelm, Goldparmäne und Champagner Renette?

Die Brüder müssen nicht lange überlegen und verfrachten die reiche Ernte zur nächsten Kellerei mit Mostpresse. "Klar war, dass wir unseren Apfelmost wie unseren eigenen Wein ausbauen. Unser Ziel war ein reiner, besonders fruchtiger Cider", sagt Norman Weishaar. Mit Apfelaroma, wie zahlreiche Produkte auf dem Markt, wollen die beiden Brüder ihren Cider nicht versetzen. Er soll ganz ohne Zusätze und Schönungsmittel auskommen.

Nach der Gärung, die rund eine Woche benötigt, liegt der Most drei bis vier Monate im Tank auf der Hefe, in dieser Zeit reift sein Geschmack heran. 800 Flaschen Cider – das war die Ausbeute im ersten Jahr. "Wir haben es nur Kollegen und regionalen Gastronomen erzählt und innerhalb von vier Wochen war alles weg", erzählt Markus Weishaar.

Dass sie sich damals bereits bei starker schwedischer und dänischer Konkurrenz bei den World Cider Awards unter den besten Zehn platzieren konnten, sei ein unerwarteter Lohn für die aufwändige Arbeit gewesen. "Parallel zur Weinlese sind nämlich auch die Äpfel reif und müssen von Hand aufgelesen werden. Siebzig Prozent kommen übrigens bis heute von unserem Nachbarn, der Rest ebenfalls aus Eichstetten", betont Markus Weishaar.

Wie beim Wein nimmt die Natur Einfluss, formt den Charakter des Produkts. Ein kühleres Jahr hatte beim Premieren-Cider für höhere Säurewerte gesorgt, der 2020er Jahrgang ist spürbar milder.

Den Alkohol schmeckt man nicht

Dass Winzerkollegen ihren frisch vergorenen Cider bei einer Blindverkostung jüngst für Wein hielten, hat die Cider-Produzenten überrascht. Sie sind sich sicher, dass er noch mehr Freunde gewinnen könnte, wenn er nicht den Ruf hätte, ein allzu schlichtes, unspektakuläres Getränk zu sein. Doch resultiert der vermutlich aus einer häufigen Verwechslung mit Apfelmost oder Äppelwoi, bei dem man die durch die Gärung entstehende Kohlensäureentweichen lässt. Dass ihr Mustum (lateinisch für Most) getaufter Cider Charakter und Temperament hat, erlebt man bei einer Probe. Klarer und frischer als der in der Flasche vergorene französische Verwandte Cidre mit seinen hefigen Noten ist er allemal. Mit einem Sauvignon blanc vergleicht Markus Weishaar ihn gern.

Noch ein wichtiger sachdienlicher Hinweis: "Seine Säure ist angenehm wie Wein, und den Alkohol schmeckt man nicht", weiß Experte Markus Weißhaar. Mit fünf Volumenprozent liegt Cider übrigens gleichauf mit Bier.
Weingut Weishaar, Hauptstr. 164, Eichstetten, http://www.weingut-weishaar.de Kontakt: 0170-8368521