Corona-Maßnahmen

Bad Säckinger Gastronomen klagen über Sperrstunde

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Mo, 26. Oktober 2020 um 17:52 Uhr

Gastronomie

Sperrstunde und Maskenpflicht belasten die Gastronomie im Landkreis Waldshut. Wirte rechnen wegen der verschärften Corona-Maßnahmen mit bis zu 50 Prozent weniger Einnahmen am Wochenende.

Mit gemischten Gefühlen reagieren die Bad Säckinger auf die Verschärfungen der Corona-Maßnahmen. Seit Sonntag gilt der Landkreis Waldshut als Risikogebiet. Gastronomen fühlen sich von der Sperrstunde weiter in ihrer Existenz bedroht. Kulturschaffende verzichten auf publikumsreiche Vernissagen. Wie die Maßnahmen kontrolliert werden sollen, ist noch unklar. Das Ordnungsamt kämpft derzeit mit Personalmangel.

"Es wäre durchaus denkbar, dass es noch schlimmer wird" , sagt Markus Haag, der Leiter des Ordnungsamts in Bad Säckingen. Angesichts der steigenden Neuinfektionen begrüßt er die Allgemeinverfügung des Landkreises. Krankheitsbedingt befinde sich das Ordnungsamt derzeit allerdings am Limit. Das erschwert die Kontrollen. "Wir müssen sehen, ob wir das mit eigenen Kräften schaffen oder die Polizei um Hilfe bitten müssen."

Der Landkreis Waldshut hat die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb einer Woche überschritten. Um den steigenden Corona-Zahlen entgegenzuwirken, erließ Landrat Martin Kistler – wie berichtet – am Sonntag eine Allgemeinverfügung. Die Gastronomie muss nun um 23 Uhr schließen, in Fußgängerzonen und auf Märkten herrscht Maskenpflicht und Museen dürfen nur noch einen Gast pro zehn Quadratmeter Ausstellungsfläche empfangen.

Maskenpflicht in Fußgängerzonen

Die Maskenpflicht betrifft vor allem die Bad Säckinger Altstadt. Nicht betroffen ist der Fußweg entlang des Rheins. "Das ist ein ,sonstiger Weg’ und dafür gibt es noch keine Verpflichtung, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen", sagt Haag. Ob die Holzbrücke noch zur Fußgängerzone gehört, kann Haag derzeit nicht sagen.

Die Maskenpflicht besteht auch während des Wochenmarkts auf dem Münsterplatz. Personen, die sich an Außenverkaufsständen wie Eisdielen oder Imbissbuden aufhalten, sind ebenfalls zum Tragen einer Maske verpflichtet. Das gilt allerdings nicht während der Nahrungsaufnahme.

Sperrzeiten für die Gastronomie

"Ich verkaufe lieber fünf Bier weniger als eine Strafe zahlen zu müssen", sagt Hamit Duygu, Inhaber des Gasthauses Alte Zunft an der Metzgerstraße. Die neuen Regeln treffen Gastronomen besonders hart. Sie müssen die Bewirtung täglich zwischen 23 und 6 Uhr einstellen. Auch sogenannte "To-Go"-Angebote, also der Verkauf von Mitnehmgetränken, ist während der Sperrzeiten verboten. "Unter der Woche ist das in Ordnung", sagt Duygu. Am Wochenende könnte ihn die Verfügung jedoch Einbußen von bis zu 50 Prozent bescheren. Die verschärften Maßnahmen verstärken Duygus Existenzängste: "In einem Jahr könnten wir weg sein."

"Wie viele Reserven soll man bitte haben?" Pavlos Karageorgis, Inhaber Pavlitos
Auch Pavlos Karageorgis, Inhaber des Pavlitos an der Rheinbrückstraße, frustiert die Verfügung: "Für jeden Selbstständigen tut es mir leid." Die Sperrstunden würden potenzielle Gäste abschrecken. Reservierungen für Weihnachtsfeiern werden bereits abgesagt. Drei Lokale betreibt Karageorgis in Bad Säckingen. Nur für eine Lokalität habe er damals Soforthilfe erhalten. Auch bei ihm wird das Geld nun knapp. "Wie viele Reserven soll man bitte haben?", fragt er.

Ausstellungen und Kongresse

Veranstalter von Ausstellungen, Kongressen und Messen können sich ihre Besuchergröße nun selbst ausrechnen. Denn die Obergrenze wird mit der neuen Verfügung über die Veranstaltungsfläche berechnet. Pro Gast werden zehn Quadratmeter veranschlagt. Bei einer Ausstellungsfläche von 10 000 Quadratmetern dürften sich demnach 1000 Personen gleichzeitig im öffentlich zugänglichen Bereich aufhalten.

Der Kunstverein Hochrhein hat eine geplante Ausstellung auf Wunsch der Künstler trotzdem abgesagt. "Wir wären das Risiko eingegangen, aber mit erheblichen Bauchschmerzen", sagt Frank van Veen, Vorsitzender des Kunstvereins. Auf eine Vernissage, die oft bis zu 100 Personen anzieht, hätte van Veen jedoch verzichtet. Die Entscheidungen des Landkreises möchte er nicht kritisieren, da die Situation zu komplex sei. "Man muss ein gewisses Vertrauen in die staatlichen Institutionen mitbringen", sagt er.

Strafen bei Nichteinhaltung

Gastronomen, Veranstaltern und Bürgern, die sich nicht an die Verfügung halten, drohen saftige Zwangsgelder. Wirte müssen 1000 Euro Strafe bezahlen, sollten sie die Sperrstunden ignorieren. Eine Strafe in gleicher Höhe drohen auch Veranstaltern von Messen, Ausstellungen und Kongressen, wenn sie zu viele Teilnehmer oder Besucher begrüßen. Missachten Bürger die Maskenpflicht auf Märkten oder in Fußgängerzonen, kann der Vollzugsdienst 100 Euro verlangen.

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