Nachhaltigkeit

Freiburger Gastronomen wollen Müllflut von To-Go-Mahlzeiten nicht hinnehmen

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

So, 31. Januar 2021 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Styroporbehälter, Kaffeebecher, Aluminiumschalen – die Corona-Krise hat zu einem beträchtlichen Anstieg an Verpackungsmüll geführt. Viele Gastronomen finden kreative Lösungen.

Cafés, Kneipen und Restaurants dürfen Essen und Getränke nur noch außer Haus verkaufen, das wirkt sich auf die Abfallmenge aus. Doch einige Gastronomen wollen diese Müllflut nicht hinnehmen.

Durch Corona kamen Hygiene-Bedenken

Den meisten Müll beim Abholen von To-Go-Mahlzeiten vermeidet, wer Besteck und Behälter selbst mitbringt. Das ist mühsam, aber mit etwas Übung gewöhnt man sich schnell daran. Bereits vor der Pandemie haben zahlreiche Gastronomen ihren Kunden angeboten, bei einer "zum Mitnehmen"-Bestellung den Kaffee oder das Hähnchen süß-sauer in mitgebrachte Gefäße zu füllen. Mit Corona wuchs die Sorge um die Hygiene und mögliche Ansteckungen durch Schmierinfektionen, viele Gastronomen haben dieses Angebot daher wieder abgeschafft.

Nicht so Stefan Kremer, Geschäftsführer des Café Atlantik in Freiburg. "Wir wollen nicht, dass der Klimaschutz unter Corona leidet", sagt Kremer. Das Hygienekonzept ist daher ausgeklügelt: "Der Kunde stellt sein Gefäß geöffnet auf ein Tablett, wir bringen es in die Küche, dort wird es befüllt, ohne dass es jemand berührt, wir tragen das Tablett zurück zum Kunden und der setzt selbst den Deckel drauf – wir kommen also zu keiner Zeit mit dem Behälter in Kontakt." Die Idee kommt an, auch, weil das Atlantik-Team aktiv Werbung dafür macht. Sobald jemand anruft und Essen bestellt, wird ihm vorgeschlagen, doch ein Gefäß mitzubringen. Wohngemeinschaften kommen gleich mit einem Topf und "viermal Bolo, bitte". Und die direkte Nachbarschaft des Atlantik steht auch mal mit einem Teller da.

Umweltfreundliches Einweggeschirr

Dass auch Einweggeschirr in der umweltfreundlichen Variante geht, zeigen einige Entwicklungen der vergangenen Jahre: Becher aus aus Maisstärke hergestelltem Bioplastik, Geschirr aus Palmblättern und Behälter aus Bagasse erobern den Take-away-Markt. Vor allem Bagasse wird immer beliebter. Dabei werden faserige Rückstände der Zuckerrohrproduktion nachhaltig und ressourcenschonend zu Gefäßen gepresst, die später kompostiert oder verbrannt werden können.

"Wir wollen insgesamt so nachhaltig, wie es nur geht, wirtschaften, deshalb ist uns wichtig, bio-kompostierbares Einweggeschirr rauszugeben", sagt Bérangère Pouchin, die in der Freiburger Wiehre das Lokal "Beb & Bene" betreibt. Kunden haben die Wahl: das nachhaltige Einweggeschirr oder ein Mehrwegbehälter? Pouchin hat sich wie inzwischen zahlreiche andere Freiburger Gastronomen dem deutschlandweit verbreiteten Mehrwegsystem Vytal angeschlossen. Die Schalen aus recycelbarem Polypropylen können Kunden kostenlos mitnehmen und bei jedem teilnehmenden Lokal wieder abgeben, wo sie gespült und wieder in Umlauf gebracht werden. Ein Pfand müssen sie dafür nicht hinterlegen, wer seine Schale nach 14 Tagen nirgendwo abgegeben hat, muss zehn Euro zahlen.

"Der einzige Haken an Vytal ist, dass man eine App braucht, da zögert manch einer doch" Sattaya Narmsara

"Der einzige Haken an Vytal ist, dass man eine App braucht, da zögert manch einer doch", sagt Sattaya Narmsara. Der Inhaber der drei Chada-Thai-Restaurants in Freiburg und Malterdingen testet gerade die Vytal-Boxen in der Chada-Thai Suppenbar in der Freiburger Rempartstraße. Die Resonanz sei sehr positiv, so dass Narmsara überlegt, das System auch in den beiden anderen Restaurants zu etablieren. Dort bekommen die Kunden, die das möchten, bisher die Chada-Thai-eigenen roten Mehrwegboxen. Sie zahlen dafür drei Euro Pfand. Gefühlt vierzig Prozent der Gäste quer durch alle Generationen helfen so beim Müllsparen, schätzt Narmsara. "Trotzdem ist das noch immer viel zu viel", sagt er, "der Standard sollte Mehrweg sein."

Ein Standard, den Salam Kubba und sein Kompagnon Hayder Alqamrei bereits umgesetzt haben. Die beiden betreiben im Freiburger Stühlinger das "H&S Brothers Meal" und verkaufen traditionelle irakische Gerichte. Die sind größtenteils kalt und werden to go abgegeben, ein Verweilen der Gäste im Laden gehört nicht zum Konzept. "Wir haben lange nach einer Mehrwegbox gesucht, die zu uns passt", erzählt Kubba. Die Ansprüche waren hoch: Schwarz sollte der Behälter sein, spülmaschinenfest und spülmaschinengeeignet, stabil und auslaufsicher. Kubba ist fündig geworden und hat die Drei-Fächer-Box peu à peu integriert.

Nachhaltige Variante für zwei Euro Pfand

Anfangs hatten die Kunden noch die Wahl zwischen Bagasse-Behältern und den schwarzen Boxen, inzwischen gibt es nur noch die nachhaltige Variante für zwei Euro Pfand.