Coronavirus

Meine Hände sind durch das viele Waschen rissig – wie pflege ich sie richtig?

Silas Schwab

Von Silas Schwab

Di, 24. März 2020 um 12:04 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Hände waschen! Das ist das oberste Gebot in der Coronakrise. Ein Freiburger Hautarzt erklärt, wie man beanspruchte Hände richtig pflegt – und warum billige, feste Seife die beste Wahl ist.

Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen. Wie ein Mantra taucht die Anweisung momentan überall als oberstes Gebot gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf. Bei vielen Menschen erzeugt das viele Waschen aber rote und rissige Hände. Wie man es erst gar nicht so weit kommen lässt und welche Seife die richtige ist, hat Hautarzt Wolfgang Strasser Silas Schwab im BZ-Interview verraten.

BZ: Händewaschen ist das Gebot der Stunde, aber das trocknet bei vielen die Hände aus. Müssen wir kaputte Hände zum Wohl der Gesundheit hinnehmen?
Strasser: Nein, jede Haut reagiert erst mal unterschiedlich auf das viele Waschen. Es gibt Menschen mit robusterer und andere mit empfindlicher Haut. Die Empfindlichen werden durch das viele Händewaschen Probleme bekommen: starke Austrocknung, Rissbildung und stärkere Komplikationen.

"Ich zum Beispiel wasche mir die Hände mit kaltem Wasser. Warmes Wasser greift stärker in den Schutzmantel ein." Wolfgang Strasser
BZ: Was passiert denn beim Waschen mit unserer Haut?
Strasser: Wir haben auf der Haut eine komplexe Schutzschicht – einen Fett-Feuchtigkeit-Säure-Mantel. Der ist bei jedem individuell und den kann man synthetisch nicht herstellen. Intensives Waschen stört diesen Mantel. Meistens fangen die Leute an, ihre Haut einzuschmieren, und jeder meint, seine Salbe sei die beste, aber dadurch wird es oft nicht besser.
Wolfgang Strasser (70), Facharzt für Dermatologie und Venerologie, betreibt seit 1986 eine Hautarztpraxis in Freiburg.

BZ: Wie dann?
Strasser: Ich zum Beispiel wasche mir die Hände mit kaltem Wasser. Warmes Wasser greift stärker in den Schutzmantel ein. Auch zu viel Seife und aggressives Waschen sind nicht gut. Man sollte schauen, dass man die Seife vollständig abwäscht und die Hände anschließend gut abtrocknet. Raue Papierhandtücher stören dabei die Haut. Ein frisches, sauberes und trockenes Textilhandtuch ist besser.

BZ: Und dann direkt Creme drauf?
Strasser: Nicht sofort. Man wartet fünf bis zehn Minuten, bis sich die Haut erholt hat und trägt auf die trockene Haut Creme auf. Ich empfehle, viel Creme zu nehmen, damit man was zum Schmieren hat. Sie muss sorgfältig einmassiert werden und der Rest mit einem weichen Papiertuch weggetupft werden. Dass die überschüssige Creme irgendwann einzieht, ist ein Mythos.

"Feste sind generell flüssigen Seifen vorzuziehen, da die Weichmacher die Schutzschicht der Haut angreifen." Wolfgang Strasser
BZ: Wie findet man die richtige Seife?
Strasser: Am besten nimmt man eine Seife, die recht billig ist. Da ist nix Unnötiges drin. Andere Seifen sind beladen mit Weichmachern, Duft- und Farbstoffen – das ist unnötig. Feste sind generell flüssigen Seifen vorzuziehen, da die Weichmacher die Schutzschicht der Haut angreifen. Billige, weiße Seifen kommen ihrer Aufgabe nach, sonst dürften sie nicht im Regal liegen. Einfacher ist besser.

BZ: Und gegen Viren sind demnach alle Seifen gleich gut?
Strasser: Es geht einfach darum, dass wir uns gründlich waschen und die Fältchen in der Haut sorgfältig ausspülen. In erster Linie klappt das durch Wasser und die Reibung der Hände aneinander. Durch Tenside in den Seifen wird vielleicht ein bisschen mehr ausgeschwemmt, aber welche Seife man verwendet, ist da egal.

BZ: Neben Seife ist Desinfektionsmittel im Moment sehr beliebt. Bringt’s das?
Strasser: Für die Haut ist es nicht besonders gut, aber zum eigenen Schutz kann es durchaus nützlich sein. Die Mittel sollten erst mal denen vorbehalten bleiben, die sie beruflich wirklich brauchen. Wenn die Haut schon geschädigt ist, dann merkt man die Auswirkung von Desinfektionsmittel übrigens sofort: Es brennt. Wichtiger für die meisten Menschen ist aber zur Zeit, dass man die Mahnungen ernst nimmt, sich nicht ins Gesicht zu fassen und die Hände gründlich zu waschen.
Allgemeine Verhaltensregeln zur Risikoreduktion
  • Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife – mindestens 20 Sekunden.
  • In ein Papiertaschentuch niesen oder husten und dieses danach entsorgen. Und danach Händewaschen!
  • Ist kein Taschentuch griffbereit, in die Armbeuge niesen oder husten.
  • Möglichst 1 bis 2 Meter Abstand zu anderen Menschen halten. Umarmungen und Händeschütteln generell unterlassen.
  • Bei grippalen Symptomen zu Hause bleiben, um Ansteckung zu vermeiden.
  • Jegliche Kontakte sollen auf das Notwendigste reduziert werden!

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