Ehrlicher Genuss

Reisen und Speisen mit Diana Henry

Ulrike Ott

Von Ulrike Ott

So, 02. August 2020 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Dieses Kochbuch ist sehr ungewöhnlich. Erstens fühlt sich sein Umschlag schon an wie eine Pfirsichhaut und zweitens sind die Rezepte mit etwas ganz Tollem verbunden, dem Reisen.

Ein warmer Sommerabend in Italien: Diana Henry ist zum ersten Mal in dem kleinen Restaurant und beobachtet Gäste am Nebentisch, die süße Pfirsichspalten in kalten Moscato tauchen und auf diese erfrischende wie simple Art und Weise ein Menü abrunden. Saisonal, unkompliziert und ein klein wenig magisch. Zumindest für die britische Food-Autorin, die in diesem Dessert eine geradezu selbstverständliche Herangehensweise an das Kochen und Essen wiedererkannte. Vergessen hat sie diese Pfirsiche nie. Sie wurden zu einem Symbol für gutes Essen und schließlich Ideengeber für ein wunderbares Kochbuch, das so viel mehr ist als eine sonst oft übliche Präsentation toller Rezepte. "Von der Kunst, einen Pfirsich zu essen" gewährt tiefe Einblicke in Diane Henrys Wirken als Köchin und macht ihre Freude an ehrlichem Genuss. Es erzählt von schönen Reisen und stellt die von diesen inspirierten Gerichte vor. In Istanbul etwa geht Henry dem Zauber der Küche am asiatischen Ufer nach. Dabei entdeckt sie unter anderem köstliche Zubereitungsarten für Auberginen und Lammfleisch. Spanien ist für Diana Henry sie nicht nur ihr spanischer Vorratsschrank, in dem sich pralle Stoffsäcke mit Paella-Reis, gelbe und rote Dosen mit Thunfisch und Anchovis finden, Es ist auch Pan con Tomate, jene gerösteten und mit Olivenöl beträufelten Brotscheiben, die so intensiv nach Knoblauch, Tomaten und südlicher Sonne schmecken. Und es ist auch eine Zwiebel-Spinat-Tarte mit einem nicht zu salzigen Blauschimmelkäse. Bei Letzterem sind es Erinnerungen an Frankreich, die zu diesem Gericht inspirieren. Vorgestellt werden immer Menüs, denen die gebürtige Nordirin jeweils ihre Erlebnisse voranstellt. Sie beschreibt auf sehr persönliche Weise die Umstände der Länder, deren Küche sie dem Leser näher bringen will. Zudem gibt die Köchin zu vermeintlich komplizierteren Rezepten noch einfachere Varianten mit an die Hand. Das Buch ist Lesestoff für kulinarisch interessierte Fernwehgeplagte. Dabei sind die Geschichten zwischen den Menüs mindestens genauso gut wie die Rezepte selbst. Das Buch ist anders. Erstens inhaltlich, zweitens was seinen ungewöhnlichen Titel betrifft und drittens fühlt sich schon der Umschlag an wie eine sanfte Pfirsichhaut, "Die Kunst, einen Pfirsich zu essen" ist eine Erlebnisreise einer kulinarisch sehr kompetenten Weltenbummlerin. Dass einem bei der Lektüre das Wasser im Munde zusammenläuft, ist nicht zu vermeiden.
Diana Henry, Von der Kunst, einen Pfirsich zu essen, Ars Vivendi Verlag, Cadolzsburg, 256 Seiten, 30 Euro.