Milchersatz

Wie man Pflanzendrinks zu Hause selber macht und dabei auch noch Geld spart

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

So, 22. September 2019 um 15:54 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Hafer, Mandel, Hanf oder Haselnuss? Cashew, Kokos, Leinsamen, Erbse? Pflanzendrinks als Milchersatz sind beliebt. Zum selber herstellen braucht es nur einen Mixer und ein Tuch.

Pflanzendrinks aus Saaten, Nüssen und Getreide, die nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs offiziell nicht als Milch bezeichnet werden dürfen, haben in den vergangenen Jahren mehr und mehr Regalmeter in Supermärkten, Drogerien und Reformhäusern erobert.

Selbstgemachte Pflanzendrinks schmecken deutlich anders, was daran liegt, dass die Kaufversionen pasteurisiert und homogenisiert werden, zudem enthalten sie oft zahlreiche Zusatzstoffe. Wer unverfälschten Geschmack möchte, der sollte darauf achten, dass ein Pflanzendrink lediglich die Nuss- oder Saatenbasis, Wasser und eventuell noch etwas Öl enthält. Oder aber: Selbst zur Tat schreiten. Das ist zudem auch deutlich günstiger.

Die Herstellung ist einfach: Pürieren, abseihen, fertig

Drei Dinge brauchen Sie, um selbst Pflanzendrinks herzustellen: einen Mixer, ein Abseihtuch und Experimentierfreude. Generell gilt: Je leistungsfähiger der Mixer, umso cremiger das Ergebnis. Als Abseihtuch eignen sich Baumwoll- oder Leinentücher oder sogenannte Nussmilchbeutel, die meist aus Nylon bestehen. Auch eine French Press leistet gute Dienste. Die Experimentierfreude ist vonnöten, weil man sich ein wenig heranpirschen muss an das individuell mundende Ergebnis. Die Herstellung ist denkbar einfach: Pürieren, abseihen, fertig.

Eine gute Ausgangsbasis ist die 1:10-Regel: ein Teil Nüsse oder Saaten, zehn Teile Wasser. Wer sich erst einmal an einem halben Liter versuchen möchte, nimmt also 50 Gramm Nüsse, Saaten oder Getreide auf 500 Milliliter Wasser. Dann wird verkostet und entschieden: Schmeckt es nach zu viel Nuss? Soll es dünner oder milder werden? Oder schlackert der Pflanzendrink noch zu wässrig im Glas und verträgt ein bisschen mehr Substanz? Hier kann dann nach Geschmack nachjustiert werden. Mandeldrink zum Beispiel schmeckt erst so richtig schön marzipanig ab etwa 200 Gramm Mandeln pro Liter.
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Die Nüsse müssen über mehrere Stunden einweichen

Abhängig davon, welche Nuss oder Saat Sie verflüssigen wollen, brauchen Sie ein wenig Vorbereitungszeit: Nüsse sollten wenigstens acht bis zehn Stunden einweichen. Das macht den Pflanzendrink bekömmlicher und cremiger. Außerdem bleiben so nach dem Mixen weniger kleine Stückchen. Manche schwören darauf, auch Haferflocken, Sesam oder Cashewkerne über Nacht einzuweichen, doch bei den weicheren Zutaten ist das nicht zwingend nötig.

Wer mag, gibt vor dem Pürieren – oder hinterher, falls Bedarf besteht – etwas Süße hinzu. Datteln oder Dattelsüße verhalten sich dabei am unauffälligsten, Ahornsirup oder Kokosblütenzucker steuern eine leicht karamellige Note bei. Menschen mit hoher Stückchentoleranz und einem leistungsfähigen Mixer können sich das Abseihen auch sparen.

Weil Fett und Wasser nicht so gut miteinander können, verwandeln sich Pflanzendrinks nach ein paar Stunden im Kühlschrank in eine eher unansehnliche Flüssigkeit. Kräftig schütteln hilft. Ästheten können auch in eine Packung Sonnenblumenlecithin investieren und einen Esslöffel pro Liter in den Drink geben. Das fungiert als Emulgator und verhindert, dass sich die einzelnen Bestandteile absetzen. Die Reste, die nach dem Abseihen im Nussmilchbeutel oder im Tuch bleiben, passen getrocknet hervorragend aufs Müsli oder können in Kuchen- und Keksteigen verbacken werden.

Auch aus Reis lässt sich ein Milchersatz herstellen

Der mit Abstand aufwändigste Pflanzendrink ist der aus Sojabohnen, da er nach dem Mixen erst gekocht werden und dann abkühlen muss, bevor er abgeseiht werden kann. Das ist nötig, weil Sojabohnen im rohen Zustand giftig sind. Doch die 20 Minuten sind bestens investierte Zeit. Besonders fein wird der Drink, wenn man geschälte Sojabohnen verwendet. Gekochter Reis ist ebenfalls eine prima Grundlage für einen schnellen Drink. Allerdings ist das von allen Varianten die nährstoffärmste: Jeder Pflanzendrink ist eben nur so gut wie seine Basis.

Der Pflanzendrink kann übers Müsli oder in den Kaffee gegossen und pur getrunken werden. Wenn Sie einen ganz experimentierfreudigen Tag haben, ist der Pflanzendrink erst der Anfang. Der wird dann nämlich mit ein paar Eiswürfeln, Banane, Heidelbeeren, Kakao und was immer Ihnen einfällt zu einem köstlichen Spätsommershake.

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