Kochbuch

Preiswert Vegan kochen: Mit Zauberwürzen

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

So, 09. Mai 2021 um 10:41 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Wer vegan kochen will, muss tief in die Tasche greifen – siehe Avocado und Süßkartoffel. Doch das muss nicht sein. Wie es auch preiswert geht, zeigt das Kochbuch "Vegan Low Budget".

Vegan essen? Muss man sich leisten können. Mit diesem Vorurteil sieht sich die pflanzenbasierte Küche immer wieder konfrontiert – mit Verweis darauf, dass Avocado, Süßkartoffel und Cashewnüsse nun wirklich nicht zu den preisgünstigen Lebensmitteln gehören. Die genannten Beispiele sind völlig korrekt, der Rückschluss daraus, dass eine vegane Ernährung nur für finanziell besser Gestellte taugt, jedoch falsch. Das zeigen der Ernährungswissenschaftler Niko Rittenau und der Koch Sebastian Copien in ihrem zweiten gemeinsamen Kochbuch, in dem sie sich ganz dem "low budget", also dem Kochen mit wenig Geld widmen. Wohlgemerkt: nicht dem Kochen mit billigen Lebensmitteln. Denn obwohl natürlich günstige Nahrungsmittel wie Möhren, Linsen, Kartoffeln, Bohnen und Reis eine wichtige Rolle spielen, setzen die Autoren auf qualitativ hochwertige, sprich Bioprodukte. Ihr Sparkonzept ruht vor allem auf drei Säulen: Lebensmittelverschwendung reduzieren, Rabattaktionen nutzen und dank der Technik des Keimens mehr Nährstoffe pro Cent bekommen. Um nicht nur Geld, sondern auch Aufwand zu sparen, haben Rittenau und Copien den eigentlichen Rezepten ein Kapitel mit dem vielversprechenden Titel "Zauberwürzen" vorangestellt. Das sind fertige Gewürzmischungen wie das deftige "Gyros-Rub" oder das Allzweckmittel "Cajun Spice", aber auch Soßen und die überaus gelungene Umami-Paste. Ratloses "hm, vielleicht noch bisschen davon, oder doch mehr Säure?" beim Abschmecken entfällt damit, ein Löffel Umami, ein Esslöffel Cajun, fertig. Die Zauberwürzen stellt man alle drei, vier Wochen her und zehrt dann beim Kochen davon. So sind "Orangen-Lauch mit sauren Graupen und Schwarze-Bohnen-Creme" oder "Vegane Tiroler Kasspatzln" zwar halbwegs zügig auf dem Teller, büßen aber nichts an Komplexität ein. Rittenau und Copien haben den Anspruch, dass ihre Gerichte gleichzeitig kulinarisch raffiniert und nährstoffreich sind, was man auch daran merkt, dass die jeweils für zwei Portionen konzipierten Rezepte zufrieden satt machen.

Wer für Kinder kocht, wird hier allerdings nicht fündig, und auch Menschen, die immer zuerst zu den Seiten mit den Desserts blättern, werden enttäuscht sein. Das Buch konzentriert sich auf herzhafte Kost. Dafür greifen die Autoren viel auf Sojaprodukte zurück, Allergikern wird der Kauf nicht empfohlen. Alle anderen hingegen können ihre veganen Kochkünste damit auf ein neues Level heben, ohne das Monatsbudget zu stark zu belasten.
Niko Rittenau, Sebastian Copien: Vegan Low Budget. Großer Geschmack zum kleinen Preis. Becker Joest Volk Verlag, Hilden. 256 Seiten, 19,95 Euro