Eine Operngala mit Domino-Effekt

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Mi, 16. Dezember 2015

Denzlingen

Mitglieder der Opernschule der Musikhochschule Freiburg gastieren beim zweiten Zykluskonzert des Denzlinger Kulturkreises.

DENZLINGEN. Für den Zuhörer, der offen war für ein Wechselbad der Gefühle, war in der "Operngala" des Denzlinger Kulturkreises am Samstagabend alles geboten: Eifersuchtsdramen mit Domino-Effekt, Todessehnsucht, Liebestaumel, weibliche Raffinesse, Verzweiflung, Übermut, Intrige hin und her, Melancholie. Ein emotionales Kunterbunt im Miteinander von Frau und Mann, wie es so ausdrucksvoll und ausgereizt in vielfältiger Weise nur in der Welt der Oper zu finden ist. Und das alles auf der schwarzen, wenig inspirierenden Bühne des Bürgerhauses.

Dass die Gefühlswelten der verschiedenen Opern greifbar wurden, dass der Zuhörer sich hineinversetzen konnte in vielfache Beziehungs- und Verwechslungsgeschichten rund um die Liebe, war der Musik und dem Zusammenwirken der agierenden Mitglieder der Opernschule der Musikhochschule Freiburg, des Pianisten Kieran Staub, der Regie von Anastasia Vareli und der empathischen und inspirierenden Moderation von Gabriele Kniesel zu danken. Kleinste inszenatorische Mittel, drei Sitzwürfeln auf der Bühne, im zweiten szenischen Teil des Konzertes auch Kostüme, waren zu Hilfe genommen, um die jeweilige Szene bildlich zu unterstreichen und den großen schwarzen Hintergrund vergessen zu lassen. Der rote Giftbecher, das Schmuckkästchen waren plakative Beigaben. Ungemein eindrucksvoll und aussagekräftig waren die Gesangsnummern auch ohne "Hilfestellung". Es war faszinierend zu beobachten, wie es den Mitwirkenden gelang, durch die Ausdruckskraft ihres Gesanges, durch Gestik und Mimik die jeweilige Gefühlsgemengelage deutlich zu machen. Große Stimmen, die das Kultur- und Bürgerhaus in ein Opernhaus verwandelten, geschulte Stimmen, die in ihrer Klasse beeindruckten, feinste Nuancierungen im Gesang entführten in die ausgewählten Szenen. Musiktheater war konsequent umgesetzt: die Bedeutung des Regisseurs, in Szene zu setzen, zu "inszenieren", wie sie sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts für die Wiedergaben der Oper entwickelt hat, wurde greifbar. Neben dem Singen war dem Schauspielen Raum gegeben in einer Intensität, dass eine gewisse Erleichterung einsetzte, wenn die jungen Sängerinnen und Sänger nach den ergreifenden Partien für die Momente des Applauses alle wieder lächelten und geradezu ausgelassen, spielfreudig schienen.

Sie vermittelten die Ernsthaftigkeit im Umgang mit der musikalischen Partie und gleichzeitig den Spaß, die Partie auch zu spielen. Damit war eine Lebendigkeit gegeben, die lange Zeit im Opernbetrieb unüblich war. Der inszenatorischen Leistung von Anastasia Vareli, den kargen großen Bühnenraum für ausdrucksvolle Szenen zu nutzen, galt langer Applaus. Gleichermaßen dem Pianisten Kieran Staub, der gesamte Orchester zu ersetzen hatte und dem dies in seinem Spiel effektvoll gelang. Der Szenenapplaus, der die jeweiligen Akteure würdigte, steigerte sich noch einmal für den Schlussapplaus. Nach dem dramatischen Terzett aus "Rigoletto" und dem Hymne gewordenen Schlusschor aus "Nabucco", zu dem sich alle Mitwirkenden zu einem eindrucksvollen Chor zusammenfanden, war zweifelsfrei gegeben, was Anastasia Vareli als Anspruch formuliert hatte: die Geheimnisse, die in der Musik verschlüsselt seien, zu entdecken und zu vermitteln. Die einzelne Leistung der Mitwirkenden und auch das intensive und ausgeglichene Miteinander im Singen und Spielen rechtfertigt ein Aufzählen ihrer Namen: Annemarie Vergoossen, Lorenzo de Cunzo, Alies Mack, Céline Akcag, Yuki Toyoshima, Ronan Caillet-Ménégoz, Tobias Schwarz, Hoseun Baik, Sara Wohlhüter, Theresa Mack. Beifall für eine Operngala, die neben aller Professionalität gerade auch durch die jungen Stimmen eine Besonderheit darstellte.