Kinder an die Macht!

Andreas Peikert

Von Andreas Peikert

Fr, 08. Februar 2013

Freiburg Ost

In Ebnet stürmten die Kindergartenkinder das Rathaus, mussten den Schlüssel danach aber gleich wieder rausrücken.

EBNET. Das Rathaus in der Steinhalde mutierte am "Schmutzigen Dunschdig" zum Epizentrum des närrischen Treibens im Freiburger Osten. Fasnetnachwuchs vom katholischen Kindergarten und Hästräger der heimischen "Feurigen Salamander" trugen ihren Teil dazu bei, dass Bernhard Sänger zumindest für ein paar Stunden der sonst so schweren Last seines Amtes als Ortsvorsteher enthoben werden konnte.

Schon am Morgen belagerte eine aufgeregte Kinderschar vom benachbarten Kindergarten St. Franziskus den für solche Zwecke viel zu kleinen Sitzungssaal, um es sich im Rathaus gemütlich zu machen – und dem Ortsvorsteher nach ein paar gemeinsamen Spielen den Rathaus-Schlüssel abzuknöpfen. Auserkoren für diesen symbolischen Akt der Machtübernahme wurde Jakob, der an diesem Tag mit zweidreiviertel Jahren der jüngste unter den knapp 60 Mädels und Jungs war.

Große Augen machten die Kindergartenkinder, als plötzlich gut ein Dutzend Hästräger von den heimischen "Feurigen Salamander" mit Masken und tierischem Outfit den Ratssaal bevölkerten. Mit allerlei Jux und liebevoll inszeniertem Klamauk wurde der Nachwuchs in das närrische Treiben einbezogen, bevor die Salamander zur Schülerbefreiung zur Feyelgrundschule weiterzogen. Dort endete damit nicht nur der Schultag, sondern es begannen auch die gut einwöchigen Fasnetferien.

Im Ratssaal dabei war auch Sonja Koppitz (55) aus Littenweiler, die seit mittlerweile vier Jahren ein Salamander ist. "Sich daheim zu langweilen ist nicht mein Ding. Bei den Umzügen und Saalveranstaltungen ist immer was los", sagte sie. Zum Abschluss der durchweg friedlichen Revolution im Ebneter Rathaus spendierte das Team um Verwaltungsleiter Gerold Wonlarlarski jedem Kind eine Capri-Sonne sowie ein Mäuschen aus Hefeteig – kassierte aber dafür den symbolischen Schlüssel wieder ein.

Denn der wurde am Abend schon wieder für die nächste Kapitulation gebraucht: Nach dem traditionellen Hemdglunker-Umzug zu den Klängen des Musikvereins stand das mit Fahnen geschmückte Rathaus zum zweiten Mal im Mittelpunkt der Narretei. Diesmal waren es die Feurigen Salamander, die in die Ortsverwaltung eindrangen und dem Rathauschef die Schlüsselgewalt abnahmen. Anlässlich der Feierlichkeiten zu "900 Jahre Ebnet" hatten sich die Rathausangestellten etwas Besonderes einfallen lassen.

Folterinstrumente, Handschellen und schwere Fußfesseln sowie eine Verdunklung des eh schon kleinen Raumes verwandelten den Ratssaal in eine düstere Arrestzelle. Im Flur der Ortsverwaltung wurde Markus Schäfers, Oberzunftmeister der "Feurigen Salamander" per Steckbrief gesucht. Ortschaftsräte, Vertreter der Vereine und Einwohner aus Ebnet nutzten im Anschluss die Gelegenheit, um bei Sekt und Saft ins Gespräch zu kommen.