Schwere Geschütze

31 Krähen erlegt: Tierschützer zeigt Kreisjägermeister an

obe

Von obe

So, 28. Februar 2010 um 20:58 Uhr

Ortenaukreis

Dass das Thema Rabenvögel und deren Schutz kein neues, aber ein nach wie vor heiß diskutiertes ist, zeigt der Fall einer Abschuss-Aktion in Oberkirch-Zusenhofen. Nach dieser wurde Kreisjägermeister Manfred Just nun von Christoph Münch vom Naturschutzbund (Nabu) angezeigt.

Zusammen mit Jungjägern habe der Waidmann gesetzeswidrig 31 Vögel erlegt. Just wird als "Organisator der Krähenverfolgung" betitelt. Dem Regierungspräsidium lägen Meldungen über insgesamt 83 geschossene Krähen vor, so Münch in einem Schreiben, das der BZ vorliegt.

Die Anzeige gegen Just und die beteiligten Jungjäger bei der Staatsanwaltschaft Offenburg hängt sich an der Jagd im vergangenen Jahr auf. In einer Veröffentlichung über die Aktion ist zu lesen: "Am 23. Juli erlegten ’Junge Jäger’ auf Einladung von Kreisjägermeister Just in der Zusenhofener Jagd 31 Krähen. Danach wurden sie von Mitgliedern des örtlichen Fußballvereins verköstigt."

Tote Krähen in Reih und Glied

Auf der Internetseite der Jägervereinigung Offenburg ist Just mit den Jungjägern mit ihren Waffen auf einem Foto zu sehen, die toten Krähen liegen davor in Reih und Glied. Für Nabu-Mann Münch ein Unding.

So genannte Vergrämungsabschüsse, um die Vögel dauerhaft fern zu halten, seien nur zwischen dem 15. März und 15. Juli erlaubt, der Jagdfunktionär habe den Nachwuchs "gleich zu Beginn ihrer jagdlichen Karriere zu sinnlosem, naturschädlichem Verhalten animiert". Das anschließende Essen beim Fußballverein spreche für ein unreflektiertes Feiern des Abschusses als gesellschaftliches Ereignis.

Manfred Just seinerseits reagiert mit Kopfschütteln und verwahrt sich aufs Schärfste gegen Vorwürfe, wider das Gesetz gehandelt zu haben. "Die Krähen sind freigegeben", betont er. Das Regierungspräsidium habe vier Anträge von Landwirten genehmigt, die Schäden nachgewiesen hätten. "Es gab landwirtschaftliche Schäden." Die Erdbeerpflanzen seien von "Riesenschwärmen" heimgesucht worden, Früchte zerpickt, ganze Pflanzen herausgerissen worden. Zwischen 250 und 400 Krähen seien im Schwarm unterwegs.

Völlig falsch sei, dass man die Rabenkrähe nicht bejagen dürfe. "Sie haben von 16. Juli bis 15. März Schusszeit", betont Manfred Just. Basierend auf den Genehmigungen, sei er daran gegangen, "die Krähen, die es hier zu Hunderten gibt, zu dezimieren". Im Bereich Zusenhofen – das Revier umfasst 521 Hektar – hätten die Tiere ihre Schlafplätze. Außer dem Abschluss zusammen mit den Jungjägern habe es noch weitere gegeben. Er habe "lange ein dickes Fell gehabt", was die Krähen angeht – nun werde bejagt. Das sei nicht anders als bei den Wildschweinen. "Ich muss reagieren", die Beschwerden hätten überhand genommen, und er sei froh, die Zahl der Tiere verringert zu haben. Die Beschwerden kämen auch von privater Seite, von Ortsverwaltung und Bürgern.

Man müsse unterscheiden zwischen Rabenkrähen (wozu auch die Elster zählt) und den Saatkrähen (Corvus frugilegus), verdeutlicht der Jäger. Die Saatkrähen, erkennbar am grauen Schnabel, ständen nach wie vor unter "Vollschutz". Für die Rabenkrähen, die oft auch Fleisch, Eier oder auch kleine Vögel als Nahrungsquellen nähmen, gelte dies keinesfalls.

Der Kreisjägermeister erwägt nun, den Spieß umzudrehen. "Ich überlege, Herrn Münch über den Jagdverband anzuzeigen." Überdies: Die Jagd mit dem Jäger-Nachwuchs sei im Sinne jagdlicher Traditionen über die Bühne gegangen. "Es wurde die Strecke gelegt, wie es sich gehört."

Das sei auch ein Akt der Würdigung und des Abschiednehmens von den Tieren. Angelockt worden seien die Krähen durch Raben-Attrappen, beim Anflug zur "Begrüßung" der vermeintlichen Artgenossen wurde geschossen. Münch wolle die Jägerschaft anscheinend in Misskredit bringen.

Die Mahlzeit beim Fußballverein sei zudem kein "Belohnungs-Essen" für die Krähen-Tötung gewesen, stellt Just klar. "Ich bin Mitglied der AH-Abteilung, die Einladung hatte nichts mit dem Abschuss zu tun."

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