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10. Juni 2017

Am Rad drehen

Auch auf Fahrrädern lässt es sich kicken / Ein Trainingsbesuch beim Radsportverein RVC Prechtal.

  1. Fabian Joos, Jakob Joos und Joscha Winterer (von links) kämpfen auf dem Rad um den Ball. Foto: Sonja Zellmann/BZ

  2. Fabian Joos schießt aufs Tor. Foto: Sonja Zellmann

  3. Foto: Sonja Zellmann

  4. Foto: by-studio busse/yankushev

Fußball kennt jeder, Handball auch, aber habt ihr schon mal von der Sportart Radball gehört? Dabei kämpfen wie bei anderen Ballsportarten zwei Mannschaften um einen Ball und versuchen, diesen in das Tor der Gegner zu befördern. Allerdings wird der Ball beim Radball, wie der Name schon vermuten lässt, mit einem speziellen Fahrrad geschossen.

Mittwochabend in der Steinberghalle in Prechtal bei Elzach. Hier trainiert die Radball-Jugend des örtlichen Radsportvereins RVC. "Und auf, vier Mal hin und her, dann Schuss!", ruft einer der Trainer. Zwei Spieler stehen auf ihren Rädern bereit. Der erste fährt auf den am Boden liegenden Ball zu, der etwa so groß ist wie ein Volleyball. Er stoppt kurz ab, reißt den u-förmigen Lenker vom Boden hoch, dreht ihn blitzschnell in Richtung Ball, so dass das Vorderrad das Spielgerät davonkickt, und schießt damit einen Pass zu seinem Mitspieler. Der spielt den Ball wieder zu ihm zurück. Es geht nochmal hin und her, dann der zackige Schuss mit dem Rad aufs Tor. Getroffen! Unhaltbar für den Torwart. Der steht natürlich ebenfalls auf dem Fahrrad im Tor. Den Ball wehrt er mit dem Rad ab. Oder mit den Händen. Die darf er aber nur benutzen, wenn er gleichzeitig mit beiden Füßen auf den Pedalen steht. Dabei hält er das Fahrrad mit seinen Beinen im Gleichgewicht.

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"Das Stehen mit dem Rad ist richtig schwierig", erzählt Jakob Joos. "Auch mit den Händen am Lenker." Der Neunjährige trainiert noch in der Anfängergruppe – er ist erst seit Februar dabei. Und kurzzeitig stehen müssen die Radballer oft, zum Beispiel um den Ball präzise schießen zu können oder um ihn einem Gegner auf engem Raum abzunehmen. "Denn sobald man nicht mit beiden Füßen auf den Pedalen ist und den Boden berührt, ist der Spielzug beendet. Dann muss man zur Strafe erst mal hinter die eigene Torlinie fahren, damit man weitermachen darf", erklärt Fabian Joos, auch neun Jahre alt. "Das nennt man Schlag holen." Fabian spielt seit rund drei Jahren Radball und hat mit seinem Teamkameraden Joscha Winterer in der Klasse Schüler C schon einige Turniere bestritten.

Beim Hallenradball spielen meist Zweierteams gegeneinander, es gibt auch die Variante mit Fünferteams, außerdem gibt es für draußen Rasenradball. Das wird in Sechserteams gespielt. Ist das nicht gefährlich, wenn mehrere Leute mit Fahrrädern auf engem Raum hantieren, und es auch noch um Schnelligkeit geht? "Klar fallen wir auch mal vom Rad", sagt Jakob. "Aber was Schlimmes passiert eigentlich nicht." Dennoch müssen die Räder natürlich viel aushalten, da die Vorderräder beim Schuss meist vom Boden abheben und anschließend wieder hart aufkommen. Erfahrene Spieler springen auch häufig mit Vorder- oder Hinterrad über den Ball, um diesen vor dem Gegner abzuschirmen. Die Fahrräder sind daher äußerst stabil gebaut. Sie haben nur einen Gang, mit dem man vorwärts und rückwärts fahren kann. Gebremst wird mit einem kurzen Rückwärtstritt. Es gibt übrigens auch Mädchen beim Radball. Allerdings nicht so viele. Daher spielen sie mit den Jungs im Team. Auch beim RVC Prechtal.

Autor: Sonja Zellmann