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13. Oktober 2009 13:15 Uhr

Glücksspiel-Boom

Anwohner wehren sich gegen weitere Spielhalle im Stühlinger

Der Glücksspielboom hält an: Im Freiburger Stadtteil Stühlinger gibt es bereits eine Spielhalle. Jetzt soll eine zweite dazu kommen – direkt nebenan. Dagegen wehrt sich nun eine Eigentümergemeinschaft.

  1. Hallen mit Spielautomaten boomen in Freiburg. Das ärgert sowohl Nachbarn als auch die Stadtverwaltung. Foto: Uwe Meinhold

Auch die Stadtverwaltung ist aktiv. Baureferent Norbert Schröder-Klings ist es ein Dorn im Auge, dass die Automatenhallen derzeit überall in Freiburg wie Pilze aus dem Boden schießen. Deshalb will die Verwaltung ein Gesamtkonzept erarbeiten.

Es ist erst wenige Wochen her, dass die Stadtverwaltung in der Ferdinand-Weiß-Straße im Stühlinger eine Spielhalle verhinderte. Im Eilverfahren wurde das Gebiet nachträglich in die so genannte Bordellkonzeption aufgenommen. Diese soll im Stadtgebiet eigentlich die Angebote für käuflichen Sex steuern. Sie gilt aber auch für "sonstige Vergnügungsstätten", unter die auch Spielhallen fallen. Diese werden in Freiburg immer mehr zum Thema: Während früher allenfalls alle zwei bis drei Jahre eine neue eröffnete, häufen sich mittlerweile in der Stadtverwaltung die Anträge. Ein Trend, der auch landesweit zu beobachten ist: In Baden-Württemberg hat die Anzahl der Spielhallen seit dem Jahr 2000 um 70 Prozent zugenommen.

Angst vor noch mehr Problemen

In Freiburg gibt es derzeit 30 Spielotheken. Und mit ihnen jede Menge Probleme. Dies kann Sabine Kraft bestätigen. Sie wohnt in der Antoniterstraße direkt oberhalb der bestehenden Spielhalle. "Unheimlich" findet es Sabine Kraft mittlerweile, ihr Haus zu betreten. Ständig lungerten "düstere Gestalten" vor dem Eingang herum, berichtet sie. Schon mehrfach habe es Schlägereien gegeben, sie selbst sei belästigt worden. Außerdem liege vor dem Haus häufig Müll herum, sagt Sabine Kraft, und vor allem abends sei es vor der Spielothek unerträglich laut.

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Die Eigentümer der Wohnanlage befürchten, dass sich durch die zweite Spielhalle die Probleme potenzieren. Sie gehen davon aus, dass ein Strohmann die weitere Spielothek beantragt habe, de facto handle es sich um eine Erweiterung der bestehenden Lokalität. Stellvertretend für die Eigentümergemeinschaft hat Angelika Waibel deshalb gegen die zweite Halle geklagt. Sie besitzt in der Anlage zwei Wohnungen, wohnt selbst aber nicht dort.

Notfalls durch alle Instanzen

Das Urteil ist noch nicht gesprochen. Angelika Waibel will sich notfalls durch die Instanzen zu kämpfen. "Wir wollen mit allen Mitteln verhindern, dass hier ein richtiger Brennpunkt entsteht", sagt sie. Deshalb hat Angelika Waibel auch die Polizei, den Bürgerverein Stühlinger und die Stadtverwaltung um Unterstützung gebeten.

Verwaltung will Gesamtkonzept

Der städtische Baureferent Norbert Schröder-Klings würde die Spielhalle selbst gern verhindern: "Die ganze Entwicklung passt mir überhaupt nicht." Aber es sehe schlecht aus, sagt Schröder-Klings: Für eine Bebauungsplanänderung wie in der Ferdinand-Weiß-Straße sei es in der Antoniterstraße zu spät. Außerdem gebe es hier bereits eine Spielhalle, eine weitere zu untersagen sei deshalb schwierig. Vielmehr als um den Einzelfall müsse es deshalb jetzt darum gehen, die Spielhallenproblematik allgemein anzugehen, sagt Schröder-Klings: "Wir brauchen eine Gesamtkonzeption." Dies sei jedoch nicht ganz einfach, da Spielhallen baurechtlich an vielen Stellen erlaubt sind.

Autor: Beate Beule