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09. Mai 2017

Vierbeiner helfen Körper und Geist

Mit ihrem Spendenritt im Hexental werben zwei Reittherapeutinnen für pferdegestützte Therapien für Kinder und Erwachsene.

  1. Die Reittherapeutinnen Lina Renard (links) und Johanna Laurer auf dem Spendenritt. Foto: Gabriele Hennicke

HEXENTAL. Werbung für pferdegestützte Therapie machten jetzt die Reittherapeutinnen Johanna Laurer und Lina Renard beim Spendenritt vom Lehhaldehof in Merzhausen über Au, Wittnau, Sölden und Bollschweil und wieder zurück zum Hof. Der Spendenritt im Hexental fand innerhalb eines bundesweit organisierten Spendenritt-Wochenendes statt. Bei diesem sollte auf die Bedeutung der Reittherapie aufmerksam gemacht werden.

Kurze Pause für Reiterinnen und Pferde beim Tennisplatz in Bollschweil. Etwa zweieinhalb Stunden waren die drei Reiterinnen – neben den beiden Therapeutinnen war Stallkollegin Anne Hillenbach dabei – von Merzhausen größtenteils auf dem Bettlerpfad nach Bollschweil geritten. Mit ihren grünen T-Shirts, auf deren Rückseite sie für die pferdegestützte Therapie werben, fielen die drei Reiterinnen auf. Am Vormittag hatten sie sich vom Lehhaldehof oberhalb des Sportplatzes vorbei an Schule und Schwimmbad zur Dorfmitte von Merzhausen aufgemacht.

Überall, wo sie Menschen trafen, informierten sie über pferdegestützte Therapie und Pädagogik und baten um Spenden zugunsten des bundesweit agierenden Vereins Pferde Stärken. Dieser unterstützt Menschen, die die Reit- oder Hippotherapie selbst nicht bezahlen können, da dieses Verfahren nicht von den Krankenkassen übernommen wird.

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"Die meisten Menschen kennen eher den Begriff Reittherapie", sagt Johanna Laurer. "Bei der Reittherapie hilft die Begegnung mit dem Pferd und die körperliche Bewegung mit und auf dem Pferd, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Das Pferd motiviert Kinder und Erwachsene, sich auf neue Erfahrungen einzulassen und über sich und ihre Probleme hinauszuwachsen." Während Johanna Laurer, die hauptberuflich als Sozialpädagogin arbeitet, in erster Linie Erwachsene als Reitklienten betreut, arbeitet Lina Renard, die in der Waldgruppe des Kindergartens St. Josef in Bollschweil tätig ist, vor allem mit Kindern. "Reittherapie hilft Kindern und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsstörungen und mit Autismus, auch zur Traumabewältigung ist Reittherapie als Ergänzung sinnvoll", sagt Renard. "Das Pferd spiegelt mit seinem Verhalten das, was der Reiter tut. Wenn ich beispielsweise dem Pferd keine eindeutigen Signale gebe, was es tun soll, dann reagiert es auch nicht." Auf diese Weise lerne der Reiter, klar zu werden und eindeutig. Dieses Verhalten könne dann auf Alltagssituationen übertragen werden. Denn: "Was im Alltag nicht funktioniert, klappt auch mit dem Pferd nicht. Wir unterstützen die Klienten, eigene Lösungen zu finden", sagt Renard. "Eine sehr wichtige Erfahrung für die Klienten ist es, dass das Pferd sie bedingungslos akzeptiert. Für viele ist das eine neue Erfahrung", sagt Johanna Laurer. "Beim Reiten erleben die Menschen körperliche Nähe und können sie zulassen, wenn ihnen das auch sonst schwerfällt." Beide Therapeutinnen berichten, dass die Interaktion mit dem Pferd Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen helfe, sich zu fokussieren, und unterstützend bei Menschen mit geistigen Behinderungen und mit psychischen Erkrankungen wirke. Vorkenntnisse seien keine erforderlich, in der Regel finde zuerst eine Schnupperstunde statt, bevor die Therapie beginne, zu der auch ein ausführliches Erstgespräch gehöre.

Beide Therapeutinnen haben ihre Pferde speziell ausgebildet. Sämtliche Aktivitäten mit dem Pferd wie Säubern und Aufzäumen werden therapeutisch genutzt. Die Stunden finden beim Lehhaldehof statt, entweder auf dem Reitplatz, auf einer Wiese oder bei einer geführten Runde auf dem Rücken des Pferdes rund um den Hof. Nur wenige Meschen haben sich bei regnerischem Wetter am Tennisplatz eingefunden. "So ging es uns leider auf der ganzen Strecke. Bei unserer Probetour am vergangenen Wochenende war tolles Wetter und ganz viele Leute unterwegs", sagt Lina Renard. Bevor sich die Reiterinnen auf den Rückweg machten, konnten sie sich über eine Spende von 20 Euro freuen, die eine der wenigen Besucherinnen gemacht hat. Auch für die Unterstützung einiger Hexentäler Betriebe und Geschäfte sind die Reittherapeutinnen dankbar. Das errittene Spendengeld wird auf jeden Fall Menschen zu neuen Erfahrungen auf dem Rücken der Pferde verhelfen.

Info: Wer das Therapeutische Reiten unterstützen möchte, kann zugunsten des Vereins Pferde Stärken (http://www.pferde-staerken.net auf das Spendenkonto IBAN: DE32 6405 0000 0000 0088 37 überweisen.

Kontakt: Johanna Laurer, http://www.Reittherapie-Hexental.jimdo.com Tel. 0761/ 2046392 und Lina Renard, http://www.Kinder-im-Glueck.com Tel. 07633/9409231.

Autor: Gabriele Hennicke