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12. Juni 2012

Auf aktiven Schallschutz kommt es an

Kampf gegen Bahnlärm erreichte schon viel / Sachstandsbericht vor Umkirchs Gemeinderat.

  1. Mit Protestschildern untermauert IGEL die For-derung nach mehr Lärmschutz an der geplanten Güterbahnstrecke. Foto: julius steckmeister

UMKIRCH (just). Über viele Jahre hatte die "Interessengemeinschaft gegen Lärm und Umweltbelastungen" (IGEL) für bessere Lärmschutzmaßnahmen entlang des geplanten dritten und vierten Gleises der Rheintalbahn gekämpft. Am 5. März dieses Jahres schließlich die frohe Botschaft: Auf der 7. Sitzung des Projektbeirates in Berlin war beschlossen worden, den wesentlichen Forderungen der Bahnlärmgegner zu entsprechen. Allein für die Abschnitte 8.1 und 8.2 zwischen Riegel und Mengen werden 84 Millionen Euro mehr in aktive Lärmschutzmaßnahmen investiert werden.

"Ich möchte den Gemeinderat rundum auf dem Laufenden halten", eröffnete IGEL-Beirat Uwe Lampe seinen Vortrag. Zunächst berichtete Lampe über die Ergebnisse des Bahnlärmkongresses in Boppard, dessen Ergebnisse jüngst in einem umfangreichen Kompendium zusammengefasst worden sind. Verschiedene Experten aus Medizin und Technik hatten sich des Themas angenommen und waren zu dem klaren Ergebnis gekommen, dass Lärm krank mache. So hatten Studien gezeigt, dass beispielsweise die Herzinfarktrate in betroffenen Gebieten um bis zu 50 Prozent höher liegt. Insbesondere Bahnlärm sei schädlich, da dieser besonders schnell und überraschend ansteige, so dass sich der Organismus nicht auf ihn einstellen kann. Schon aus diesem Grunde, betonte Lampe, sei der Schienenbonus, der dem Bahnverkehr höhere Lärmemissionen zugesteht wie dem Straßenverkehr, "absolut nicht haltbar".

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Des Weiteren war man den Lärmursachen auf den Grund gegangen, wobei der Hauptgrund in der veralteten Bremstechnik der Güterwagons zu finden ist. Hier reibt bei jedem Bremsvorgang Metall auf Metall, was neben Lärm auch zu einer Deformation der Räder führt, die wiederum Lärm erzeugt. Allein in Deutschland fahren noch 95 Prozent der Güterwagen mit den veralteten Metallbremssohlen.

Schließlich wies Lampe auf die Lärmberechnungsmethodik der Bahn hin, die nicht die Spitzenpegel zu Grunde lege, sondern einen Mittelwert über 24 Stunden. "Das konnten wir nicht wegverhandeln", so Lampe. Wegverhandelt wurde allerdings die "akustische Käfighaltung" in Form von zunächst seitens der Bahn an gedachter passiver Lärmschutzmaßnahmen, wie beispielsweise Schallschutzfenster. Stattdessen wird beim aktiven Lärmschutz erheblich nachgebessert. So fallen die Schallschutzwände nicht nur deutlich höher und länger aus, sondern werden zum Teil auch als aufwendige Galerien gebaut. Auch Rechenspiele wie das "besonders überwachte Gleis" (BÜG) und als Präzedenzfall sogar der Schienenbonus werden im Falle der Rheintalbahn entfallen. Dennoch gälte es, mahnte Lampe, weiterhin wachsam zu sein und darauf zu achten, dass in der Umsetzung das Versprochene auch im Detail eingehalten würde.

Im Namen des Gemeinderates dankte Tom Hirzle (SPD) der Bürgerinitiative und Uwe Lampe für ihr Engagement. Und auch Bürgermeister Walter Laub hoffte, dass "Lampe weiter an der Front kämpft". Die ersten Züge werden vermutlich im Jahr 2020 rollen, schloss dieser seinen Bericht.

Autor: just