Störche, wohin man auch schaut

Franziska Aderbauer

Von Franziska Aderbauer

Sa, 19. Mai 2018

Freiburg West

Auf dem Mundenhof gibt es in diesem Jahr so viele Storchennester wie noch nie / 20 bis 30 Jungtiere werden erwartet.

FREIBURG-MUNDENHOF. Wer in den vergangenen Wochen auf dem Mundenhof war, dem wird es aufgefallen sein: Auf dem Dach des Aquariums, auf dem Silo neben dem Verwaltungsgebäude und vor allem auf dem Verwaltungsgebäude selbst reiht sich Storchennest an Storchennest. 15 sind es dieses Jahr insgesamt auf dem Gelände des städtischen Tiergeheges. So viele waren es noch nie. Drei Nester sind neu dazu gekommen.

Eine vergleichbare Ansammlung von brütenden Störchen gibt es nirgends sonst im Breisgau, nicht einmal in Reute, wo der Weißstorchverein Breisgau – der auch für die Betreuung der Störche am Mundenhof zuständig ist – seine Storchen-Pflegestation hat. "Wir rechnen mit 20 bis 30 Jungtieren allein auf dem Mundenhof", sagt Gustav Bickel, Vorsitzender des Weißstorchvereins, "das wird ein gutes Jahr". Ein Storchenpaar legt drei bis sechs Eier. In der Regel überleben ein bis zwei Junge pro Nest. Viele Storchenküken am Mundenhof sind bereits geschlüpft, einige Paare brüten auch noch. Der Mundenhof ist bei den Störchen als Nistplatz deshalb so beliebt, weil Störche sich zum einen gerne in der Nähe von Menschen ansiedeln, zum anderen, weil der Mundenhof durch seine Lage – die Landwirtschaft und die umliegenden Wiesen – eine günstige Nahrungssituation bietet.

Aus Sicht der Störche kommt das regnerische Wetter der vergangenen Tage gerade recht – bleibt es zu lange trocken, wird es mit der Nahrungssuche für die Störche schwierig. Und zufüttern darf der Weißstorchverein nicht mehr. Bickel: "Die ernähren sich von allem, was da kreucht und fleucht." Das bedeutet: hauptsächlich Würmer, aber auch Blindschleichen, Eidechsen, Frösche und – wenn sie sich erwischen lässt – auch mal eine Maus. Zu viel regnen sollte es aber auch nicht, denn wenn die Jungtiere nass werden, besteht die Gefahr, dass sie an einer Lungenentzündung sterben. Deshalb setzten sich die Storcheneltern bei Regen über ihre Jungen, um sie zu beschirmen und trocken zu halten.

Wenn die Jungtiere 35 bis 60 Tage alt sind, steigt Gustav Bickel mit der Drehleiter der Feuerwehr zu den Nestern hinauf – das höchste Nest thront in 30 Metern Höhe – und versieht den Nachwuchs mit Ringen. Durch die eingravierte Buchstaben- und Nummernkombination können die Störche weltweit identifiziert werden. Bickel führt eine Liste aller brütenden Störche im Breisgau, insgesamt sind es derzeit 130 Paare.

Einige Nester am Mundenhof kann Bickel aber gar nicht erreichen. Zum Beispiel die, die die Störche auf die Telekommunikationsmasten des Verwaltungsgebäudes gebaut haben. Das ist nicht ganz unproblematisch, denn die Nester können bis zu 500 Kilo schwer werden. Im Winter muss man sie daher womöglich abtragen und anderswo Alternativen bauen oder die Nester zumindest säubern, um das Gewicht gering zu halten. Da die Störche ihre Nester kontinuierlich ausbessern und weiter ausbauen, kann ein Nest pro Jahr 50 Kilo schwerer werden.

Die ersten Flugversuche starten die Jungstörche, wenn sie ungefähr 60 Tage alt sind. Das ist dann besonders schön, findet Bickel, wenn gegen Juni/Juli die vielen Störche über dem Mundenhof ihre Kreise ziehen. Anfang August treten die Jungtiere die Reise in den Süden an. Die älteren folgen etwas später. Bis zu 3500 Kilometer legen die Störche zurück auf ihrem Weg durchs Rhonetal, an der Küste Spaniens entlang, über Gibraltar nach Marokko. Einige kehren dann nächstes Jahr vielleicht wieder an den Mundenhof zurück. Auch jetzt stammen die meisten aus der Region. So gesehen ist es eine Win-Win-Situation: Den Störchen gefällt es am Mundenhof, und der Mundenhof ist um eine Attraktion reicher.