Außergewöhnliches Musikerleben

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Mi, 25. April 2018

Denzlingen

Die Denzlinger Konzerte 2017/18 enden mit einem Klavierabend mit Michael Leuschner im Kultur- und Bürgerhaus.

DENZLINGEN. Mit dem Klavierabend von Michael Leuschner endete am vergangenen Wochenende im Kultur- und Bürgerhaus die Saison 2017/18 der Denzlinger Konzerte. Der Abend wurde zu einem Schlussakkord, wie er sich nach dem vielfältigen Gesamtprogramm nicht stimmiger vorstellen ließ.

Michael Leuschner hatte mit den ausgewählten Werken einen programmatischen Bogen von Joseph Haydn über Franz Schubert, César Franck, Claude Debussy bis Maurice Ravel gespannt. Es war nicht zu überhören, dass irgendwie alles mit allem etwas zu tun hatte.

Dafür gab Leuschner einige musikalische Beispiele: Die zweisätzige Sonate von Haydn bedeutet einen Fingerzeig auf Schuberts künftige Musiksprache. Maurice Ravel nutzte für seine Stücke einen Titel einer Schubert-Komposition. "Traumhafte Stimmungen" gibt es laut Leuschner sowohl bei Schubert wie in dem ausgewählten Prélude von Debussy zu hören. Außerdem sind Prélude, Choral et Fugue von César Franck eine Rückbesinnung auf Johann Sebastian Bach.

All das und zwei stimmungsvolle abschließende Zugaben summierten sich zu zwei guten Stunden ausgereifter, edler Klaviermusik. Dabei begeisterte vor allem Leuschner am Instrument selbst. Ein Cello wird zwischen die Knie genommen, eine Geige schmiegt sich zwischen Kinn und Schulter, eine Flöte braucht den Atem und liegt auf den Lippen, der Klavierspieler berührt das so sehr viel größere Instrument lediglich mit den Fingern und zuweilen den Fußspitzen. Es erstaunt immer wieder, dass der Pianist im Vergleich zu anderen Instrumentalisten mit seinem großen Instrument wie dem Konzertflügel allein über die Finger in Berührung kommt und ein so Vielfaches an Klängen und damit Stimmungen und Wirkungen hervorzuholen imstande ist. Sicher fließen eine geschulte Körperbeherrschung und mentale Kraft mit hinein, Virtuosität und musikalische Ausdruckskraft bündeln sich zu einem erstaunlichen, spannenden Spiel mit den Tasten.

Michael Leuschners Spiel beeindruckte ungemein, nicht nur dank seiner sicheren virtuosen Technik, die jede mögliche Klangfarbe und Tonvariante aus dem Flügel herauszuholen weiß, nicht nur durch reife Interpretationen. Er faszinierte auch und immer wieder, weil er ohne jede Attitüde auskommt. Er scheint in den Vorstellungen der Werke, die er sich von ihnen gemacht hat, zu versinken und lässt konzertierend daran teilhaben.

Gestische Untermalung braucht er nicht hinzuzuziehen. Seine Konzentration in die Musik mit ihren vielfältigen, von klassischen bis spätromantischen Innerlichkeiten und Spannungen, mit Kontrasten und Verläufen teilte sich mit und ließ auch diesen Klavierabend zu einem außergewöhnlichen Musikerleben werden.