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14. August 2014

Rundgang durch drei Bild-Ausstellungen in Badenweiler und Freiburg

AUSSTELLUNGSRUNDGANGdurch das Kunstpalais Badenweiler, die Galerie Meier und den Artraum in Freiburg.

Wolfram Scheffel
Malerei und Farbholzschnitte des Freiburger Künstlers Wolfram Scheffel sind im weiträumigen Kunstpalais Badenweiler zu sehen. Scheffel präsentiert hier die gesamte thematische Palette seines aktuellen Schaffens. Das heißt: leuchtende Landschaften und kubisch gegliederte Architekturbilder sowie die Mischung aus beidem. Hinzu kommen ruhige Schneelandschaften und eine ganz neue, formal stark reduzierte Innenraumansicht. Scheffel malt nur, was er kennt. Die Provence, der Osten Deutschlands, der Schauinsland und der Tuniberg – Reiseeindrücke und die heimatliche Region bilden den Ausgangspunkt seiner Bildfindung. Was dann im Atelier mit diesen Motiven geschieht, hat allerdings nichts mit Nacherzählung zu tun. Scheffel betreibt vielmehr eine ungewöhnliche Form der gegenständlichen Farbfeldmalerei, die über den starken Anschnitt der Komposition und den Wechsel von klar begrenzten, farbigen Flächen zu einer auf den Betrachter übergreifenden, intensiven Bildstimmung gelangt. Scheffels Freude an einem im Wechsel von Positiv- und Negativformen umspringenden Bildgefüge schlägt sich am deutlichsten in den Schneebildern nieder. Hier lassen sich die blauen und weißen Flächen nicht an ein Naturvorbild fesseln, in schneller Schussfahrt springen sie hin und her und verweisen auf das, was sie sind: reine Malerei.

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Gemäldesommer
Wer Winterbilder liebt, der kennt auch die Freiburger Galerie Meier. Gerade noch hat man dort die verschneiten Schwarzwaldlandschaften von Karl Hauptmann und Hermann Dischler bestaunt, schon ist es wieder Zeit für den "Gemäldesommer". Von B wie Billib bis Z wie Zuehlke kreisen etwas mehr als ein Dutzend Künstler der Galerie um das unerschöpfliche Thema "Malerei". Ursula Jüngst verwebt ihre vehement gesetzten Pinselstriche zu einem Teppich aus Farbe, Gabi Streiles Landschaften strotzen vor Sommer, Farbe und Licht. Geformt aus zentimeterdick aufgetragener Ölfarbe wachsen die Bäume von Harry Meyer aus dem Bild heraus, und auch Christopher Lehmpfuhl "modelliert" seine Schauinslandbilder mit materialschwer aufgetragener Farbe. Diesem vehementen Materialeinsatz steht die minimalistische Malerei von Werner Schmidt und Gabriele Vallentin gegenüber. Mit Arbeiten von Hans-Joachim Billib, Anne-Françoise Couloumy und Marco Schallenberg tritt die Magie des Gegenständlichen hinzu. Traurig stimmt die Begegnung mit den Stillleben des im vergangenen Jahr verstorbenen, "konsequenten Realisten" Hans-Joachim Billib. Eine Neuentdeckung der Galerie sind die Werke der Pariser Künstlerin Anne-Françoise Couloumy, die uns einen Blick in die Ateliers ihrer Künstlerkollegen gewähren. Der Jüngste im Bunde ist der 1982 in Waldkirch geborene Jürgen Meyer-Isenmann. Der Leichtigkeit des Gemäldesommers stellt er seine schweren, mit Lederstreifen auf Holz genagelten Bildobjekte an die Seite.

Frank Föckler
Wir bleiben in Freiburg und laufen von der Gerberau in die Hildastraße zur Galerie Artraum. Von Frank Föckler bekommen wir dort unter dem etwas irreführenden Titel "Animalien" beileibe nicht nur tierische Stoffe, sondern auch Schwarzwälder Kirschtorte serviert. Gleich beim Eintreten in die Galerie empfängt den Besucher ein großes Kirschtortenobjekt und zwölf kleinere Kuchenstücke aus Modelliermasse und Acrylfarbe verteilen sich im hinteren Galerieraum . Animalien sind in Form von sechs Hühnerbildnissen anwesend, deren hellwache Augen uns von Raum zu Raum folgen. Der in der Nähe von Heitersheim lebende Frank Föckler steht in der Tradition des Fotorealismus, und so bearbeitet auch er die Frage, was ein gemaltes Bild über die scheinbar exakte Abbildung der Wirklichkeit hinaus übermitteln kann. Die klarste Antwort darauf gibt sein Gemälde "Mann an der Mauer" von 2004. Wie durch einen Filter blicken wir auf das Gesicht eines jungen Mannes, der vor einem unscharfen Hintergrund steht. Beim Betrachten stellt sich ein eindringliches, zwischen Nähe und Distanz changierendes Verhältnis zu diesem Unbekannten her. Ein Gefühl, das wir bei Föcklers Porträts von Prominenten wie Elizabeth Taylor oder Lady Di leider nicht bekommen.
– Wolfram Scheffel: Kunstpalais Badenweiler, Blauenstr. 2/Schlossplatz, Badenweiler. Bis 14. September, Do bis Sa 14–17, So 11–17 Uhr.
– Gemäldesommer: Galerie Meier, Gerberau 4, Freiburg. Bis 22. September, Mo bis Fr 15–19, Samstag 11–15 Uhr.
– Frank Föckler: Galerie Artraum, Hildastr. 17, Freiburg. Bis 5. September, Di bis Fr 16–19, Sa 12–14 Uhr.

Autor: Antje Lechleiter