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10. November 2011
Die Farbe des Kunstvereins
"Das soll Kunst sein": Sechs Freiburger Galerien stellen aus.
Die Gegenveranstaltung war schon. Nach dem "Überblick" der neuen, Oberrhein-Galerien betitelten Gemeinschaft im Bürgerhaus March formiert sich nun der Verbund der Freiburger Galerien (kunst-in-freiburg.de) in bewährter Form zum Gruppenbild. Zum neunten Mal "Das soll Kunst sein" im Freiburger Kunstverein. Mit je zwei Künstlern sind sechs Galerien vertreten – und es ist offensichtlich, dass sie den provokanten Touch des Titels ernst nehmen. Von dem, was zu sehen ist, würde man, dass es allzu abgehangen wirke, jedenfalls zuallerletzt behaupten.
Igor Bleischwitz, für den sich gleich nahtlos eine Ausstellung in der Galerie Foth anschließen soll, ritualisiert nun seinen Einzug in den Kunstverein . Das mitgereichte Video beschreibt den Fußweg von der Kunstschule in den Kunstraum, mit Fahne und Bildern. Der junge gebürtige Kasache ist also angekommen, hat Position bezogen auf der Bühne der Bilder.
Philipp Morlock, den die Galerie pro arte schickt, spielt mit einer Bildvokabel. Treppenelemente bilden eine Sitzgruppe im Doku-Raum, tauchen in Bildern auf und bilden "Einstiegshilfen", wie die Treppen auf den Rollfedern der Flughäfen, doch mit höchst eigenwilligen Geländern mit Wagner- und Beethoven-Schmiede-Design. Dahinter im großen Saal schwebt ein Flugzeugschwarm von Hans-Jörg Georgi (Galerie Baumgarten). Düsen- und Propellermaschinen, vom großen Transporter bis zum Kleinflugzeug – das alles aus Schnipseln von Pappe zusammen gestückt. Georgi ist Künstler als Bastler. Was er mitteilt, ist Leidenschaft. Georgi ist Autist, und es sieht aus, als wären die Flieger seine selbstgemachten Gefährten. Wer sie da hängen sieht, der lernt sie kennen. Ihre Schwerelosigkeit oder Schwere, ihre Trauer, ihren Witz, ihre Nasen, ihre Augen, ihren Flügelschlag.
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Wie vor fünf Jahren, als Albert Baumgarten mit den Künstlern des Frankfurter Ateliers Goldstein ein Galeriejubiläum feierte, ist auch diesmal Christa Sauer dabei, die am Down-Syndrom leidet. Eine Malerin, deren Kraft sich zunehmend in Leichtigkeit zu verwandeln scheint. Gegenüber an der Wand zeigt die Galerie Meier Ika Huber, deren demonstrierte Freiheit sich viel eher der Reflexion verdankt. Hubers Leinwand "Currents" ist mit 18 000 Euro das teuerste Stück der Galerienschau. Sehr viel aber gibt es da auch schon für wenige hundert Euro. Zum Beispiel von Kirti Ingerfurth (Post Fine Arts), der ist, was Ika Huber nicht ist: ein Erzähler. Ingerfurth verfügt über die Ausdrucksformen von Cartoon und Comic so sicher wie über eine subtile Eitemperatechnik. Und Großstadtleben, Street Art und Graffiti sind ihm so nah wie die Kulturhistorie vom Florentiner Quattrocento bis zum japanischen Holzschnitt.
Oben auf der Galerie sind Ölbilder von Eva Seelbach (Galerie G) zu sehen, deren massive, prompte Wirkung nicht unbedingt auf die komplexen Werkprozesse schließen lässt, die die Künstlerin ein Stockwerk tiefer offenlegt. Ulrike Gerst (Galerie Meier) dagegen präsentiert sich als Interieurmalerin, mit einem feinen Empfinden fürs Licht und Textile. Und Karin Lotzwi (Galerie pro arte) verdichtet Gegenständliches zu komplexen grafischen Mustern – ein stream of consciousness der Dingsicht. Auf der Galerie begegnen wir auch Tobias Hild (Post Fine Arts), der aus dem Gelenk der Malhand Märchen zaubert. Und nun dem Zeichner Georgi auch, der sich selbst noch immer als Kind denkt und die Figur eines "Bombenlegers". Und wer sich im Hinausgehen nochmals wendet, der hat gleich vieles auf einmal vor sich. Die Ausstellung als Bild. Mit den Flugzeugen, Morlocks Treppen und hinten der Wandmalerei Andreas von Ows (Galerie G). Ow hat sich durch die Räume des Kunstvereins gescheuert. Was an Staub am Boden war, säuberlich aufgenommen, dies Pigment gesiebt, entkeimt, mit Binder versetzt und daraus eine lasierende Farbsubstanz gewonnen. In 30 Schichten scheint sich nun die Stirnwand ins Dunkle zu öffnen.
Graubraun ist die Farbe des Kunstvereins! Seit diesem "Das soll Kunst sein" sind wir da sicher.
– Kunstverein Freiburg, Dreisamstr 21. Bis 13. November, täglich 12–18 Uhr.
– Performance: Lucie Betz – Butoh Improvisation, So, 13. November, 16 Uhr.
Autor: Volker Bauermeister
