Licht als Augenblick

Herbert M. Hurka

Von Herbert M. Hurka

Do, 12. April 2018

Ausstellungen

"Glas – Licht": Arbeiten der Künstlerin Petra Frey im Georg-Scholz-Haus in Waldkirch.

Wenn eins das andere braucht, um wahrgenommen zu werden, ist ein optisches Zusammenspiel zu erwarten wie bei der speziellen Verbindung "Glas – Licht". So jedenfalls betitelt Petra Frey ihre Ausstellung im Waldkircher Georg-Scholz-Haus. Um herauszufinden, wie das Licht sich als reine Spur einfangen lässt, experimentiert die Künstlerin mit den reflektorischen Eigenschaften des Glases. Von stofflichen Widerständen wie Trinkgläsern, Spiegeln oder Scherben zurückgeworfen, blitzt das Licht höchstens kurz auf, weshalb es, um als Malmotiv zu taugen, fotografisch fixiert werden muss. Als zweite Bedingung verlangt die Darstellung der Reflexionen den starken Kontrast eines dunklen Malgrunds. Auf einen solchen nämlich trägt die Künstlerin Schicht für Schicht ihre abgestuften Weißtöne auf, so dass es ihr gelingt, die irisierende Wirkung eines nur augenblicklichen Effekts als Malerei festzuhalten. Auch wenn Petra Frey vorrangig die immaterielle Erscheinung Licht mit der Materialität des Glases konfrontiert, so verfestigen sich die flüchtigen Unformen doch unter der Hand zu Linien, Kanten, Flächen und Bildräumen. Wenn das Glas als eine transparente, gleichwohl glatte, abweisende vor allem aber künstliche Substanz sichtbar wird, erinnert es besonders in seiner Lichtwirkung ebenfalls an Natur, denn wo eine Form sich wellenhaft verzerrt, könnte es durchaus Wasser sein, und wo das pastose Weiß sich scharfkantig in den schwarzen Hintergrund faltet, ebenso gut auch ein Gletscher.

Ist die dingliche Welt erst einmal so herunter gefahren, dass sie zur Chiffre geschrumpft ist, eröffnen sich Spielräume, die gerade in der abstrakten Malerei die Fantasie beflügeln. Dieser Umstand realisiert sich am deutlichsten, wenn Petra Frey mit der Vergrößerung von Bildausschnitten arbeitet. Das Glas – sowieso an der optischen Grenze zum Nichts – verschwindet als konkrete Ursache der Reflexionen dann ganz, und das Licht, das von ihm abstrahlt, sich bricht und ausstreut, offenbart die ihm eigene Magie, auch wenn es als Grundbedingung allen Lebens eine nie endende Überforderung der Kunst und des Forschungsdrangs bleiben wird.

Georg-Scholz-Haus, Schlettstadtallee 9, Waldkirch. Bis 13. Mai, Fr, Sa 15–18 Uhr, So 11–16 Uhr.