Verwandlungen von Mensch und Natur

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 10. Oktober 2018

Ausstellungen

Das Haus Salmegg-Verein bringt in Rheinfelden Rolf Zimmermann und seine einstige Schülerin Heidi Nübling in einer Doppelausstellung zusammen.

Um Verwandlungen geht es in der Doppelausstellung von Neidi Nübling und Rolf Zimmermann im Haus Salmegg in Rheinfelden. Beide Künstler setzen sich in unterschiedlichen Sujets mit malerischen Transformationen von Natur, Menschen und Dingen auseinander.

Die Landschaften und das Licht des Nordens haben es der aus Grenzach-Wyhlen stammenden Heidi Nübling angetan. Seit vielen Jahren hat die in Bad Hersfeld lebende Malerin ein Sommeratelier in Dänemark. An der dänischen Ostsee sind aktuelle Bilder entstanden: mit großzügigen Pinselstrichen und changierenden Blau-, Grau- und Weißtönen gemalte Impressionen, die Weite ausstrahlen und in denen sich die Grenzen zwischen Wasser, Horizont und Himmel auflösen. In Küstenlandschaften, einer Gewitterstimmung und ineinander fließenden Übergängen zwischen Himmel und aufgewühlter See fängt Nübling diese Naturanschauungen in dynamischem Malgestus und farblicher Suggestionskraft ein.

Eines ihrer zentralen Werke ist das "Seestück mit Bootssteg": Der angedeutete Steg im Vordergrund, auf dem Seevögel sitzen, verleiht dem Blick auf das Wasser eine räumliche Tiefe. Im Entree fällt das Großformat "Lofoten" auf, ein in kühnen Pinselstrichen gemaltes Panorama mit Felsen, Geröll und Schafen, deren Formen in die der Steine übergehen. Kühle Töne, Stille und die Faszination des nordischen Lichts prägen die Winterbilder aus dem finnischen Lappland. Dürre Birken, die wie Figuren aus dem Schnee ragen, gefrorene Flussläufe und Eisschollen tauchen in diesen Landschaften auf, in denen die Malerin weite Freiräume lässt. Eine Werkgruppe umfasst Wasserspiegelungen auf Aluminiumplatten, deren Schimmer die flirrenden Reflexionen verstärkt. Etwas Geheimnisvolles umfängt die Moor-Impressionen mit flimmerndem Dickicht und Licht-Schatten-Wirkungen.

Der Haus Salmegg-Verein bringt die Malerin mit ihrem einstigen Professor Rolf Zimmermann zusammen, der 20 Jahre an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim lehrte. Von Zimmermann, einem der bedeutendsten deutschen Maler, sind Arbeiten aus den 1990er Jahren aus seinen wichtigsten Zyklen über die Grauen der Nazizeit und das Thema Asyl zu sehen. In dem düsteren Gemälde "Kollaborateure" aus dem Zyklus "In Polen 1942" erscheinen die Figuren umso bedrohlicher und gespenstischer, als sie fratzenhafte Masken tragen. Durch diese Verfremdung und die düsteren Farben verstärkt der Maler das Entsetzliche, das über dieser Figurengruppe von Soldaten und Gefangenen liegt. Aufwühlend setzt sich der Maler mit Kriegsverbrechen, Tätern, Opfern und Kollaborateuren der Nazi-Schreckensherrschaft auseinander, basierend auf alten Fotografien und Nachforschungen in der Familiengeschichte. Das Stilmittel der Verfremdung setzt Zimmermann auch in dem Bild "Asylbewerber warten" ein. Man sieht eine bedrückende Szene in einem Raum für Asylsuchende, die an einem Tisch sitzen, zwischen leeren Stühlen, verloren, in sich versunken. Die Wartenden sind zu surrealen Geschöpfen mit Insektenköpfen mutiert, ein Sinnbild für die Angst, Ungewissheit, soziale Kälte, der die Schutzsuchenden ausgeliefert sind.

Neben diesen zeitkritischen Arbeiten zeigt Zimmermann zwei fantastische Schirmbilder. Die umgedrehten aufgespannten Schirme, schemenhafte von Wind und Sturm verwehte Wesen, meisterhaft in feinsten Grauschwarzschattierungen gemalt, bilden imaginäre Räume. Überhaupt ist Rolf Zimmermann ein Meister der kleinen, unscheinbaren Dinge, wie seine Stillleben von zerknülltem Papier, Löffeln und Blättern, Glühbirnen und Wundpflastern verraten. In feinsten Nuancierungen und Linien bringt er die Strukturen, Faltungen und Materialität dieser Dinge zu Papier.

Haus Salmegg: Bis 18. November, Sa./ So., 12 bis 17 Uhr, Rheinfelden.