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06. Dezember 2013

Winke aus der Traumwelt

Die surrealen Phantasien der Malerin und Zeichnerin Veka Shakulashvili: Eine Ausstellung im Kunstpalais Badenweiler.

Winke, winke. Die Hand spielt eine gewisse Rolle in Veka Shakulashvilis Zeichnungen. Gleich zu Beginn des Parcours im Kunstpalais Badenweiler schaut eine Anzahl winkend erhobener schwarzer Arme seitlich aus einem undefinierbaren Konglomerat von Formen hervor. Ein Gruß aus dem Bild, an den Betrachter gerichtet? Oder wollen die anonymen Hände uns etwas bedeuten? Sind es Signale, Winke aus der Traumwelt, dem Reich des Unbewussten? – Gleichviel, sie erfolgen nicht mit dem Zaunpfahl, sondern der spitzen Feder, die Botschaft bleibt subtil, der Angewunkene darf rätseln.

"Dualität" heißt die Serie von gut vierzig Tuschen – "Dualität in mir" die Ausstellung der Malerin und Zeichnerin aus Georgien, die seit Längerem in Deutschland lebt, als ganze. So scheint dies Ausdruckskunst zu sein – Ausdruck des Inneren, das nach außen drängt, nach beinah dinglicher Artikulation und Materialisation: bis hin zum Plastischwerden des Bilds. Nicht nur zeigt die Oberfläche einiger großformatiger Acrylmalereien, die sich unter die Zeichnungen mischen, reliefartige Strukturen. Im einzigen Ölbild der Schau löst sich ein vertikales Band in Gelb auf schwarzem Grund von der Leinwand ab und verlängert sich auf einem ans Bild gelehnten Brett plastisch in den Raum. Vollends dinghaft wird Malerei in einer Installation mit zwei großformatigen Leinwänden, die durch Taue mit einem vergoldeten Stuhl verbunden sind, der sich mit einem ebenfalls vergoldeten Notenständer vermählt hat, auf dem ein Notenblatt aus Moos liegt. Der Rumpf einer Schaufensterpuppe liegt auf dem Stuhl, die Taue bündeln sich im Schritt, eines endet in einer galgenartigen Schlaufe an die Wand, darin kopfüber eine Gliederpuppe hängt: in toto ein surreales Ensemble, eine traumsprachliche Mixtur aus Gemaltem und Objekten.

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"Versuch eines Ausdrucks" heißt die Arbeit, die – so Shakulashvili – "wie in einer Schaffensexplosion entstanden" sei; von ihr rühren wohl auch die vielen Farb- und Tuschspritzer anderer Werke her. Die Taue des "Versuchs" aber erinnern an den Ausgangspunkt, eine Situation in einem spanischen Hafen. Und sie stellen eine Verbindung her zwischen den Elementen der Installation. Hängt doch, so wiederum Shakulashvili, "alles fest zusammen" – und ist auch gleichzeitig voneinander getrennt. Denn der Dualität im Inneren entspricht eine äußere: die zwischen der Menschenwelt und dem anonymen Geschehen in der Natur. Füllhorn und Muschel, Kaffeetasse und Urtier – die Erscheinungen von Kultur und Natur wohnen bei Shakulashvili in nächster Nachbarschaft zueinander und bleiben sich doch seltsam fremd. In einigen weniger gelungenen Kompositionen verflüchtigt sich das surreale Nebeneinander ins Informelle.
– Kunstpalais Badenweiler, Blauenstr. 2. Bis 15. Dezember, Mittwoch bis Samstag 14–18 Uhr, Sonntag 10–18 Uhr.

Autor: Hans-Dieter Fronz