Ein Lob auf die alemannische Mundart

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mo, 11. Juni 2018

Bad Bellingen

Die bereits achte Auflage der Mundarttage endete am Sonntag und umfasste zum ersten Mal drei Tage.

BAD BELLINGEN (sil). Kühle Getränke im angenehmen Baumschatten der Linden, eine leichte Brise und Mundartmusik in vielen Facetten: Diese Kombination lockte am Sonntag zur "Mundart im Schlosspark". Bereits an der morgendlichen Mundart-Andacht von Diakon Horst Panzer nahmen rund 100 Menschen teil und als mittags die "Knastbrüeder" ihr Gastspiel bei den Mundarttagen Bad Bellingen gaben, füllten sich die Plätze unter den Linden.

Zwischen der Andacht und dem Kult-Mundartduo präsentierte sich erstmals das Trio "Lümmel Südwest", zu dieser Zeit vor noch überschaubarem Publikum. Mit griffig-rockigen Eigenkompositionen widmeten sich die drei gestandenen Mannsbilder aus dem Hochschwarzwald, Frontmann Thomas Schwörer (Gesang und Gitarre), Gitarrist Hannes Stehle und Klaus Hauptvogel am Cajon schwerpunktmäßig dem harten Los der einstmals stolzen Herren der Schöpfung in einer Welt "überemanzipierter Frauen". Das Leitmotiv: "Früeher ware’s harte Zite für die Fraue, aber für die Männer eifach schee". Mit ihren Eigenkompositionen und Mundarttexten von heiter bis deftig-derb kamen sie insbesondere beim männlichen Teil des Publikums gut an. Auch Frauen amüsierten sich, wenngleich etwas verhaltener. Eine Dame verabschiedete sich gar nach dem fünften Lied mit den Worten freundlich mit: "Ich geh mal im Kurpark spazieren". Zuvor hatte Frontmann Schwörer den Schlankheitswahn besungen, dem auch Männer verfallen und geizte dabei nicht mit heiter-schonungslosen Schilderungen eines mit den Jahren fülliger gewordenen Körpers.

Auf handfesten hochschwarzwälder Humor folgte der verschmitzte Charme des Wiesentals mit den "Knastbrüedern" Jeannot und Christian Weißenberger. Das Duo trat bereits 2017 an den Mundarttagen auf und hat sich mit souveränem Gitarrenspiel, Gesang, gekonnten Einlagen auf der "Schnuuregiege" und großem Wortwitz eine regelrechte Fangemeinde geschaffen. Immer wieder verlangten Zuhörer nach ihnen bekannten Songs wie dem befreiend-witzigen Lied über die unterdrückte Ehefrau Berta, die ihren Mann im Gülleloch ertrinken lässt. Auch das pfiffige "Hieber-Lied" wurde mit Erfolg eingefordert. Von sanften Countryballaden bis zu temporeich-rockigen Titeln und Texten von poetisch-liebevollen Hommagen an die ländliche Heimat bis zu fetzigen Nonsensliedern und treffend-witzigen Betrachtungen aus dem Alltag brachte das Duo sein Publikum zum Lachen und zum Träumen.

Zum zweiten Mal hatte Bad Bellingens Bade- und Kurverwaltung die Veranstaltungsreihe fortgeführt, zum ersten Mal mit dreitägigem Programm. Mit der Eröffnung am Freitagabend im Kurhaus durch den Zweiakter "Die Seniorenklappe" war der Organisator der Mundarttage Dennis Schneider sehr zufrieden: 300 Zuschauer amüsierten sich beim heiteren Mundarttheater der Laienspielgruppen Bamlach und Rheinweiler. Vorwiegend heiter ging es auch am Mundartsonntag weiter mit alemannischen Songs von Karl David und Martin Lutz, gefolgt von der Band Bändisch.