"Hebel steht für unsere Sprache"

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Sa, 20. Oktober 2018

Bad Bellingen

BZ-INTERVIEW mit Karl Mannhardt und Jürgen Wolf über die 108. Auflage des Hebelschopppens und dessen grundsätzliche Bedeutung.

BAD BELLINGEN-HERTINGEN. Der traditionsreiche Hertinger Hebelschoppen findet in diesem Jahr am letzten Sonntag im Oktober in der 108. Auflage statt. In den vergangenen Jahren hat der Hebelschoppen mit interessanten Vorträgen auf sich aufmerksam gemacht. Jutta Schütz sprach mit den Hebelschoppen-Organisatoren Karl Mannhardt aus Schliengen und Jürgen Wolf aus Hertingen.

BZ: Herr Mannhardt, Sie als Hebelvogt wollten Ihr Amt vor einigen Jahren ja gerne mal in jüngere Hände abgeben.

Mannhardt (lacht): Ja, das stimmt. Aber irgendwie heißt es immer: ‚Du bist doch der Vereinsmeier; bei dir laufen alle Fäden zusammen; mach das doch nochmal.’ Also mach ich es jetzt nochmal. Dabei bin ich schon fast 88 Jahre alt. Aber wir arbeiten dran – an der Nachfolge: Bei uns gibt es ein paar jüngere Leute, die mitmachen bei der Organisation. Da will ich aber nicht vorgreifen, ich sage dazu etwas, wenn es wirklich mal so weit ist.

Wolf: Ich bin der ‚Zugeschmeckte‘, wie man hier so sagt, denn ich komme eigentlich aus Deutschlands Norden. Ich kümmere mich um das Administrative, also zum Beispiel die Einladungen zum Hebelschoppen und die Informationen fürs Amtsblatt und die Zeitungen.

BZ: 108 Jahre Hebelschoppen, das ist ja ein Wort – wie schafft man es, eine solche Veranstaltung so lange am Leben zu erhalten?

Mannhardt: Hebel ist im Markgräflerland nicht nur der Poet, Dichter, Theologe oder Politiker, er ist auch ein Symbol für die Mentalität der Markgräfler, für die Landschaft und für das hiesige Brauchtum. Er verkörpert die Vielfalt dieses Landstrichs und seiner Menschen, und er hat all das in seinen Werken liebevoll beschrieben.

Wolf: An Hebel kommt man im Markgräflerland nicht vorbei. Hebel war mir früher nur durch die Kalendergeschichte "Kannitverstan" bekannt – aber immerhin. Als ich hierhin gezogen bin, war Hebel einfach präsent. Also habe ich mich mit ihm beschäftigt. Und verstanden, warum die Markgräfler hier so verwurzelt sind, weil er deren Eigenheiten und deren Heimat beschreibt.

BZ: Zu Hebel gehört ja auch das Alemannische. Und beim Hebelschoppen möchte man auch die Menschen einbeziehen, die des Alemannischen nicht mächtig sind. Wie machen Sie das?

Mannhardt: Ich schwanke jedes Jahr, ob ich die Gäste in der Kirche vor dem Vortrag auf Alemannisch oder auf Hochdeutsch begrüßen soll. Meistens entscheide ich mich fürs Alemannische. Auch, weil ich glaube, dass sich viele Zugezogene bemühen, Alemannisch zu verstehen. Hebel steht nun mal für unsere Sprache.

Wolf: Als ich in den 80er-Jahren aus beruflichen Gründen in die Gegend zog, hat mein Schweizer Chef angekündigt, dass er jetzt zwei Wochen Schriftdytsch sprechen würde, danach würde ich mich schon ins Baseldeutsche einhören. Wer will, der kann, meine ich dazu.

Mannhardt: Noch einmal zurück zur Begrüßung – dieses Jahr werde ich übrigens den 2018 verstorbenen Werner Richter besonders erwähnen, der sich um den Hebelschoppen verdient gemacht hatte.

BZ: Referenten zu finden, die Hebel unter besonderen Aspekten beleuchten: Ist das schwierig?

Mannhardt: Ich sorge dafür, dass ich immer noch eine Überraschung aus dem Ärmel ziehen kann. Das heißt aber auch, dass ich mich schon ein Jahr vorher bemühe, den nächsten Referenten zu finden. Jetzt habe ich sogar schon für die nächsten zwei Jahre Zusagen.

BZ: Der Vortrag des diesjährigen Referenten Elmar Vogt aus dem Wiesental heißt: "Johann Peter Hebel und die Briefmarken". Da fragt man sich doch: Was hat Hebel denn mit Briefmarken zu tun?

Wolf: Ja, genau, so einen Effekt wollen wir, dass Leute neugierig werden. Wir waren von Vogts Idee zunächst auch verblüfft. Wolfgang Müller aus Bad Bellingen hat dann für uns extra 120 Briefmarken mit Hebelmotiv drucken lassen, damit beklebt wurden dann die Einladungen postalisch verschickt.

Mannhardt: Vogt ist Briefmarkenspezialist. Es gibt mehrere Briefmarken, die mit Hebel und dessen Lebensweg zu tun haben. Ich verspreche: Es wird ein ungewöhnlicher Vortrag. Man muss heutzutage auch ungewöhnliche Ansätze bieten.

Zur Person: Jürgen Wolf (76) stammt aus Norddeutschland und lebt seit 1985 im Markgräflerland, seit 1995 in Hertingen. Karl Mannhardt (87), Architekt im Ruhestand, stammt aus Holzen, ist seit vielen Jahren Hebelvogt und lebt in Schliengen.

108. Hebelschoppen Hertingen: Sonntag, 28. Oktober, 14 Uhr, Hertinger Kirche. Vortrag von Elmar Vogt aus Hausen: "Johann Peter Hebel und die Briefmarken". Dann gemütliches Beisammensein im Bürgersaal Hertingen. Zu Gast ist der Kinderchor Bamlach.