Liebe zu Land und Menschen

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Mo, 11. Juni 2018

Bad Bellingen

Beim Mundart-Dinner im Kurhaus Bad Bellingen traf regionale Sprache auf regionale Genüsse.

BAD BELLINGEN. Markgräfler Weine der Jahrgänge 2017 und 2016, ein einfallsreiches Frühlingsmenu mit Leckerbissen von Spargelvariationen, Kalbsbraten und Erdbeerdessert und als Höhepunkt der elsässische Chansonnier Robert Frank Jacobi begleitet auf einer Melodika von Anita Pirman: Diese besondere Idee anlässlich der Bad Bellinger Mundarttage 2018 hatte eigentlich alles, um die festlich gedeckten Tische im Kurhaus zu füllen – wenn da nicht noch andere attraktive Termine am gleichen Abend gewesen wären.

Die rund 20 Gäste, die sich einfanden, kamen voll auf ihre Kosten und zeigten sich begeistert. Dennis Schneider als stellvertretender Geschäftsführer der Bade- und Kurverwaltung dagegen war zerknirscht, denn er hatte darauf gebaut, dass sich viel mehr Mundartfans anmeldeten. Entgangen waren ihm aber Terminkollisionen, denn gleichzeitig fand im Landhaus Ettenbühl das Rosenfest statt und selbst eingefleischte Mundartfans zog es zum Fußballplatz des VfR Bad Bellingen, der den historischen Erfolg des Aufstiegs in die Landesliga feierte.

An den Veranstaltungen in Sachen Mundart liegt es nicht – denn zum Mundart-Theaterstück "Die Seniorenklappe" der Laienspielgruppen Bamlach und Rheinweiler "füllten sensationell 300 Leute den Kurhaussaal und auch der Vorverkauf für die Sonntagsveranstaltungen lief blendend", so Schneider.

Nichtsdestotrotz – wer das Dinner gebucht hatte, der bekam Weine und Sekt, Kulinarisches und vor allem Musikalisches vom Feinsten geboten. Winzer Markus Büchin verriet bei der Verkostung lokaler Weine interessante Details zu Gutedel, Chasselas oder Pinot Noir und zum kommenden Weinjahrgang, der vermutlich die früheste Weinlese überhaupt einleiten werde, das Team von Marcus Ciesiolka aus "Das Park" servierte feine Gerichte aus der Restaurantküche. Zwischen den Gängen verzauberte Jacobi die Zuhörer mit lustigen Anekdoten, Witzen und natürlich vielen Chansons, sowohl eigenen, als auch von Jacques Brel oder Georges Brassens. Jacobi gab sich zur Begrüßung aber auch nachdenklich. "Ich freue mich, für Sie ein der elsässischen Mundart singen zu dürfen – denn in fünfzig Jahren wird sie niemand mehr sprechen, die jungen Menschen im Elsass können die Mundart nicht mehr", erläuterte er.

Überhaupt das Elsass – die Politiker in Paris seien am Verschwinden der Bezeichnung Elsass/Alsace interessiert, grummelte Jacobi vor dem Hintergrund, dass das Elsass (Alsace), Champagne-Ardenne und Lothringen (Lorraine) 2016 vom Staatsrat zur Region Grand-Est zusammengelegt wurde. In seinen Anekdoten und Liedern ließ der Chansonnier denn wie in "Ich bin ein liederlicher Liedermacher" auch an Staatsdienern und Politikern kein einziges gutes Haar. Nach dem Volkslied "Auprès de ma Blonde" folgte ein wahres Feuerwerk von Liedern, die die Menschen im Elsass und die auf der badischen Seite mit ihren gemeinsamen Mentalitäten und ihrer Geschichte beschreiben. "Les Vieux" als Vorlage von Jacques Brel diente Jacobi zur Beschreibung des Alters, mit "De Tisch" beschrieb er Erbschaftsangelegenheiten. "Am Baum vorm Plätzel" zur Melodie von "Am Brunnen vor dem Tore" schildert Dorfszenen, "Kein andres Land" und "Heimatlieb" dann die Liebe zu Land, Mundart, Menschen. Dann taucht auch der Filou wieder auf, etwa mit der "Müs im Hüs". Der Schalk sitzt Jacobi faustdick hinter den Ohren, denn der Liedermacher kann durchaus hintergründige sowie auch zweideutige Witze erzählen. Beim Publikum sorgte er mit seinen lustigen und schlüpfrigen Geschichten aus der Sauna oder aus dem Nonnenkloster für Lachanfälle. Jacobi hält zudem die Werte Albert Schweitzers hoch und verteidigt Humanität und Weltoffenheit. Durchaus scharf war in einem Gedicht über einen jüdischen französischen Schüler zur Zeit der Okkupation des Elsass im Dritten Reich die Botschaft an Antisemiten und überhaupt fremdenfeindliche Menschen in Europa und im modernen Frankreich.

Zum Schluss zündete Jacobi das Feuerwerk der "elsässischen Hitparade" – wobei der bekannte Hits von Frank Sinatra, Freddy Quinn und anderen Stars mit schrägen Texten in Mundart umdichtete. Die Gäste dankten ihm und Pirman den unterhaltsamen Abend mit viel Beifall.