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14. April 2015

Den Blick schärfen für die Routine

Zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum hat die Bad Krozinger Feuerwehr zu einem Symposium mit namhaften Sicherheitsexperten eingeladen.

  1. Er war der Star unter den Referenten: der promovierte Sicherheitsexperte Ulrich Cimolino. Foto: Volker Münch

BAD KROZINGEN. Wie sieht heute moderne Einsatzarbeit bei Feuerwehren aus? Welche Technik sollte zum Einsatz kommen? Wie werden Abläufe im Ernstfall koordiniert und welche Sicherheitsaspekte retten das Leben von Einsatzkräften? Darüber sprachen bundesweit anerkannte Sicherheitsexperten beim Symposium der Feuerwehr Bad Krozingen am Samstag. Ziel war es weniger, über "revolutionär Neues" zu reden, sondern vielmehr den Blick über den Tellerrand der Routinearbeit zu lenken, Alternativen und einfache Lösungen vorzustellen, so die Referenten.

Die Bad Krozinger Feuerwehr feiert in diesem Jahr mit einem umfangreichen Programm ihr 150-jähriges Bestehen. Für die Verantwortlichen um Kommandant Jürgen Bleile Grund genug, nicht nur Feste zu feiern, sondern auch inhaltliche Akzente in der Feuerwehrarbeit zu setzen und andere Feuerwehren daran teilhaben zu lassen. Mit dem Symposium im Tagungszentrum des Kurhauses ermöglichte die Jubel-Wehr Kollegen aus ganz Baden und sogar darüber hinaus Kapazitäten aus dem Bereich Feuerwehr und Sicherheitstechnik zu treffen, die wertvolle Informationen in interessanten Referaten weitergeben.

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Unter ihnen der "Löschpapst" Holger de Vries, ein promovierter Sicherheitsingenieur der Feuerwehr Hamburg und Ulrich Cimolino, Branddirektor bei der Berufsfeuerwehr Düsseldorf, der auch international ein gefragter Referent ist. Immerhin hat Cimolino vor wenigen Jahren im Bereich Sicherheitstechnik mit "magna cum laude" seine Doktorarbeit abgeschlossen. Zusammen mit Andreas Rehbein, einem anerkannten Experten speziell für die Themen Führungstechniken und Einsatzlagen – übrigens ebenfalls von der Berufsfeuerwehr Düsseldorf – waren sie die Hauptakteure des Symposiums in Bad Krozingen.

Nicht weniger interessant, aber genauso kompetent sprachen Kai Ullwer, selbst Kommandant der Heitersheimer Nachbarwehr und Chef des DRK-Rettungsdienstes, Christan Emrich und Severin Frank über weitere Themen wie die Unfallrettung, die Sicherheit beim Atemschutzeinsatz und über taktische Vorgehensweisen.

Nicht schulmeistern, sondern Horizont erweitern

Mit über 220 Teilnehmern aus ganz Baden hatten sich viele Interessenten in der Kurstadt versammelt. Einzelne kamen sogar aus dem 340 Kilometer entfernten Krumbach oder aus Rüsselsheim, um die Referenten zu hören. Erstaunlich bei den Vorträgen war, dass es nicht revolutionär Neues zu hören gab. Vielmehr schärften die Referenten den Blick für Routineabläufe bei Einsätzen und gaben Entscheidungshilfen für den Ernstfall an die Hand. "Wir wollen ganz bewusst den Blickhorizont erweitern und nicht schulmeistern", erklärte Andreas Rehbein, der die Kontakte zu den Referenten herstellte, die Botschaft der Experten. Mit der "Crème de la Crème des Feuerwehrwesens" war genau dieses Ziel auch möglich, betonte Rehbein.

So zogen alternative Vorgehensweisen, der Einsatz technischer Hilfsmittel, die verantwortungsvolle Vorgehensweise, der Eigenschutz, aber auch erfolgreiche Rettungsmethoden wie ein roter Faden durch die verschiedenen Vorträge. Themen, die eigentlich für jede erfahrene Einsatzkraft selbstverständlich sein sollte und doch in den Pausen zu lebhaften Diskussionen unter den Feuerwehrangehörigen führten.

Wie gute Ausbildung und Routine schnell dem Leichtsinn weichen kann, zeigte Ulrich Cimolino mit Einsatzbildern und Filmausschnitten. Nicht vorschriftsmäßig bekleidete Einsatzkräfte, die falsche Vorgehensweise im Brandfall und viele weitere Szenen zeigten Fehlverhalten im Einsatzfall, die entweder schnell zur lebensbedrohlichen Falle werden können oder den Löscherfolg in Frage stellen. "Stellen Sie Standardeinsatzregeln auf und achten Sie darauf, dass jede Einsatzkraft sich an diese Regeln auch hält", empfahl Cimolino. Nur das gemeinsame Vorgehen und Handeln aller Einsatzkräfte mache die erfolgreiche Arbeit der Feuerwehren aus, ergänzte Andreas Rehbein.

Autor: Volker Münch