Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
05. Februar 2010 18:55 Uhr
Herz-Zentrum verabschiedet Bernhard Grotz
Der Manager für "gute Lösungen"
Er hat dem Bad Krozinger Herz-Zentrum Profil gegeben und die bevorstehende Fusion mit der Uni Freiburg eingefädelt: Jetzt wurde Verwaltungsdirektor Bernhard Grotz nach 23 Jahren in der Führungspositition feierlich in den Ruhestand verabschiedet.
BAD KROZINGEN. Mit "Bravo!" und "Chapeau!" endeten bei der gestrigen Verabschiedung von Bernhard Grotz einige Reden – und am Ende erhoben sich alle zu "Standing Ovations". Im Kreis herausragender Persönlichkeiten aus dem Gesundheitsbereich, der Universität Freiburg, der Politik, der Wirtschaft und der Kirche wurde im Kurhaus dem kaufmännischen Direktor des Bad Krozinger Herz-Zentrums für sein berufliches Lebenswerk gedankt.
23 Jahre lang war er für viele Mitarbeiter und Wegbegleiter ein verlässlicher Chef und Partner. Jetzt wechselt Bernhard Grotz die Seite und wird im Vorstand des Trägervereins und im Aufsichtsrat weiter Verantwortung übernehmen, wie Bürgermeister Ekkehart Meroth bei seiner Begrüßung ausführte.Mit Intelligenz, Fleiß, kaufmännischem und organisatorischem Geschick, sozialer Kompetenz und Weitsicht habe Grotz in der Geschäftsführung gewirkt und das Herz-Zentrum so geformt, dass es in der Umfrage der Technikerkasse zum besten Krankenhaus in der alten Bundesrepublik und zum zweitbesten Krankenhaus in ganz Deutschland erkoren wurde. Der ärztliche Direktor Professor Franz-Josef Neumann, der bei der Verabschiedung in den Ruhestand die Laudatio hielt, bezeichnete Bernhard Grotz als "Glücksfall" – nicht nur für die Klinik und deren 1000 Mitarbeiter. "Seine Arbeit war immer getragen von der Wertschätzung für unsere Patienten und Mitarbeiter, der Wertschätzung der Partner außerhalb unserer Klinik und der Wertschätzung der Menschen und der Kultur unserer Region," sagte Neumann. Was er als "gute Lösung" bezeichnete, die er immer suchte und fand, sei stets eine Lösung gewesen, die den Menschen diente. Aus dieser Grundhaltung heraus habe Grotz die strategische, organisatorische und kommunikative Entwicklung des Herz-Zentrums gesteuert. So sei nach den Worten Neumanns eine starke Gemeinschaft gewachsen, die sich auf der Basis stabiler Beziehungsnetze an Wertvorstellungen ausgerichtet habe. Ausgleich, Gerechtigkeit, Fürsorglichkeit, Detailkenntnis und Freundlichkeit, aber auch Bestimmtheit prägten das Verständnis von Mitarbeiterführung.
Werbung
Dabei sei Bernhard Grotz nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Hubert Schwaibold 1986 unter denkbar ungünstigen Bedingungen gestartet. In prekärer wirtschaftlicher Lage musste rasch und kompetent gehandelt werden, um bei steigenden Kosten und stagnierenden Einnahmen das Haus durch schwieriges Fahrwasser zu führen. Der damalige ärztliche Direktor Professor Helmut Roskamm und der verstorbene Bürgermeister Wolfgang Fuchs setzten auf den Bankdirektor Bernhard Grotz, der nach eingehender Analyse recht schnell die richtigen Weichen gestellt habe. Eine "unglaubliche Erfolgsgeschichte" konnte so ihren Lauf nehmen: Die stationären Aufnahmen stiegen von 4085 auf rund 16 000, die Koronarangiographien von 2131 auf knapp 7000, die koronaren Ballondilatationen von 74 auf 2831 und die Zahl der elektrophysiologischen Untersuchungen von 101 auf 1100. Im vorigen Jahr wurden fast 2200 Herz- und Gefäßoperationen ausgeführt. Die Mitarbeiterzahl hat sich unter Bernhard Grotz mehr als verdoppelt.
Auch eine regen Bautätigkeit am Herz-Zentrum sei unter Bernhard Grotz entwickelt worden, die ihren vorläufigen Höhepunkt 2007 in der Eröffnung des knapp 30 Millionen teuren, nach Helmut Roskamm benannten Bettenhauses gefunden habe. Neumann rechnet es dem Verwaltungsdirektor hoch an, dass auch die Ärzte immer über die neueste apparative Ausstattung verfügen konnten. "Eine derartige Prosperität ist unter der seit 1995 wirksamen Budgetdeckelung und der Einführung der Fallpauschalen 2005 alles andere als eine Selbstverständlichkeit," würdigte Neumann den Erfolg. Als "kaufmännisches Kabinettstück" bezeichnete der Laudator die Anwendung und Ausschöpfung der integrierten Versorgung, was finanzielle Spielräume gesichert habe. Spitzenmedizin, hervorragende Unterbringung und Pflege der Patienten und ein zuvorkommender Umgang zeichneten das Herz-Zentrum aus. Die "Stimmigkeit des Angebots" hätte einen Patienten zu der Bemerkung veranlasst, bei der Klinik handle es sich um ein "Gesamtkunstwerk".
Auch im neuen Jahrtausend beschäftigte Bernhard Grotz die Frage, wie das Haus im schwieriger werdenden sozialpolitischen und ökonomischen Umfeld bestehen könne. Aus diesen Überlegungen habe sich als logische Konsequenz das Konzept des Universitäts-Herzzentrums Freiburg-Bad Krozingen (UHZ) ergeben. Die bevorstehende Gründung sichert nach Überzeugung Neumanns dem UHZ eine europäische Spitzenstellung, stärke die Position im Wettbewerb und bedeute mehr internationale Reputation und damit die Sicherung des Standortes und der Arbeitsplätze. "Bernhard Grotz hat im Rahmen dieses Prozesses wahre Herkulesarbeit geleistet," würdigte Neumann auch hier "die gute Lösung".
Hans Otto Pelser, seit Gründungstagen Mitglied des Vorstandes des Trägervereins des Herz-Zentrums, erinnerte an die Wurzeln von Bernhard Grotz in Sasbach. Landschaft und Kultur am Kaiserstuhl hätten die Menschen schon immer geprägt – auch den späteren Verwaltungsdirektor, der seine berufliche Laufbahn bei der Genossenschaftsbank begonnen hatte.
Der Rektor der Universität Freiburg, Professor Hans-Jochen Schiewer, fand Anerkennung für die "professionelle Besonnenheit", mit der Grotz das Zusammenwachsen mit der Uni auf den Weg gebracht habe. Ein langer, aber ein lohnender Prozess für beide Seiten. Die Umsetzung des Konzeptes schaffe "ein Zentrum von europaweiter Ausstrahlung". Dem konnte Professor Wolfgang Holzgreve, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorsitzender des Vorstand des Universitätsklinikums nur beipflichten. Er sprach von einer "Fusion auf Augenhöhe". Das neue, gemeinsame Zentrum werde sich unter die "Top 5" in Europa einreihen. Nach den Kooperationsvereinbarungen, die bis in das Jahr 1998 zurückreichen, sei jetzt die Zeit reif für eine Hochzeit mit einer "attraktiven Braut". An diesem Erfolg habe die "Institution Bernhard Grotz" wesentlichen Anteil.
Landrätin Dorothea Störr-Ritter betonte in ihrem Dank an Bernhard Grotz, dem sie seit vielen Jahren auch persönlich sehr verbunden sei, den hohen Stellenwert der Klinik: "Wir stehen zur Seite, um das Herz-Zentrum in die Metropolregion zu hieven."
Professor Friedhelm Beyersdorf, Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum und Chefarzt am Herz-Zentrum, rühmte die menschliche Komponente, mit der Bernhard Grotz mit allen Mitarbeitern umgegangen sei und so ein einmaliges Klima geschaffen habe. Kreativität und Innovation seien vom Geschäftsführenden Verwaltungsdirektor "gelebt" worden. Für die bevorstehende Fusion werde jetzt sogar das Universitätsgesetz geändert, "das Beispiel Bad Krozingen-Freiburg wird Schule machen", so der Herzchirurg in guter Zuversicht über die neue klinische Ausrichtung.
"Medizinische Spitzenleistung in einmaligem Ambiente" bescheinigte Harald Müller, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK, als Sprecher der Kostenträger dem Herz-Zentrum. "Da schickt man gerne Patienten hin." Bernhard Grotz, mit dem man den Vertrag zur integrierten Versorgung auf den Weg gebracht habe, werde sehr fehlen in der baden-württembergischen Gesundheitsszene.
Das Vertrauen, als Mensch angenommen zu werden, und eine Offenheit, die jeder Mitarbeiter spürte – "der passt zu uns", wusste Betriebsratsvorsitzende Christiana Schmidt seit dem ersten Arbeitstag von Bernhard Grotz am 1. Oktober 1986. Ein fairer Verhandlungspartner, aber auch ein eiserner Verfechter der eigenen Überzeugung, so habe man den Verwaltungsdirektor all die Jahre geschätzt. Auch nach der Fusion werde kein Mitarbeiter schlechter gestellt sein, dankte Schmidt für die einvernehmliche Tarifregelung. Bernd Sahner, Nachfolger im Amt als geschäftsführender Verwaltungsdirektor, war es vorbehalten, namens aller Gremien einen Gutschein für eine Reise nach St. Petersburg zu überreichen. Soziale Kompetenz, eine christliche Grundhaltung und dazu ein brillanter Kaufmann, so werde er Bernhard Grotz in Erinnerung behalten. Klinikvertreter aus dem Elsass und von der Herz-Klinik Tiflis/Georgien reihten sich mit ein in die lange Schlange der Gratulanten.
Bernd Grotz gestand ein, dass ihn die Anerkennung sehr berührt habe. In seinen Dank bezog er auch die Familie mit ein, an erster Stelle seine Frau Renate, die ihm immer verlässlich zur Seite gestanden habe.
Autor: Markus Donner
