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20. Januar 2010

Der Unterricht wird interaktiv

Das Staufener Faust-Gymnasium bezieht in den nächsten Tagen das Erweiterungsgeschoss mit den modernen "Lernstudios"

  1. Aufgestockt: Das Staufener Faust-Gymnasium wurde auf dem Westflügel um eine Geschossebene erweitert. Foto: Markus Donner

  2. Foto: Markus Donner

  3. Die neuen Räume des Faust-Gymnasium erlauben den interaktiven Unterricht am modernen „Whiteboard“, das die herkömmliche Schultafel ersetzt (links). Es gibt aber auch Klassenzimmer ohne Stühle und Tische. Ultraleichte Sitzwürfel haben das schwere Mobiliar abgelöst. Foto: Markus Donner

STAUFEN. Klassenzimmer waren gestern, heute werden Schüler in so genannten "Lernstudios" zu besseren Leistungen inspiriert. Jedenfalls gilt dies für das Staufener Faust-Gymnasium, das mit Beginn des 2. Schulhalbjahres seinen 1,7 Millionen Euro teuren Erweiterungsabschnitt bezieht. Von Februar an stehen der Schule weitere acht Räume zur Verfügung, die einen Unterricht unter Einsatz modernster interaktiver Technik erlauben.

Volker Scheuring unterrichtet Geografie in Klasse 10. Heute erklärt er seinen Schülern den Vulkanismus am Beispiel des Mayon auf den Philippinen. An der Stirnseite des Raumes blicken die Lernbegierigen auf ein großes Foto des 2462 Meter hohen Berges, das der Erdkundelehrer eben erst über das Internet heruntergeladen hat. Dort, wo einst auf olivgrünem Untergrund mit weißer Kreide auf die Schultafel gekritzelt worden ist, hängt jetzt ein interaktives "Whiteboard", das sowohl mit einem elektronischen Stift als auch mit dem Finger bedient werden kann. Die berührungssensitive Tafel wird einfach mit einem Computer verbunden und ein Videobeamer zeigt dessen Bild auf der weißen Projektionsfläche an. Jede Computeranwendung kann direkt auf der Oberfläche angesteuert werden. Notizen können beigefügt und die Diskussionsergebnisse abspeichert werden, um sie später zu bearbeiten oder per Mail an die Schüler nach Hause zu versenden. Scheuring bittet einen Schüler nach vorne. Der umkreist mit seinem Finger wie von Geisterhand geführt die Aschewolken über dem Vulkan, während eine Mitschülerin in anderer Farbe die Lava kennzeichnet. "Früher war die legendäre Anschreibtafel der ,Altar' im Klassenzimmer, heute nutzen wir die elektronische Lernplattform zur Wissensvermittlung," erklärt Schulleiter Hans-Joachim Kraus bei der Unterrichtspräsentation mit Stolz den technischen Fortschritt in der Ausstattung seiner Schule mit den interaktiven Kommunikationsmitteln.

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Szenenwechsel: Im Raum nebenan hat sich eine Schülergruppe um Ethiklehrerin Simone Jakob versammelt. Und siehe da: Es gibt weder Stühle, noch Tische – alles zu schwerfällig und eher hinderlich für die Vermittlung der Lerninhalte unter Verzicht auf den üblichen "Frontalunterricht". Stattdessen haben die Zehntklässler federleichte Sitzwürfel im Kreis aufgestellt. Und im Handumdrehen steht ganz nach Erfordernis des Unterrichts ein Innenkreis oder ein Außenkreis. In Anlehnung an einen Kinofilm analysieren die Schülerinnen und Schüler einen Text zum Phänomen einer "Erlebnismaschine" mit der Frage, ob auch sie sich daran anschließen lassen würden. Auch der neue Kommunikations- und Meditationsraum, in dem gerade Ethik unterrichtet wird, befindet sich auf einer Ebene mit den weiteren neuen Klassenzimmern im obersten Geschoss des Westflügels.

"Die Schüler sind heiß darauf, die neun Unterrichtsräume endlich nutzen zu dürfen"

Schulleiter Hans-Joachim Kraus
Alles ist hell und freundlich gestaltet, Industrieparkett ersetzt wenig strapazierfähige Bodenbeläge. Auch die Belichtung, Belüftung und Beheizung ist vom Feinsten. Wird ein Fenster geöffnet, schaltet sich im gleichen Atemzug die Fußbodenheizung ab. Die ganze Technik lässt sich an einem einzigen Display steuern. Und im Flur holen Oberlichter das Tageslicht herein. Olaf Hildebrand nutzt für seinen Französischunterricht mit Neuntklässlern gleich zwei Gruppenarbeitsräume. Seine Klasse bereitet sich auf einen Vokabeltest am anderen Tag vor. Die hoch konzentrierten Schüler halten Dialogkarten in der Hand und und umkreisen im "Mönchsgang" die Tische. Der Lehrer selbst hält sich zurück und übernimmt in diesem Moment lediglich die Rolle des Lerncoaches.

Die in den neuen Bildungsplänen geforderten Methoden- und Teamkompetenzen können in den modern gestalteten "Lernstudios" besser denn je vermittelt werden, ist Schulleiter Ha-Jo Kraus überzeugt und öffnet gleich auch noch die Tür ins "Kaiserzimmer": Von hier aus erschließt sich an der tief gezogenen Fensterfront der weite Blick hinüber zum majestätischen Staufener Schlossberg mit der Burgruine. Der Rundgang endet im "Schatzkästchen", in dem gut verschlossen der Laptopwagen geparkt ist. In dem fahrbaren Schrank lässt sich ein ganzer Klassensatz mit 18 Notebooks samt Drucker verstauen. Und bis zum nächsten Einsatz werden gleich auch noch die Akkus nachgeladen.

"Die Schüler sind heiß darauf, die neun Unterrichtsräume endlich nutzen zu dürfen," weiß der Schulleiter. Im Februar ist es dann soweit. Doch Wanderklassen wird es dann trotzdem noch genug geben und auf den für die Oberstufe von der Stadt angemietete Pavillon des Kapuzinerhofes wird das Faust-Gymnasium ebenso wenig verzichten können, wie auf die Nutzung des 3. Obergeschosses der Hauptschule. Doch um den derzeit knapp 1300 Schülern optimale räumliche Voraussetzungen auf dem Weg zu ihrem Abitur zu schaffen, muss der Landkreis weiteres Geld investieren. Voraussichtlich im Sommer soll mit dem nächsten Bauabschnitt begonnen werden, der auch den Lehrerbereich mit einschließen wird. Die dritte Bauphase wird dem naturwissenschaftlichen Bereich vorbehalten sein. Hier gilt es neuere Planungsüberlegungen des Landratsamtes abzuwarten, die auch an die Kostenfrage geknüpft sein werden. Schulleiter Kraus rechnet aber fest damit, dass spätestens 2013 alle Bauabschnitte realisiert sein werden.

Das Faust-Gymnasium ist von der Stadt Staufen 1968 gebaut worden und ging 1975 im Zuge der Kreisreform in die Trägerschaft des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald über.

Autor: Markus Donner