Plätze sollen die Innenstadt verbinden

Nikola Vogt

Von Nikola Vogt

Mi, 13. Juli 2016

Bad Krozingen

Bad Krozinger Gemeinderat entscheidet sich für die Umgestaltungsvariante des Architekturbüros Dörr und Irrgang aus Au.

BAD KROZINGEN. Die Innenstadtentwicklung Bad Krozingens ist einen wichtigen Schritt vorangekommen: Einstimmig hat der Gemeinderat die Arbeitsgemeinschaft aus dem Architekturbüro Dörr und Irrgang und dem Investor Süba mit der Verwirklichung ihres Entwurfs für das Areal zwischen Rathaus und katholischer Kirche beauftragt. An die Zustimmung sind allerdings einige Bedingungen gekoppelt.

Der Entwurf
Das Büro Dörr und Irrgang aus Au sieht in der Entwicklung dieses Teils der Ortsdurchfahrt "die einmalige Chance, aus der Dorfstraße einen Stadtkern zu entwickeln", wie die Architekten in ihrem Entwurf schreiben. Dieser sieht eine Verbindung der Innenstadt durch mehrere Plätze vor, von dem jeder seinen eigenen Charakter erhalten soll: "Vom Lammplatz als dem Haupt- und Marktplatz geht es über den sogenannten Scheelplatz, einem dicht gefassten Raum, zum Rathausplatz." Letzterer werde durch die Kirche, das Rathaus, das Scheelhaus und ein neues Geschäftshaus mit der Stadtverwaltung und Gewerbeflächen eingefasst. Dieses Geschäftshaus ist am Standort der alten Bibliothek eingezeichnet.

Auf der jetzigen Grünfläche sieht der Plan zwei weitere neue Gebäude vor, die im Erdgeschoss miteinander verbunden sind und so Raum für eine Ladenfläche bieten. Der Brunnen nahe der Kirche bilde, umgeben von einem Blätterdach, den südlichen Übergang des Platzes zur Basler Straße in Richtung Schloss. Folge man in der Gegenrichtung von Süden her kommend dem Verlauf der Basler Straße, schwenke der Weg über ein kleines Plätzchen mit dem Zugang zum Hieber-Markt, neuen Geschäften und Cafés durch die neue Basler Gasse zurück zum Scheelplatz und weiter in Richtung Nepomukbrücke und Neumagen.
Die Bedingungen
Der Gemeinderat folgt mit seinem Beschluss der einstimmigen Empfehlung des Gremiums, das die städtebauliche Planung begleitet. Dies setzt sich aus je zwei Vertretern der Ratsfraktionen, der Kommunalen Stadterneuerung GmbH als Projektentwicklerin und der Bürgerwerkstatt zusammen. Das Gremium hat den Entwurf des Büros Dörr und Irrgang unter mehreren Bedingungen empfohlen. So sollen in puncto Verkehrsführung "verschiedene Vorschläge (...) umsetzbar bleiben". Sie reichen vom vollen Begegnungsverkehr über eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer bis zur Unterbrechung des Durchgangsverkehrs. Das Gremium empfiehlt der Stadt, ein Verkehrsgutachten in Auftrag zu geben, dass die verschiedenen Szenarien durchspielt. Weiterhin spricht sich das Gremium beispielsweise gegen Arkaden aus und für ein vertieftes Konzept zur Außenbewirtung. Für das im Entwurf vorgesehene Gebäude südlich der Kirche lässt die Kirchengemeinde prüfen, ob es tatsächlich an der vorgeschlagenen Stelle entstehen soll. Es ist für eine kirchliche Nutzung vorgesehen.

Die Vorgeschichte
Im Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre Innenstadtentwicklung sprach Bürgermeister Volker Kieber von einem "intensiven Bürgerbeteiligungsprozess". Er rekapitulierte die Schritte, die zur aktuellen Entscheidung geführt hatten. Dazu zählen zwei Bürgerversammlungen und sechs Bürgerwerkstätten, Präsentationen im Gemeinderat, Verkehrsuntersuchungen und eine Klausurtagung.

Drei Architekturbüros plus Investoren reichten ihre Entwürfe zur städtebaulichen Entwicklung ein und der Gemeinderat entschloss sich auf Empfehlung des Gremiums zur Mehrfachbeauftragung. Mitbewerber des Büros Dörr und Irrgang und der Süba GmbH aus Karlsruhe waren Ruch mit MW-Invest und Rosenstiel mit Gisinger. Nach weiteren Planungen, Analysen und erneuter Bürgerbeteiligung sprach sich das Gremium für den Entwurf des Büros Dörr und Irrgang aus. Dessen nach eigenen Angaben bisher wichtigstes Projekt ist der "Sternenhof" im Freiburger Stadtteil Mooswald. Bei der Überplanung des ehemaligen Hüttinger-Areals gehörten Dörr und Irrgang zu den Gewinnern des Architektenwettbewerbs.

Die Fraktionen
Alle Fraktionen schlossen sich der Empfehlung des Gremiums an und lobten noch einmal die Vorschläge, die die Mitbewerber eingereicht hatten. Sabine Pfefferle (CDU) erinnerte daran, dass die Idee, die Grünanlage zu überbauen, dem Bürgerbeteiligungsprozess entstamme. Weiterhin sagte sie: "Die Benutzbarkeit der Basler Straße ist für uns zwingend notwendig." Bad Krozingen habe nur wenige Nord-Süd-Verbindungen und die Basler Straße sei als Römerstraße "das älteste, was wir in Bad Krozingen zu bieten haben". Dem schloss sich auch Peter Falk (SPD) an. Außerdem bat er, darauf zu achten, "dass die Lammstraße nicht zum Schleichweg wird", und Grünflächen im Blick zu haben. Er lobte den Entwurf als "neue Chance für Bad Krozingen für eine Belebung und attraktive Innenstadt".

Reiner Kühlwein (FDP) schloss sich der Forderung nach der Erhaltung der "historischen B 3" an und gratulierte dem Bürgermeister "in dem Fall für die Bürgerbeteiligung". Josef Heckle (Grüne) vermutete: "Dass die Grünfläche verschwindet, werden wir in der Öffentlichkeit wieder zu hören bekommen." Er schlug vor, einen Landschaftsplaner hinzuzuziehen und weitere Grünflächen entstehen zu lassen, "um den Wegfall verschmerzbar zu machen". Volker Schmitt vom Bürgerforum sagte: "Der Plan des Architekturbüros Dörr und Irrgang bietet städtebaulich die größten Möglichkeiten."

Die Zukunft
Rüdiger Kunst, Geschäftsführer der Kommunalen Stadterneuerung GmbH, stellte den weiteren Zeitplan für das Projekt vor. Von Juli bis September 2016 sollen die Nachbearbeitung der Planung sowie die Umsetzungsstrategie erfolgen. Für Mitte August ist ein Zwischenbericht zur Überarbeitung eingeplant. Nach der Sommerpause soll dann die überarbeitete Planung beschlossen werden. Bis Juli 2017 möchte man die formalen Voraussetzungen schaffen, so dass von September 2017 bis Dezember 2018 der Bau erfolgen kann. Mitte 2018 ist zudem der Straßenbau geplant. Ende 2018 soll das Projekt umgesetzt sein, damit entsprechende Fördergelder abgerufen werden können.

Detaillierte Infos zum Entwurf unter mehr.bz/innenstadtgestaltung