Autoren definieren Literatur ganz neu

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Sa, 07. Januar 2017

Bad Säckingen

Bad Säckinger Künstlervereinigung veröffentlicht Sammlung von "Underground-Literatur mit Straßenpoesie sowie Kult & Tralala".

BAD SÄCKINGEN. Jedermann weiß, was mit dem Begriff Literatur gemeint ist. Eine allgemeinverbindliche Definition gestaltet sich indes alles andere als einfach. Nicht gerade zur Vereinfachung des Sachverhaltes trägt wohl auch die von der Bad Säckinger Künstlervereinigung Karussell der Künste (KK) kürzlich herausgegebene "Klimperkiste #2" bei, die sich als Sammlung von "Underground-Literatur mit Straßenpoesie, Kurzgeschichten sowie Kult & Tralala" versteht.

Verehrer von Erbauungsliteratur sowie Wald- und Wiesenlyrik dürften bei dieser 164 Seiten starken Sammlung von Gedichten und Kurzgeschichten weniger auf ihre Kosten kommen. Gefragt ist vielmehr eine hohe Toleranzschwelle in Puncto sprachlicher Ästhetik, die Ausdrücke wie "Scheiße", "Kotze", "Arsch" oder "Ficken" oder die sehr direkte umgangssprachliche Benennung weiblicher und männlicher primärer Geschlechtsorgane zu tolerieren vermag.

Für Rebellen, Querdenker und hoffnungslose Romantiker

Ein gewisser Zugang zu Menschen, denen der Umgang mit bewusstseinserweiternden Substanzen – nur aus Erzählungen natürlich – nicht gänzlich unbekannt ist, könnte sich bei der Lektüre ebenfalls als hilfreich erweisen. "’Ne schnörkellose, klare Schreibe", bringt KK-Frontmann Sven Lawicki die geforderten Maßstäbe im Gespräch mit der Badischen Zeitung auf den Punkt.

So sehr der Klimperkasten sich auch als Gegenpol zum literarischen Mainstream versteht – ein Blick in die Beiträge zeigt, dass die oftmals etwas derbe Ausdrucksweise keineswegs ausschließlich als provokativer Selbstzweck daherkommt. Besonders die Gedichte von Fräulein Fu scheuen keineswegs die Tuchfühlung zu Stilmitteln der "schönen" Literatur, wie sie in der dezenten Verwendung von Alliterationen und fein dosierter Setzung stimmiger Metren zum Ausdruck kommen. Anfänglich ungestüm erscheinende Zugänge und Beschreibungen der einzelnen Autoren heben zu sensibel reflektierten Momentaufnahmen ungewöhnlicher Begebenheiten, origineller Lokalitäten und skurriler Begegnungen an, um sich zu kritischen Auseinandersetzungen mit eigenen Wahrnehmungen und Haltungen zu entwickeln.

Mit der Klimperkiste wolle das KK ein eigenes Underground-Literaturmagazin herausgeben, in dem "Leute zu Wort kommen, die nicht unbedingt in einer Hochglanzbroschüre abgedruckt werden wollen", erklärt Lawicki. Es sei ein öffentliches literarisches Forum für Jedermann, in dem "Rebellen, Querdenker und hoffnungslose Romantiker" zu Worte kommen könnten. Gefragt seien Geschichten, die aus dem Leben erzählen "zwischen Drogenrausch, Verlustbewältigung, starkem Freiheitsdrang, Anarchie, Chaos, Sehnsucht nach einem anderen Leben, nach Kunst oder der Liebe".

Gedanken, Gefühle und Haltungen außerhalb des literarischen Mainstreams auf unkonventionelle Art zu Papier zu bringen – dafür bietet die Klimperkiste ein Forum. "Jeder darf über alles schreiben – je bunter die Mischung, desto besser", so Lawicki. "Es sollte aber schon ins Konzept passen", gibt er zu bedenken.

Neun Autoren sind dem Aufruf des KK gefolgt und haben ihren eigenen literarischen Beitrag geleistet. Darunter finden sich die für Szenenkenner bekannte Publizisten wie Urs Böke aus Essen sowie der Wiener Markus Prem. Komplettiert wird die Liste von Autoren aus Bad Säckingen und Umgebung, die auch eng mit dem KK verwoben sind: Christian Antoni, Juli Eichhorst, Dominik Posniak, Sven Lawicki sowie die inkognito publizierenden Fräulein Fu, Donmitri und Sebi.

Die Verkaufsstelle für die "Klimperkiste #2" ist das Bistro Rhybrugg, Rheinbrückstraße 31. Kontakt zum Karussell der Künste sowie Zusendung von literarischen Beiträgen per E-Mail unter sven.lawicki@web.de. Nähere Informationen auf den Facebook-Seiten von Sven Lawicki oder dem Karussell der Künste e.V.