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30. April 2015 10:20 Uhr

Medizinische Versorgung

Bad Säckinger Bürger machen gegen Spital-Schließung mobil

In Bad Säckingen regt sich Protest gegen die Schließungspläne des Spitals. Eine Face book-Gruppe und eine Online-Petition erhalten mächtig Zulauf. Und eine Demo ist auch geplant.

  1. Eine Gruppe von Bürgern setzt sich für den Erhalt des Spitals in Bad Säckingen ein. Foto: Hildegard Siebold

  2. Nadin Wiepcke engagiert sich für die Rettung des Bad Säckinger Krankenhauses. Foto: Michael Gottstein

In Bad Säckingen und der Region regt sich Protest gegen die angedachte Schließung des Spitals in der Kur- und Bäderstadt. Nadin Wiepcke hat am Sonntagabend eine Facebook-Gruppe gegründet und eine Online-Petition unter dem Titel "Rettet unser Bad Säckinger Krankenhaus" gestartet. Am Donnerstag Morgen hatte die Facebook-Gruppe 4366 Mitglieder, und rund 790 Bürger (davon 306 aus Bad Säckingen) haben die Petition im Internet unterzeichnet.
"Wir sind eine Kurstadt, und eine Kurstadt ohne Krankenhaus ist einfach unvorstellbar" Nadin Wiepcke
Von der Resonanz ist die Initiatorin "überwältigt", zeige sie doch das Unverständnis vieler Bürger über die von der Spitäler Hochrhein GmbH vorgestellten Pläne, die beiden Krankenhäuser in Waldshut und Bad Säckingen an einem zentralen Standort – die Rede war von Albbruck – zusammenzuschließen. Von einem niedergelassenen Arzt ermuntert, beschlossen Nadin Wiepcke und ihre Mutter Martina Wiepcke, nicht nur im Stillen den Kopf zu schütteln, sondern eine Protestbewegung auf die Beine zu stellen. "Wir haben bisher nur zwei negative Stimmen gehört, alle anderen Zuschriften – darunter sehr emotionale – teilen unseren Standpunkt", berichtete die Initiatorin und betonte: "Es ist nicht nur unser Projekt, denn alle Bürger können und sollen sich einbringen." Sie hat bereits Unterschriftenbögen erstellt, die bei Ärzten, Krankenkassen, im Aqualon und Seniorenheimen und "überall, wo wir dürfen", ausliegen. Zudem werden Helfer in der Stadt unterwegs sein, um Unterschriften zu sammeln. Gespräche mit Medizinern, Heimen und Krankenhausmitarbeitern seien im Gange.

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Demo mit Unterschriftensammlung geplant

Für Samstag, 16. Mai, hat sie eine Demonstration organisiert, die um 11 Uhr auf dem Festplatz beginnen wird. Begleitet von einer Gugge-Musik, die einen Trauermarsch anstimmen wird, werden die Teilnehmer durch die Innenstadt ziehen und sich vor dem Kaufhaus Woolworth bei einem Infostand versammeln, wo man Unterschriften abgeben kann. Außerdem gibt es einen Kuchenverkauf, dessen Erlös dem Spitalförderverein zugute kommen wird.

Die Online-Petition findet Unterstützung aus der Region und sogar aus dem Ausland. Aus Bad Säckingen selbst müssen mindestens 430 Unterschriften zusammenkommen, dann kann man die Petition bei den Entscheidungsträgern einreichen und eine Stellungnahme einfordern. Es bleiben drei Monate Zeit, um das Ziel zu erreichen, und nach dem fulminanten Start ist die Initiatorin sicher, dass dies ein Kinderspiel wird.

Für Nadin und Martina Wiepcke ist es unverständlich, dass man über die Schließung des Bad Säckinger Spitals ernsthaft nachdenken kann. "Wir sind eine Kurstadt, und eine Kurstadt ohne Krankenhaus ist einfach unvorstellbar". Das Bad Säckinger Haus sei zudem saniert worden, allein schon deswegen sei es nicht einzusehen, einen neuen Bau zwischen Waldshut und Bad Säckingen zu errichten. Das Argument, das Haus sei zu klein für eine Spezialisierung und schreibe (im Gegensatz zu Waldshut) rote Zahlen, hält die 34-Jährige für nicht stichhaltig: "Wenn man sich vergrößern will, dann kann man auch das hiesige Spital ausbauen, denn hier gibt es die Infrastruktur, einen Hubschrauberlandeplatz und eine grüne Wiese mit viel Platz für Erweiterungen."

Ziel ist eine wohnortnahe Grundversorgung

Außerdem, so sagt sie, brauche es nicht nur Spezialkliniken, sondern auch eine wohnortnahe Grundversorgung, und zwar nicht nur für die Bad Säckinger, sondern gerade auch mit Blick auf die umliegenden Dörfer, in denen es immer weniger Arztpraxen gebe. "Bei vielen Erkrankungen kommt es auf jede Minute an, daher ist es umso wichtiger, in Notfällen ein Haus in der Nähe erreichen zu können und nicht erst 20 Kilometer weiter fahren zu müssen." Und zum Thema Verluste meint sie: "Die öffentliche Hand fördert so vieles, da hätte ich nichts dagegen, wenn meine Steuergelder auch in Krankenhäuser investiert würden."

Protest gegen die Schließung des Spitals
Internet: www.openpetition.de
Kontakt: nadin_wiepcke@web.de, Telefon 0176/62094749.

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Autor: Michael Gottstein