Brenner mit langer Tradition

Nina Witwicki

Von Nina Witwicki

Di, 18. September 2018

Bad Säckingen

Die Familie Waßmer stellt seit 130 Jahren Spirituosen in der Trompeterstadt her / Zahlreiche Auszeichnungen.

BAD SÄCKINGEN. Ein Schnaps zum Verdauen, ein Schnaps zum Genießen, ein Schnaps um Neuigkeiten hinunterzuschlucken – es gibt zig Gründe, sich ein kleines Glas mit Hochprozentigem zu füllen. Die Kunst des Brennens erfordert handwerkliches Geschick und einen guten Geschmacks- und Geruchssinn.

Josef und Johannes Waßmer aus Obersäckingen lieben es, eigenen Schnaps herzustellen und wurden bei den Baden Best Spirits des Verbandes Badischer Klein- und Obstbrenner für ihre Destillate mit fünf Gold- und fünf Silbermedaillen ausgezeichnet.

Die Obersäckinger Familie Waßmer brennt seit mehr als 130 Jahren Schnaps. Die erste schriftliche Erwähnung über die Brennerei an der Schaffhauser Straße findet sich in einem amtlichen Blatt aus dem Jahr 1887. "In unserem Familienhaus wurde schon immer gebrannt, es gab nie einen Stillstand. Nur die Anlage wurde erneuert", erklärt Josef Waßmer, Inhaber von Sport und Leitern Waßmer und der Obersäckinger Streuobstbrennerei. Die Familie betrieb bis 1970 Landwirtschaft mit Viehhaltung, heute werden nur noch die Obstbäume bewirtschaftet.

Die Leidenschaft für das Herstellen der hochprozentigen Spirituose bekam Josef Waßmer sozusagen in die Wiege gelegt. Der 71-Jährige half schon als kleines Kind seiner Mutter, auf einem Brenngerät mit direkter Feuerung Schnaps herzustellen. "Es war schon immer meine Leidenschaft", antwortet Josef Waßmer auf die Frage, was ihn am Brennen reize. Es sei ein großartiges Gefühl aus Obst ein Destillat herzustellen, das gut schmeckt. Die Vorlaufdüfte, die beim Brennen entstünden seien eine Sensation und unvergleichlich, man rieche sofort um welche Frucht es sich handle. "Für unsere Erzeugnisse benutzen wir ausschließlich eigenes Streuobst. Diese Form des Obstanbaus ist wichtig für die Natur, damit tuen wir unseren Dienst für sie."

Beim Streuobstanbau handelt es sich um eine besondere Form des Obstanbaus, bei dem hochstämmige Obstbäume auf einer bestimmten Fläche verstreut in der Landschaft stehen. Die Familie Waßmer stellt ihren Schnaps aus Äpfeln, Birnen, Quitten, Zwetschgen, Mirabellen, Kirschen und Trauben her, dabei können auch Mixvariationen wie die Kirsch-Kräuter-Spirituose entstehen – Josef Waßmers absoluter Lieblingsschnaps.

Seit Anfang der 2000er-Jahre ist auch Sohn Johannes Waßmer Feuer und Flamme für das Hobby seines Vaters. Gemeinsam besuchten sie einen Lehrkurs für Klein- und Obstbrenner an der Universität Hohenheim und bildeten sich bei Praxisbrennkursen in der Region weiter. 2009 wurde die Brennanlage im Familienhaus komplett erneuert und ein neuer Brennraum geschaffen. Im selben Jahr gründeten Vater und Sohn die Obersäckinger Streuobstbrennerei.

"Ich bin absolut glücklich, dass mein Sohn ebenso begeistert vom Brennen ist wie ich. Dass er die Tradition der Familie weiterführt ist eine Besonderheit", sagt Josef Waßmer stolz. Die Arbeit der beiden geht Hand in Hand, die Brenn-Saison beginnt etwa Anfang September bis Ende Februar. Sie ernten das Obst, zermahlen es zu Maische und legen es in Fässer. Innerhalb von vier bis sechs Wochen vergärt es und kann in einer Brennanlage durch Destillation zu Schnaps gebrannt werden. Der Brand eines Schnapses dauert ungefähr zweieinhalb Stunden. Nach dem Brennvorgang muss der Schnaps dann durch die Zugabe von Quellwasser auf Trinkstärke gebracht werden.

Für diesen Sommer schätzt Josef Waßmer die Ernte allerdings als nicht so rosig ein: "Dieser Sommer ist schlecht für die Bäume, den Wald und die Natur generell. Alles ist viel zu trocken. Wenn wir gießen ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein", berichtet Josef Waßmer. Er wünsche sich ein paar Tage richtigen Regen, denn für das Brennen könne nur vollreifes, aromatisches Obst verwendet werden. Die Bäume seien zwar voll mit Obst, doch noch bevor es richtig reifen könne, falle es von den Ästen. Er fügt hinzu: "Dieses Jahr ist es schlimmer als 2003, davon bin ich überzeugt. Es ist eine ungewöhnliche Hitze."

Seit 2008 nehmen Johannes und Josef Waßmer an der alle zwei Jahre stattfindenden Prämierung des Verbandes Badischer Klein- und Obstbrenner teil. In diesem Jahr gewannen sie bei den Baden Best Spirits für ihre Destillate fünf Gold- und fünf Silbermedaillen. Unter anderem für ihren Rheinischen Bohnapfel, Birnen-Quitten-Schnaps und den Weintraubenbrand.