"Der Gerichtshof ist beeindruckend"

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Sa, 06. Mai 2017

Bad Säckingen

BZ-INTERVIEW mit Frank van Veen, der in Den Haag arbeitet.

BAD SÄCKINGEN. Der Bad Säckinger Anwalt und SPD-Stadtrat Frank van Veen weilt seit Anfang Apirl in Den Haag. Noch bis zum 28. September hat er dort eine befristete Berufung als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Internationalen Strafgerichtshof (die BZ berichtete). Manuel Fritsch hat van Veen gefragt, was genau seine Aufgaben in Den Haag sind.

BZ: Herr van Veen, wie ist die Arbeit in einer solchen internationalen Atmosphäre?

van Veen: Der Gerichtshof ist außerordentlich beeindruckend. Dort arbeiten ausschließlich hochklassige Juristen aus der ganzen Welt. Es ist faszinierend und auch berührend zu erfahren, dass Menschen aus der ganzen Welt an dem einen Ziel arbeiten, diejenigen, die bisher kein Gericht fürchten mussten, für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen. Ich kann es morgens, wenn ich das Gericht betrete, eigentlich nicht fassen, dass ich mit dabei bin, und es macht mich natürlich stolz. Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll, ich lese den ganzen Tag Urteile, Aufsätze, Kommentare zu den Rechtsfragen, verfasse Gutachten und diskutiere die Probleme mit meinen Kolleginnen und Kollegen – und das alles auf Englisch.

BZ: Was machen Sie am Strafgerichtshof? Was sind Ihre Aufgaben?

van Veen: Ich bin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als sogenannter "Visiting Professional" tätig. Es handelt sich um ein Programm, bei dem ausgebildete Juristen die ständigen Mitarbeiter des Gerichts unterstützen und ihre eigenen, speziellen Erfahrungen einbringen. Ich bin in der Berufungskammer (Appeals Chamber) eingesetzt und bearbeite dort einen Fall, der Ende März auch in Deutschland in der Presse war. Ein bereits wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilter Kongolese wurde – ebenso wie Mitglieder seines Verteidiger-Teams – erneut verurteilt, und zwar wegen Beeinflussung von Zeugen. Meine Aufgabe ist es, zusammen mit anderen, die rechtlichen Bedingungen zu erarbeiten. Es handelt sich also um eine wissenschaftliche Zuarbeit für die Richter der Berufungskammer.
BZ: Denken Sie darüber nach, dort zu bleiben, oder zieht es Sie zurück nach Bad Säckingen?

van Veen: Meine Zeit in Den Haag ist auf sechs Monate begrenzt. Ich habe nicht vor, länger dort zu bleiben, sondern werde – gerne – nach Bad Säckingen zurückkommen.

BZ: War Ihre Masterarbeit schon auf die Arbeit am Gerichtshof ausgerichtet, oder kam die Idee erst später?
van Veen: Mein Master-Studium der Menschenrechte sollte der Vorbereitung einer internationalen Tätigkeit dienen. Ich wollte immer nach meiner Tätigkeit als Anwalt in Bad Säckingen für eine internationale Organisation arbeiten und noch mal ins Ausland gehen. Den Internationalen Strafgerichtshof speziell hatte ich dabei nicht im Blick. Im Dezember vergangenen Jahres war ich jedoch in Den Haag und habe als Zuhörer an einer Verhandlung teilgenommen und war so begeistert, dass ich mich beworben habe. Damit, dass meine Bewerbung akzeptiert würde, habe ich allerdings nicht gerechnet. Dabei hat sicher meine Masterarbeit geholfen.

Zur Person: Frank van Veen, 63 Jahre, ist Anwalt und außerdem Stadtrat für die SPD in Bad Säckingen. Er ist unter anderem auch Vorsitzender des Bad Säckinger Flüchtlingshilfevereins Refugees Integrated.