Der zweite Blick lohnt sich

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 26. Februar 2018

Bad Säckingen

Maler Klaus Fischer und Bildhauer Rolf Kurz haben ihre Ausstellung in der Villa Berberich eröffnet.

BAD SÄCKINGEN. "Gute Kunst ist mehrdeutig, sie basiert auf einer Idee, die sie unterscheidet von reiner Abbildung." Mit diesen Worten forderte der Vorsitzende des Kunstvereins Hochrhein, Frank van Veen, bei der gut besuchten Eröffnung der Doppelausstellung von Rolf Kurz und Klaus Fischer in der Bad Säckinger Villa Berberich die Besucher auf, sich intensiv mit den interessanten Arbeiten auseinanderzusetzen.

Labyrinthische Landschaften
Die metallenen Häuser von Rolf Kurz und die Straßenbilder, Häuserfassaden und labyrinthischen Landschaften von Klaus Fischer lohnen einen zweiten Blick, um hinter die Fassaden zu schauen und zu entdecken, was sich dahinter an Ideen und Konzepten verbirgt. Der Maler Klaus Fischer aus Fellbach zeigt Alltagsmotive aus dem städtischen Umfeld: Menschen, die über belebte Plätze und Straßen laufen, Treppen hinunter gehen, auf Stufen sitzen. Die Passanten sind von oben herab gesehen, aus einer erhöhten Perspektive. Durch Streifen oder geometrische Muster werden die Plätze so markiert, dass sie wie Spielfelder aussehen, auf denen sich die Menschen bewegen.

Die Figuren werfen immer Schatten, was diesen Genrebildern etwas Markantes gibt im Zusammenspiel der Figuren im Raum. Aus der Serie "Hidden Spaces" zeigt Fischer ein Genrebild von einem Straßencafé mit Tischen und Stühlen, halb verdeckt unter Sonnenschirmen.

Die Malerei von Klaus Fischer hat etwas Räumliches, was man auch in der Werkreihe der surreal wirkenden "Labyrinthischen Landschaften" sieht. In den Bildern arrangiert Fischer collageartig Kuben auf eine Fläche und bringt in diese arrangierte Landschaft als Zitate aus der Wirklichkeit Stücke von Himmel, Wolken, Häusern ein. Ab und zu sind angedeutet Gestalten zu sehen, manchmal deutlicher, manchmal nur als Schatten, die durch dieses Labyrinth von Kuben laufen. Der Maler entwirft ein komplexes, vieldeutiges Spiel mit Figuren, Raum, Landschaft, Realität und Surrealem. Etwas Geheimnisvolles haben Fischers Nachtbilder von Häuserfassaden im nächtlichen Dunkel, aus denen schwaches Licht aus einzelnen Fenstern scheint, gemalt in reduzierter Palette dunkler Töne.

Fischers perspektivisch raffinierte Bilder ergeben eine spannende Kombination zu den Häuserskulpturen von Rolf Kurz. Der in Lörrach lebende Künstler, der in Schopfheim als Gymnasiallehrer unterrichtet, zeigt das Häuserthema in vielfältigen Variationen und experimentellen Kombinationen. Ausgehend von einer schlichten Hausform, die er als Modul verwendet, variiert Kurz immer neue Installationen mit diesen Häusern in Stahl. In der neuesten, betitelt "Neighbours", sind auf zwei hohen weißen Podesten zwei kleine Häuschen aus massivem Stahl mit langen Anfahrtswegen arrangiert: ein Sinnbild dafür, dass Nachbarn einander sehr nah, aber auch sehr weit auseinander sein können.

Spielerische Installation
In der mehr spielerischen Installation "Reihenhäuser" hat Kurz kleine, identische Hausformen wie Bauklötzchen zu ganzen Siedlungen platziert. Auch hier wieder spielt Kurz das Thema Reihenhaus durch, das in der Form etwas Gleichförmiges hat, aber doch in der Variation immer wieder etwas Neues und Individuelles. Im Erkerraum ist die Installation "Häuserzeile" aufgebaut, eine Anordnung von identischen Hausformen, geometrisch streng, kompakt, in sich geschlossen und doch lebendig durch die Rostpatina der Oberflächen und durch die natürlichen Verwitterungsspuren der Holzpaletten.

Eine fiktive Stadt mit Türmen und Hochhäusern lässt sich in einer anderen Installation erkennen. Je nachdem, wie Rolf Kurz die Hausform variiert, erhält sie sogar etwas Wehrhaftes in der pfeilartigen Form des Dachs. Und wenn die Stahlformen auf Spitze gestellt werden und zu schweben scheinen, wirkt das schwere Material Stahl verblüffend leicht. In seiner Einführung gab Frank van Veen bis ins Zeitkritische und Gesellschaftspolitische reichende Gedankenanstöße über die variablen Häuser aus Stahl von Kurz und die puzzleartigen Stadtlandschaften und städtischen Szenen aus der Vogelperspektive von Fischer, die viel Raum zur Interpretation bieten.

Die Ausstellung in der Villa Berberich dauert bis 25. März. Öffnungszeiten Mittwoch 16 bis 18 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr und Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.