Die Kunst der Begegnung

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 20. November 2018

Bad Säckingen

Die internationale Künstlergruppe Polygon zeigt in der Villa Berberich eine neue Ausstellung.

BAD SÄCKINGEN. Einen besseren Titel hätte die internationale Künstlergruppe Polygon für ihre Ausstellung in der Bad Säckinger Villa Berberich nicht finden können. "Begegnungen" heißt diese Schau des Kunstvereins Hochrhein mit Arbeiten von 15 Gruppenmitgliedern und drei Gästen aus dem süddeutschen Raum, der Schweiz und Frankreich. Da treffen verschiedene Motive, Stile, Materialien aufeinander, räumlich sehr ansprechend präsentiert in den jeweiligen Kombinationen.

Über dieses Zusammentreffen von Figur und Natur, Farben und Formen, Malerei, Grafik, Collage und Skulptur sprach bei der Eröffnung die Kunsthistorikerin Simone Toellner, die auch auf die Geschichte der 1972 gegründeten Gruppe einging. Vier der Gründungsmitglieder sind nach wie vor aktiv.

Im Eingangsraum trifft man auf vielschichtige und dicht gearbeitete vierteilige Gemälde von Vera Rühle, in denen aus der pastosen Struktur angedeutete Gesichter und Figuratives auftauchen. Um Innen- und Außenräume geht es in den Arbeiten des Künstlerpaares Gaby und Helmut Jungk. Von ihr sieht man farbige Collagen von Wasserwegen, von ihm interessant bearbeitete Fotografien von einer Tretmühle und einem leeren Stuhl im Raum, die Sinnbilder für die Zwänge und die Einsamkeit im Leben sind.

Luftig und leicht wirkt der Raum mit Landschaften und Makro-Ausschnitten von Silvia Seifert, der Sprecherin der Gruppe. Die Malerin kombiniert gestisch expressiv gemalte Natur mit einzeln herausgegriffenen Motiven wie Blüten. Ebenfalls in diesem Raum finden sich Lithografien von Gast Margareta Leuthardt mit Eindrücken einer Reise nach Sansibar. Wunderbar passt dazu das vieldeutige, pflanzenartige Gebilde von Peter E. Franke aus Zweigen, die mit Papier bespannt und weiß bemalt sind.

Mit Marianne und Hannes Wachberger stellt sich ein weiteres Künstlerpaar vor: Sie beteiligt sich mit Blüten- und Pflanzenmotiven in lichten Farbtönen, er mit teils spielerischen, teils konstruktiven kleinen Holzskulpturen.

Sehenswerte Vielfalt an Ausdrucksformen

Damit korrespondieren die weiß bemalten Objekte und Skulpturen aus Holz von Hartmut Siemon, der neben "Planetenbahnen" auch Fünfecke, kubische und architektonische Formen dynamisch umsetzt. Das Thema Begegnung hat Bettina Bohn in einer Serie von Paarbildern verarbeitet, in denen die Körper von Mann und Frau tänzerisch bewegt wirken. Ein weiblicher Torso "Haut meets Plastik" zeigt Bohns intensive Beschäftigung mit Körper, Weiblichkeit und Hülle.

Ganz anders geht Dieter Linxweiler mit dem Motiv Figur um: Expressiv in den gestischen Linien und in kraftvollem Schwarz-Weiß-Kontrast stellt er Körper in Bewegung dar. Seine aktuellen Figurenbilder haben einen politischen und zeitkritischen Hintergrund, zeigen Flüchtlinge, Demonstrationen, Widerstand.

Neben Linxweiler ist auch Wolf D. Creutzberg ein Polygon-Künstler der ersten Stunde, der farblich fein nuancierte Farbholzschnitte von Landschaften mitgebracht hat. Poetisch und subtil sind die zarten Papiercollagen von Barbara Franke-Caspari mit transparenten Schichten, Spuren, Licht, Schatten. Ins Poetisch-Surreale reichen die Collagen von Bernard Chevassu, bezaubernde Bildergeschichten mit fliegenden Personen, Schmetterlingen und historischen Figuren.

Eine illusionistische Wirkung haben die fantastischen Gemälde von Gabriele Menzer, in denen Papierfaltungen wie Wolken am Himmel über einer lichterfüllten Landschaft schweben. "Netzwerk der Gefühle" nennt Johanna Lietz ihre Bilder, die Tiefenwirkung, Räumlichkeit und Transparenz suggerieren. Von dem Bildhauer Bernd Warkentin sind sowohl edel und formschön gearbeitete Baum-, Bücher- und Rosenskulpturen aus Marmor zu sehen als auch Malerei und Zeichnung mit verschlungenen Geflechten. Mit keramischen Skulpturen in amorpher Gestalt bereichert Auguste Vonville diese sehenswerte Vielfalt an Ausdrucksformen.

Die Ausstellung dauert bis 16. Dezember, geöffnet Mittwoch 16-18, Samstag 14-17, Sonntag 10-12 und 14-17 Uhr. Führung mit den Künstlern am 16. Dezember, 15 Uhr.