Ein Konzert wider das Vergessen

Aloisia Zell

Von Aloisia Zell

Di, 02. Mai 2017

Bad Säckingen

Junge Musiker aus der Region um Tschernobyl sind im evangelischen Gemeindesaal in Bad Säckingen aufgetreten.

Musik ist ein Zustand der Seele. Und dieser Seele gab Pfarrer Winfried Oelschlegel am Sonntagabend mit dem evangelischen Gemeindesaal in Bad Säckingen einen besonderen Raum. Der Verein "Zukunft für Ritschow" hatte zu wiederholten Mal junge Musiker aus der Region Gomel/Belarus an den Hochrhein eingeladen. Ritschow ist eines der Dörfer, die im Umkreis von 200 Kilometern um das Kernkraftwerk Tschernobyl liegen und deren Einwohner unvermindert unter den Auswirkungen des Atomunfalls, der sich am 26. April zum 31. Mal jährte, leiden.

Der 2007 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendliche aus dieser Region bei der gesundheitlichen Versorgung und bei ihrer Ausbildung zu unterstützen. Dabei entstand auch der Kontakt zu jungen Musikstudenten, die mittlerweile Mitglieder der Staatlichen Belarussischen Philharmonie und Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe sind. Yuliya Shuhlia war eines der ersten Kinder, die auf Initiative des Vereins zur Kindererholung an den Hochrhein kamen. Heute studiert sie Wirtschaft an der Berufsakademie in Villingen-Schwennigen. Zusammen mit Alfred Schäuble vom Verein "Zukunft für Ritschow" moderierte sie dieses beeindruckende Konzert.

Das Quintett aus zwei Flötisten (Igor Kiklevitsch/Igor Skripko), zwei Geigern (Alexandra Kiklevitsch/ Philipp Beljawski) und einer Cellistin (Tatjana Skripko) zeigten eine Darbietung auf höchstem Niveau. Sie hatten ein breites Spektrum an Klassischen Werken von Georges Bizet, Johann Strauss, Sergej Rachmaninow, Dimitrij Schostakowitsch, Franz Schubert und vielen mehr mitgebracht.Glanzpunkte des Konzerts waren die Auftritte der Solisten Semjon Burenkov (Tenor) und der Sopranistin Viktorija Zbankova-Srigankova. Ihr raumfüllendes Timbre aber auch ihre schauspielerischen Fähigkeiten zogen die Gäste in ihren Bann.

Beim Duett von Emmerich Kálmán's "Fräulein, bitte wollen Sie Shimmy tanzen" legten sie sogleich diesen Modetanz aus den 1920er-Jahren aufs Parkett. Insbesondere Viktorija entpuppte sich als wahre Verwandlungskünstlerin, die bei jeder Arie mit passenden, traumhaften Roben vor die Zuschauer trat und sie mit ihrem Lächeln und ihrer zauberhaften Ausstrahlung gefangen nahm.

Jedoch – bei diesen Künstlern handelt es sich nicht nur um erstklassige Musiker sondern gleichzeitig um Botschafter einer Region, die nicht in Vergessenheit geraten darf. Unter großem Beifall und nach mehreren Zugaben verabschiedeten sich die sieben sympathischen Künstler mit dem "Duetto buffo di due gatti" von Gioachino Rossini. Wer sich diese Musiker nicht entgehen lassen will, wurde von Hedi Müller, der Vorsitzenden des Vereins "Zukunft für Ritschow" zum zehnjährigen Jubiläum am kommenden Samstag, 6. Mai, ab 19 Uhr in den Kolpingsaal des katholischen Gemeindehauses in Waldshut eingeladen.

Weitere Freundschaftskonzerte finden statt am 2. Mai in der katholischen Kirche Albbruck, am 4. Mai in der evangelischen Matthäuskirche in Erzingen, und am 7. Mai in der evangelischen Kirche Tiengen.