Ein Professor, der die Fastnacht lehrt

Felix Held

Von Felix Held

Fr, 20. Januar 2017

Bad Säckingen

Das Semester der Kinderuni schließt mit einem ganz und gar jahreszeittypischen Thema.

BAD SÄCKINGEN. Mit einen lautstarken "Narri" hat Helmar Burkhart, der Leiter der Kinderuni Hochrhein, die kleinen Studenten bei der letzten Vorlesung des aktuellen Semesters begrüßt. Und etwa 200 Kinder antworteten ihm lautstark mit "Narro". Der Rottweiler Fastnachtsexperte Werner Mezger, dessen Vortrag der Frage nachging "Warum feiern wir überhaupt Fastnacht?" wusste deswegen gleich, dass die Kinder im Publikum bei diesem Thema zumindest nicht ganz ahnungslos waren.

Trotzdem lauschten sie knapp eine Stunde lang gebannt den Ausführungen des Direktors des Instituts für Volkskunde der Universität Freiburg. Denn, das, was der Professor zur Geschichte der Fastnacht zu erzählen hatte, war nicht nur für die Kinder, sondern auch für deren viele erwachsenen Begleiter interessant. Der Experte, der seit langem auch die Fasnachtsumzüge im Südwest-Fernsehen mit viel Hintergrundwissen kommentiert, stellte zunächst kurz die Figuren der Bad Säckinger Fasnacht vor – den auch eine Abordnung der Narrenzunft mit Hüüler, Siechemännle, Römer, Maisenhardtjoggele, Wälder, Zunfträten und Ranzengardist war bei der Vorlesung dabei. Wobei sich Mezger besonders darüber freute, dass auch der "Narresome" – also die jüngsten Mitglieder der Narrenzunft – mit einer Abordnung in Häs und Maske dabei waren.

Mezger erklärte, woher der Name "Fastnacht" überhaupt kommt – nämlich daher, dass sie genau vor der Fastenzeit stattfindet. Im Mittelalter, als sich die Bevölkerung noch streng an das Fastengebot in den 40 Tagen vor Ostern hielt, wurde vor dieser Zeit noch einmal richtig geschlemmt. Laut Mezger sollten so auch die Metzger einen gewissen Ausgleich für ihren Verdienstausfall in der Fastenzeit, in der kein Fleisch gegessen wurde – erhalten.

Deutlich machte Mezger, dass es die Fasnacht keineswegs nur im schwäbisch-alemannischen Raum gibt. Bilder und Videos von Fasnachtsbräuchen unter anderem aus Sardinien, Sizilien, der Schweiz, Österreich und Spanien ließen die Kinder staunen. Und auch die Geschichten von Federehannes und Co. aus der Rottweiler Heimat Mezgers stießen auf Interesse. Die Kinder, darunter eine große Abordnung der Harpolinger Grundschule, lernten viel über fasnächtliches Brauchtum.