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02. Mai 2015

Für die Spitäler ist noch alles offen

Kreistag gibt ein zweites Gutachten in Auftrag / Ein gemeinsames Krankenhaus mit dem Kreis Lörrach rückt in den Fokus.

  1. Rot ist der Eingang ins Spital Bad Säckingen, rot sind auch die Zahlen, die in dem 190-Bettenhaus geschrieben werden. Foto: Hildegard Siebold

  2. Bei der Krankenhausdebatte im Bad Säckinger Kursaal auf dem Podium (von links): Gutachter Rene Morar, Uwe Lorenz, der Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH, Martin Albers, Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Spitäler Hochrhein GmbH, Martin Kistler, Landrat und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, die ärztlichen Direktoren Georg Picha, Waldshut, und Volker Roth, Bad Säckingen, Bürgermeister Alexander Guhl und Gaby Witwicki aus dem Betriebsrat der Spitäler Hochrhein GmbH. Foto: Axel Kremp

  3. Foto: Axel Kremp

BAD SÄCKINGEN. Weiterhin zwei Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung im Landkreis Waldshut oder eines an einem der bisherigen Standorte Waldshut und Bad Säckingen oder ein neues Haus irgendwo zwischen den Städten? Diese Fragen bewegen die Menschen in der Region. Gut 400 Interessierte kamen zu einer Informationsveranstaltung der Spitäler Hochrhein GmbH in den Kursaal in Bad Säckingen. Hellhörig wurden sie, als eine vierte Variante genannt wurde – ein gemeinsames Krankenhaus für die Kreise Lörrach und Waldshut.

Dem Waldshut-Tiengener Oberbürgermeister Martin Albers, der die Versammlung als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Spitäler Hochrhein GmbH leitete, und seinem Stellvertreter, Landrat Martin Kistler, war die Diskussion über solch ein großes Krankenhaus sichtlich unangenehm. "Ich bitte um Verständnis, dass wir da nicht alles öffentlich erörtern können", sagte Kistler, der damit andeutete, mit Marion Dammann, seiner Lörracher Amtskollegin, über diese Frage im Gespräch zu sein. Wie berichtet, sind auch im Nachbarkreis Überlegungen im Gange, die Krankenhauslandschaft neu zu ordnen. Dort ist denkbar, dass aus bislang drei Kreiskrankenhäusern (Lörrach, Schopfheim und Rheinfelden) zwei oder auch nur eines wird.

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Es waren die Ärzte, die ein großes Haus für beide Kreise ins Gespräch brachten. Vor einigen Tagen tat dies der ärztliche Direktor des Spitals Bad Säckingen, Volker Roth, in einem Pressegespräch. Und jetzt im Kursaal taten es Arndt Dohmen und Gerd Lunke. Die Argumente lieferte ihnen Krankenhaus-Gutachter Rene Morar. Er rechnete vor, dass ein Krankenhaus heute mindestens 10 000 bis 12 000 Fälle pro Jahr brauche, um wirtschaftlich zu sein. Das Haus in Bad Säckingen komme auf 6000 Fälle, jenes in Waldshut auf 12 000. Es liege also auch schon nahe an der kritischen Grenze. Ferner rechnete er vor, dass aus dem Einzugsgebiet eines zentralen Hauses für den ganzen Landkreis maximal 20 000 Fälle generiert werden können; also gerade einmal 2000 mehr als jetzt in Waldshut und Bad Säckingen gemeinsam behandelt werden. Da, so meinte etwa der Mediziner Arndt Dohmen, dränge sich doch die Frage auf, wann auch der angedachte zentrale Neubau eines 340-Bettenhauses zwischen Waldshut und Bad Säckingen zu klein sei, um wirtschaftlich betrieben zu werden. "Dann haben wir drei Ruinen da stehen", sagte er.

Entschieden über die Zukunft der Krankenhauslandschaft im Landkreis Waldshut, ist noch gar nichts. Klar ist nur, wie es Martin Albers zum Schluss der Informationsveranstaltung sagte, dass es nicht so weitergehen könne wie bisher. Für das Haus in Bad Säckingen wird laut Geschäftsführer Uwe Lorenz für 2014 ein Jahresverlust von 2,8 Millionen Euro erwartet. So viel kann das Haus in Waldshut zum Ausgleich nicht erwirtschaften. Und auch für jenes Haus erwartet OB Albers – wie bereits mehrfach berichtet – in Zukunft rote Zahlen. Es ist noch nicht einmal sicher, ob die Ergebnisse des Gutachtens der Krankenhausberatungs-GmbH CMK überhaupt Eingang in die Handlungen der Spitäler Hochrhein GmbH finden werden. Wie Landrat Kistler sagte, hat der Kreistag beschlossen, ein zweites Gutachten in Auftrag zu geben.

Bad Säckingen kommt als Standort nicht in Frage

Ergebnisoffen solle sich ein anderer Experte die Krankenhaus-Situation im Landkreis anschauen. Und ergebnisoffen sollen die entscheidenden Gremien dann darüber diskutierten. Entschieden wird in der Gesellschafterversammlung der Spitäler Hochrhein GmbH. Deren Mitglieder aber brauchen die Voten des Gemeinderats der Stadt Waldshut-Tiengen (60 Prozent Spitalfonds Waldshut) und des Kreistags (40 Prozent Landkreis Waldshut). Aktueller Stand ist, dass ein Zusammenlegen beider Häuser am Standort Waldshut aus Platzmangel nicht geht und das der Standort Bad Säckingen für ein zentrales Haus zu weit westlich liegt. Laut Gutachter würden dann zu viele Patienten an die Häuser nördlich und östlich des Kreises verloren.

Autor: Axel Kremp