Wider den Missbrauch

Jörn Kerckhoff

Von Jörn Kerckhoff

Do, 23. Februar 2017

Bad Säckingen

Der FC 08 Bad Säckingen und das Jugendamt haben einen Kooperationsvertrag unterzeichnet.

BAD SÄCKINGEN. Missbrauchsfälle erschütterten jüngst den englischen Fußball. In Deutschland soll das Bundeskinderschutzgesetz solche Übergriffe verhindern. Der FC 08 Bad Säckingen ist einer der ersten Vereine im Landkreis Waldshut, der einen Kooperationsvertrag mit dem Jugendamt unterzeichnete. Die Kooperation ist bislang freiwillig für die Vereine.

Sämtliche 21 Trainer und Betreuer des Vereins müssen bis Ende März ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Außerdem will der Verein einen Maßnahmen- und Verhaltenskatalog in der Jugendarbeit erarbeiten. Bereits im vergangenen Herbst hatten Ulrich Friedlmeier, Leiter des Jugendamts im Landratsamt, und seine Mitarbeiter die Vereine mit Jugendarbeit zu Informationsveranstaltungen eingeladen. "Natürlich gab es dabei Diskussionen", so Friedlmeier. Etwa darüber, dass einige ehrenamtliche Mitarbeiter verlorengehen könnten, wenn sie vom Verein plötzlich aufgefordert werden, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Und zwar nicht, weil sich dort Einträge finden würden, sondern einfach, weil sie sich ausspioniert fühlen. Von den rund 1100 Vereinen im Landkreis mit Jugendabteilung seien bislang nur wenige auf ihn zugekommen, um den Kooperationsvertrag abzuschließen, sagt Friedlmeier.

Für Werner Wunderle, Vorsitzender des FC 08, und Jochen Stoll, Leiter der Jugendabteilung, gibt es bei diesem Thema jedoch gar keine Bedenken. Zumal der DFB von lizenzierten Fußballtrainern ohnehin schon jetzt die Vorlage des polizeilichen Führungszeugnisses verlangt und auch der Südbadische Fußballverband dieses Thema an seinem nächsten Verbandstag aufgreifen will. Dann sollen auch Laientrainer solch ein Zeugnis vorlegen. Der FC 08 komme also nur Regelungen zuvor, die zumindest im Fußball ohnehin schon verpflichtender Standard seien oder in absehbarer Zeit werden, erklärt Werner Wunderle.

Es sei wichtig, Eltern das Gefühl zu vermitteln, dass ihre Kinder im Verein gut betreut und sicher aufgehoben seien, ist Jochen Stoll überzeugt, dass der Verein mit der Unterzeichnung des Vertrages den richtigen Weg einschlägt. Für Stoll ist vor allem wichtig, dass auch ein Maßnahmenkatalog erstellt wird, um klar zu umreißen, wie sich ein Trainer gegenüber seinen Schutzbefohlenen verhalten soll und darf. Gemeinsames Duschen oder Umziehen sowie ein Vier-Augen-Gespräch in geschlossener Kabine gingen zum Beispiel gar nicht. Im Verein sei über den Kooperationsvertrag geredet worden, berichtet Wunderle. Nach eingehender Diskussion seien alle Betroffenen mit dem Plan des Vereins einverstanden gewesen.

Die Krux beim Thema Kindesmissbrauch ist, dass die Fälle oft viele Jahre nicht bekannt werden. Häufig könnten jene, die sich schuldig gemacht haben, problemlos ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, weil sie noch nicht erkannt und schon gar nicht verurteilt wurden. Die Opfer werden meist mit Druck und Angst davon abgehalten, sich zu offenbaren. Wenn sie es tun, müssen sie oft erfahren, dass ihnen nicht geglaubt wird. "Es ist ein wahnsinnig sensibles Thema", weiß Ulrich Friedlmeier. Es gehe auch nicht darum, nun jeden zu verdächtigen, aber es solle schon eine Kultur geschaffen werden, dass im Verein bei einem auffälligen Verhalten eines Betreuers oder bei einer auffälligen Wesensveränderung eines Kindes oder Jugendlichen nicht einfach weggeschaut werde.