Wo sich die Götter versammeln

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mo, 25. Oktober 2010

Bad Säckingen

Fotoausstellung über japanische Gärten in der Villa Berberich eröffnet / Auftakt zu Feiern preußisch-japanischer Freundschaft.

BAD SÄCKINGEN. Die jahrhundertealte Tradition der japanischen Gartengestaltung übt seit langem eine große Faszination auf Europäer aus. Einblicke in die Gärten der alten Kaiserstadt Kyoto gewährt eine Fotoausstellung in der Villa Berberich. Die Aufnahmen stammen von dem renommierten Fotografen Mizuno Katsuhiko und sind im Besitz des Japanischen Kulturinstituts in Köln.

Daniel Marterer, Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, die nächstes Jahr ihren 25. Geburtstag feiert, wies bei der Vernissage am Freitag darauf hin, dass die Ausstellung als "Pre-Event" zum 150. Jubiläum der Freundschaft zwischen Japan und Preußen im nächsten Jahr eingestuft wurde.

Der japanische Generalkonsul Junichi Kosuge, der eigens aus München angereist war, drückte seine Freude über die Ausstellung aus, dankte dem Freundeskreis und betonte den regen Kulturaustausch zwischen den Ländern. Er überbrachte Komplimente für "die schöne Stadt Bad Säckingen", die ebenso wie die Partnerstadt Nagai eine schöne Umgebung aufweisen könne. Grußworte überbrachten auch der stellvertretende Direktor des Japanischen Kulturinstituts, Kenji Matsumoto, und Bürgermeisterstellvertreter Wolfgang Lücker. Christine Stanzel von der Tourismus-GmbH wies auf den Einfluss japanischer Holzschnitte auf die europäische Moderne hin.

Kazuhisa Kawamura, Architekturprofessor aus Mainz, erläuterte einige Aspekte der Gartenbaukunst. Typisch ist, dass japanische Gärten keine scharfe Grenze zur Umgebung aufweisen, sondern die Landschaft – vor allem die Hügellandschaft um Kyoto – in die Gärten "hineinziehen". In einem der Lieblingsgärten Kawamuras, den ein Samurai-Offizier im 17. Jahrhundert angelegt hatte, wird von einem Bachlauf Wasser abgezweigt und durch einen ausgeklügelten Mechanismus alle 30 Sekunden auf einen Stein gekippt, um ein Geräusch zu erzeugen, das Tiere fernhalten, aber zugleich auch einen Zeittakt vorgeben soll, der zur Meditation anregt.

Der Wechsel der Jahreszeiten wird bei der Anlage japanischer Gärten berücksichtigt. Im Frühling prägen Kirschblüten das Bild, im Sommer die "seidenfädenartigen" Regenfälle, im Winter der Schnee. Die leeren Flächen sind als Versammlungsplätze der Götter zu verstehen, denn ursprünglich waren japanische Gärten zeremonielle Orte.

Stets wird in Japan eine Balance zwischen der Natur und dem künstlich Geschaffenen angestrebt. So werden keine Skulpturen aufgestellt, und die Steine sind unbearbeitet, aber geschickt arrangiert. Als Gattungen werden Teichgärten, Paradiesgärten – als Abbilder der himmlischen Harmonie – und die Steinlandschaften der zur Meditation anregenden Zen-Gärten gepflegt. Neben Gärten, die von einem Fixpunkt aus zu betrachten sind, gibt es "Wandelgärten", deren Schönheit der Betrachter sich durch Umherspazieren erschließen muss.

Die Geigerin Yuki Kuwano untermalte die Vernissage musikalisch, und Margot Kawinski steuerte zu der Veranstaltung Ikebana-Gestecke bei.

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft/Freundeskreis Nagai-Bad Säckingen feiert Anfang nächsten Jahres ihr 25. Jubiläum. Sie hat 110 Mitglieder aus Bad Säckingen und der weiteren Region. Der Präsident ist Daniel Marterer. Infos im Internet unter

http://www.djg-nagai-saeckingen.de