Ausstellung im Kurhaus

50. Todesjahr der Ehrenbürgerin Badenweiler Annette Kolb

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 27. Oktober 2017

Badenweiler

Ausstellung zum 50. Todesjahr der Ehrenbürgerin Badenweilers.

BADENWEILER. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde Annette Kolb als Lichtgestalt der Deutsch-Französischen Verständigung, ihr Gesamtwerk als "Roman europäischer Erziehung" und sie selbst als "Gewissen Europas", "citoyenne de deux patries" und "große Dame" der Literatur in ganz Deutschland gefeiert.

Gerade angesichts der aktuellen Bruchzonen des vereinigten Europas kann ihr Lebenswerk, das zur Bildung der Europäischen Union mit beigetragen hat, wieder eine stimulierende Erfahrung sein. Badenweiler ehrt seine Ehrenbürgerin in deren 50. Todesjahr mit einer Ausstellung, ausgerichtet vom literarischen Museum Badenweiler "Tschechow-Salon" in Kooperation mit der Deutschen Tschechow-Gesellschaft.

Zur Eröffnung am Freitag, 3. November, um 18 Uhr im Annette-Kolb-Saal des Kurhauses wird Museumsleiter und Ausstellungskurator Heinz Setzer sprechen. Die Münchner Literaturwissenschaftlerin Hiltrud Häntzschel, Herausgeberin der neuen vierbändigen Kolb-Werkausgabe, wird die Festrede halten: "Annette Kolb – eine Schriftstellerin, die auszog, die Welt zu verändern." Anekdoten und Reminiszenzen an die Schriftstellerin wird Altbürgermeister Rudolf Bauert, der Annette Kolb über viele Jahre persönlich kannte, in den Abend einbringen. Museumsleiter Heinz Setzer wird durch die Ausstellung führen, danach sind alle Gäste zu einem Stehempfang im Foyer mit Musikbegleitung durch Prima la Musica geladen.

Professor Maryse Staiber, die ursprünglich den Festvortrag halten sollte, musste aus Krankheitsgründen absagen.

Die mit Archivmaterial des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, des Monacensia-Archivs der Stadt München und des Badenweiler Literaturarchivs bestückte Ausstellung soll das Leben, das Werk und die gesellschaftliche Wirkung Annette Kolbs wieder ins öffentliche Bewusstsein zurückholen. Zwischenzeitlich war Kolb wenig am Buchmarkt vertreten, doch nun erscheint sogar eine vierbändige kommentierte Werkausgabe, in Auftrag gegeben von der Deutschen Akademie für Wissenschaft und Kultur, deren Gründungsmitglied sie war.
Die Schriftstellerin, die sich 1923 neben ihrem lebenslangen Freund und literarischem Mitkämpfer, dem Schriftsteller und Dichter René Schickele, in Badenweiler ein Haus errichten ließ, hielt dem Kurort bis zu ihrem Tod die Treue, trotz jahrelanger Exilaufenthalte im europäischen Ausland und den USA. Ihr geliebtes Häuschen in der Kanderner Straße steht heute noch. Badenweiler darf stolz darauf sein, durch Annette Kolb einen Platz in der europäischen Kulturgeschichte erlangt zu haben.

Als die 80-jährige Wahlbürgerin von Badenweiler im Jahr 1955 das Ehrenbürgerrecht des Heilbads und fast zeitgleich, nach Hermann Hesse, Albert Schweizer und Thomas Mann, den Goethepreis der Stadt Frankfurt erhielt – die höchste kulturelle Auszeichnung der Stadt – galt das "Fräulein Kolb", das lebenslang keinem geistigen Disput aus dem Weg gegangen und mit vielen großen Schriftstellern Europas befreundet war, als "Grande Dame" der Deutschen wie der französischen Kulturtradition.

Und als sie am 3. Dezember 1967 als 97-Jährige in ihrer Geburtsstadt München verstarb, hatte sie die höchsten deutschen und französischen Orden für ihren Beitrag zur europäischen Verständigung erhalten.

Die Ausstellung zu Ehren Annette Kolbs ist vom 4. bis 26. November, täglich von 10 bis 19 Uhr im Kurhaus zu besichtigen.