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02. Dezember 2009

Badenweiler – die Römer liebten es

Und bauten außer der Therme auch einen monumentalen Tempel, von dem noch heute viel zu sehen sein könnte.

  1. Der einstige Römertempel von Badenweiler, das Modell steht in der evangelischen Kirche Foto: Babeck-Reinsch

  2. Die Dame und die Herren vom Provinzialrömischen Institut – Alexander Heising, Hans Ulrich Nuber und Gabriele Seitz – sowie Bürgermeister Engler und Gerhard Fingerlin (rechts) am Rand des einstigen Tempelpodiums. Foto: Gabriele Babeck-Reinsch

BADENWEILER. Die Römer haben das göttliche Dreier-Prinzip beherzigt. Sie haben deshalb Badenweiler nicht nur das bedeutende antike Thermalbad geschenkt, sondern auch der Gottheit, die in der Quelle wohnt, einen Tempel zur Seite gestellt. Dass von diesem monumentalen Bauwerk heute nur noch sichtbar gemachte Fundamente und eine dazugestellte Erläuterungstafel auf dem Vorplatz der evangelischen Kirche zeugen, hat sich auf tragische Weise Ende des 19. Jahrhunderts so gefügt.

Die Dame und die Herren, die sich dieser Tage vor der evangelischen Kirche versammelten, bedauern den Sachverhalt zutiefst. Die Vertreter der Provinzialrömischen Archäologie der Universität Freiburg – Hans Ulrich Nuber, inzwischen in Pension, sein Nachfolger Alexander Heising und Gabriele Seitz – sowie Gerhard Fingerlin, Landeskonservator und früherer Chef der Freiburger Außenstelle des Landesdenkmalamts, hätten anders gehandelt. Sie hätten die damals noch vorhandene beeindruckende römische Bausubstanz, vier bis fünf Meter hohe Mauern, ebenso sorgfältig erhalten wie die antike Therme.

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Zu jener Zeit aber waren andere am Werk: Großherzog Friedrich I und sein Oberbaudirektor Joseph Durm. So sorgfältig wie 100 Jahre zuvor, 1784, die Therme freigelegt wurde, so sorglos gingen diese beiden mit dem mindestens ebenso bedeutenden Tempel um. Durm hatte das Römererbe deutlich vor Augen, das er auf Geheiß des Monarchen bis fast auf den Stumpf abreißen lassen und stattdessen eine Kirche bauen musste. Denn die vorherige war baufällig. Für das neue Gotteshaus wurde der Hang um bis zu fünf Meter abgetragen und terrassiert. Heute reichen die Fundamente des Sockels, auf dem der Tempel stand, zwei Meter unter Niveau. Die Kultstätte hatte sich einst mindestens vier Meter in die Höhe gereckt. Sie stand ins Tal weithin sichtbar auf dem höchsten Punkt des Gemeinwesen und war nach Osten zur Sonne und zur Quelle ausgerichtet. Ihre Bauzeit lässt sich gut einordnen anhand der Jahresringe der im Boden gefunden Eichenhölzer, die den Baugrund festigten. Sie werden auf den Spätherbst 145 vor Christus datiert.

Solche und noch viel mehr Erkenntnisse hat Gabriele Seitz bei den von ihr geleiteten neuen Ausgrabungen 1994 bis 1996 und 1998 gewonnen.

Ihre Überzeugung, dass der Tempel Diana Abnoba, der römischen Schwarzwaldgöttin, geweiht war, bezieht sie aus einer Statuengruppe in der Antiken Therme. Im Übrigen haben die Römer dem Bau des Tempels mehr Sorgfalt angedeihen lassen als der Therme. Die Fachleute schwärmen geradezu von der Qualität, mit der die römischen Handwerker die Mauern mit behauenen Kalksteinquadern – aus dem Badenweiler Quarzriff – setzten. "Sie verstanden etwas von ihrem Fach", sagt Hans Ulrich Nuber bewundernd. Für ihn fügte es sich besonders glücklich, dass sein Institut in den 1990-er Jahren vom Landesdenkmalamt die Ausgrabungsarbeiten übertragen bekam und sie damit wissenschaftlich begleiten konnte. Denn Badenweiler zähle noch immer zu den Interessenschwerpunkten, sagt Nuber. Wenn auch inzwischen ein befriedigender Erkenntnisstatus erreicht sei, gebe es noch viele interessante offene Fragen. So wisse man nicht, wo die Leute gewohnt, wie sie gelebt und gearbeitet hätten.

Badenweiler habe zweifellos für die Römer einen einzigartigen Rang jenseits der Alpen eingenommen, auch begründet durch seine Hanglage. Sie beherrschten auch vorzüglich die Hangentwässerung. Wie um die Therme hatten sie rund um das Podium des Tempels einen einfach konstruierten Kanal gelegt, mehr als 30 Meter lang. Hätten das mal auch die modernen Konstrukteure in dieser Weise getan, meint Gabriele Seitz. Sie hat sie beim Bau der Tiefgarage unterm Schlosspark mehrfach auf die römische Bautechnik hingewiesen, die das Problem des an Quellen reichen Untergrunds gemeistert hatten. Bei der Tiefgarage ist das in diesem Maße nicht gelungen.

Aber keine Zeit ist perfekt, wie die Hilfsmittel unterstreichen, die die Archäologen und Denkmalpfleger von heute anwenden mussten, damit Badenweiler heute wenigstens noch andeutungsweise die antiken Kultstätte wahrnehmen können. "Sie sehen hier, was sie nicht mehr sehen", sagte Nuber beim Pressetermin auf dem Kirchenvorplatz. Die Gemeinde und die Kirche haben wenigstens dies ermöglicht und die Kosten für die Sichtbarmachung und für die Tafel getragen. Bürgermeister Karl-Eugen sprach denn auch von einem "ehrwürdigen Platz". Alles andere Wissenswerte werden Interessierte eines nicht zu fernen Tages nachlesen können, wenn Gabriele Seitz ihre Erkenntnisse in Schrift gefasst hat.

Autor: Gabriele Babeck-Reinsch