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30. April 2014

BZ-Interview

Cartoonist Klaus Puth: „Bewusst falsch verstehen“

BZ-INTERVIEW mit dem Cartoonisten Klaus Puth zu seiner Ausstellung in Badenweiler.

  1. Tierische Wortspiele sind die Sache von Cartoonist Klaus Puth, dessen Arbeiten im Kunst-Palais in Badenweiler zu sehen sind. Foto: wolfgang baaske/dorothee philipp

  2. Foto: Dorothee Philipp

BADENWEILER. "Mit Gans & Kuh auf Du & Du" heißt die Ausstellung mit Cartoons und Zeichnungen von Klaus Puth im Großherzoglichen Palais in Badenweiler. Der Künstler, der vor 20 Jahren eine Gans als Cartoonfigur kreierte und mit seinen Yoga-Kühen Tausende von Mundwinkeln nach oben gezogen hat, zeigt in Badenweiler neben Cartoons auch freie Zeichnungen, Filmplakate aus seinem persönlichen "Cinemuh" und seine "Meatles" mit Original-Plattencovern der Band aus Liverpool. Unsere Mitarbeiterin Dorothee Philipp hat sich mit Klaus Puth unterhalten.

BZ: Neunmalkluge Gänse, Yoga-Kühe, hustende Hunde – sind Sie ein Tierversteher, Herr Puth?

Puth: Als Kind wollte ich Tiefseetaucher werden, dann Zoologie studieren. Meine Großeltern haben in der Nähe des Frankfurter Zoos gewohnt und da bin ich mit meinem Großvater oft hingegangen, er hat Zoodirektor Grzimek sogar persönlich gekannt. Von ihm habe ich offensichtlich das Faible für Tiere. Besonders fasziniert haben mich immer die Aquarien und Terrarien, irgendwas zum reingucken, wo es drin wuselt. Elefanten fand ich langweilig.

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BZ: Sie wurden dann nach der Schule ziemlich zielstrebig freier Zeichner und Cartoonist...

Puth: Ich wählte damals die Karikatur als Schwerpunkt meiner Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung in Frankfurt. Einer meiner Lehrer war Hans Traxler. Von ihm habe ich zum Beispiel gelernt, dass der Witz auch dadurch entsteht, dass man kleine Details wiedererkennt. Deswegen benutze ich für viele meiner Zeichnungen fotografische Vorlagen beispielsweise von Naturpanoramen oder Straßenszenen oder ich skizziere vor Ort.

BZ: Der Notizblock ist also Ihr ständiger Begleiter?

Puth: Ich bin dauernd am Zeichnen und Ausprobieren. Dasitzen und auf eine Eingebung warten, bringt nichts. Manchmal zeichne ich einfach drauflos, Muster, Figuren, dazu kommt das Spiel mit den Wörtern, das gehört bei mir immer dazu. Ich neige auch dazu, bewusst falsch zu verstehen, da kommen dann so Sachen raus wie der Cartoon "Ente mit Schnecken".

BZ: Warum betonen Sie so, dass Sie Rechtshänder sind? Ist das nicht die Mehrheit der Menschen?

Puth: Einmal habe ich eines Nachmittags die Feder in die linke Hand genommen und Wörter geschrieben. Nach ein paar Tagen habe ich das Blatt wieder angeschaut und gedacht: Das hat was. Dann habe ich angefangen links zu zeichnen. Das wirkt ein bisschen ungelenk, der präzise Strich ist weg. Und das Verrückte daran: Ich komme auch auf ganz andere Ideen, wenn ich mit der linken Hand zeichne. Das hängt wohl damit zusammen, dass da die andere Gehirnhälfte aktiv ist. Hier, sehen Sie, die "Kürbissuppe mit ganzen Früchten" ist linkshändig gezeichnet.

BZ: Haben Sie ein Rezept, wie man das Publikum zum Lachen bringt?

Puth: Eigentlich nicht. Mit Humor hat bei mir immer alles zu tun, da denke ich zunächst nicht daran, ob das ankommt. Bei der Yoga-Kühen hatte ich allerdings erst einmal Bedenken, ob die Frauen da nicht beleidigt sind. Das Gegenteil ist eingetreten. Ich habe jede Menge Fanpost bekommen, auch von Yoga-Lehrerinnen. Eine hat das Poster in ihrer Yoga-Schule aufgehängt. Aber in einem andern Fall gab es herbe Kritik.

BZ: Und der war?

Puth: Für meine "Meatles" erntete ich einige böse Kommentare von Beatles-Fans, die sich nicht damit abfinden konnten, dass ich ihre Idole mit Kuhhörnern und -mäulern verziert habe.

BZ: Dabei ist die Beatles-Ecke dieser Ausstellung ja der reinste Devotionalien-Schrein.

Puth: Das habe ich auch meinem Kurator und Freund Wolfgang Baaske zu verdanken, mit dem ich schon seit über 30 Jahren zusammen Ausstellungen mache. Er hat diese Originalen Plattencover mit Spuren der Abnutzung aus seinem privaten Fundus zur Verfügung gestellt. Da kann man dann sehen, wie die Originalvorlage für meine Zeichnungen aussieht. Von ihm stammt auch die geniale Idee, den "Cinemuh"-Raum mit rotem Teppich und "Oscar" zu dekorieren.

BZ: Wo dann die Filmplakate von "Kuhsablanca", "Kuhrassic Quark", "Vom Rinde verschmäht" und anderen Leinwand-Klassikern zu sehen sind...

Puth: Das Nachstellen der Originalplakate, die teilweise ja schon Kultstatus haben, hat besonderen Spaß gemacht. Teilweise habe ich zum Vergleich das Original dazugestellt. Und wenn Sie meine Filmplakate mal genau ansehen, werden Sie auch im Detail noch vieles entdecken.

Klaus Puth, Jahrgang 1952, veröffentlichte bereits nach dem Abitur Zeichnungen und Cartoons in Zeitschriften und Zeitungen. 1980 Diplom an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. 1994 kam die Gans als Cartoonfigur, das Urbild "Gans Paris" für Caterina Valente ist als Original in der Ausstellung zu sehen. Puth erhielt für sein Werk viele Preise. Er lebt mit seiner Familie in Mühlheim-Dietesheim bei Frankfurt.

Ausstellung: "Mit Gans & Kuh auf Du & Du", Cartoons und Zeichnungen von Klaus Puth im Kunst-Palais Badenweiler, bis 9. Juni

Öffnungszeiten: Freitag, Samstag und Montag: 14 bis 18 Uhr, Sonntag: 11 bis 18 Uhr

Autor: dop