"Eine erhebende, angenehme Langeweile"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 02. Februar 2011

Badenweiler

Autorin Gabriele Wohmann erinnert sich in ihrem neuen Buch an einen Aufenthalt in Badenweiler.

BADENWEILER (BZ). Die Autorin Gabriele Wohmann bezeichnet Badenweiler in ihrem neuen Buch "Sterben ist Mist, der Tod aber schön" als "himmlische Vorahnung". Die 78-Jährige erkundet darin mit dem Schriftsteller und Theologen Georg Magirius, was nach dem Tod sein könnte: fragend, kindlich fantasierend, zweifelnd – und überraschend konkret: So erinnert sie sich auch an die für sie "erhebende, angenehme Langeweile" in Badenweiler.

1977, ihr Mann war in Kur, schrieb Gabriele Wohmann vormittags an dem Roman "Frühherbst in Badenweiler", dessen Hintergrund der deutsche Herbst bildet. Die Handlung spielt zeitgleich zu ihrem damaligen Aufenthalt in Badenweiler. Er ist zu einem ihrer vielen Bestseller geworden, im Badenweiler Tschechow-Museum sind einige Seiten ihres Manuskripts der in Darmstadt lebenden Autorin zu sehen: "Den Nachmittag hatten wir völlig frei. Badenweiler ist ein unglaublich ruhiger Platz. Es war September, nur ältere Damen sind da und keine Autos fahren rum. Es kam mir vor wie aus der Zeit genommen."

Gabriele und Reiner Wohmann wohnten in dem Hotel, in dem Tschechow gestorben ist, der heutigen Klinik Park Therme. "Aber wir waren nicht im Tschechow-Zimmer, das wäre zu primitiv gewesen, sondern wir wohnten wirklich schön. Die Wochen kamen mir trotzdem ein bisschen vor wie von der Tschechow-Atmosphäre geprägt, ruhig und ein bisschen melancholisch. Dazu der Herbst und mildes Klima. Feucht. Schön." Der Blick in den Park habe für ihr Schreiben eine entscheidende Rolle gespielt, so wird der Roman mit dem Blick in den Kurpark eröffnet. Gabriele Wohmann: "Die Bäume sind mir lieb, allein schon als Schattenvermittler und Ruhespender. Sie sind wirksam gegen Nervositäten und Aufgeregtheiten. Die Leute wollen leider sonst ja kaum Bäume, schrecklich! Alles schreit nach Licht. Hell soll es sein, klar und kahl. In Badenweiler war es anders, verwunschen, angenehm wattiert." Wohmann, die wegen ihres unbestechlichen, von vielen gar als böse bezeichneten Blick gefürchtet wird, schaut auf Badenweiler überraschend mild: "Nachmittags haben wir oft Kaffee getrunken mit wunderbarsten, aus der Gegend stammenden herrlichen Kuchen. Es war Zwetschgenkuchenzeit, und es gab auch den herrlichen gedeckten Apfelkuchen. Abends haben wir dann Kino gespielt in unserem Zimmer, Hansakino haben wir es genannt: Fernsehapparat und Sessel. Das war einfach sehr vertrauenerweckend, das Ganze. Vier Wochen Idylle: mit Blick in den Park hinein, in die Bäume. Badenweiler war etwas Herausgehobenes. Einmalig. Unwiederholbar, ein bisschen, als würde man sich schon in einer anderen Welt befinden."

Georg Magirius hat die Erinnerungen Wohmanns aufgezeichnet und das Nachwort geschrieben, er arbeitet für mehrere ARD-Sender, das Schweizer Radio DRS und war selbst einige Male zu Gast im Kurort Badenweiler, unter anderem zu einer Lesung aus "Sein wie die Träumenden".

Die Autorin Gabriele Wohmann gilt als Meisterin der Kurzgeschichte und und war regelmäßiges Mitglied der Gruppe 47. Mehr als 100 Bücher umfasst ihr Werk. Ihr Buch "Sterben ist Mist, der Tod aber schön" ist jetzt im Freiburger Kreuzverlag veröffentlicht.