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24. Juli 2010

Endgültiges Aus für den Dorfgasthof "Schwanen"

Ortschaftsrat Lipburg-Sehringen: Der denkmalgeschützte "Schwanen" wird ein Wohnhaus.

  1. Aus dem Gasthaus „Schwanen“ in Lipburg wird ein Wohnhaus. Foto: Umiger

BADENWEILER-LIPBURG. Wenn in einem Dorf etwas weg bricht, wie in Lipburg das Gasthaus "Schwanen", dann machen sich die Einwohner Gedanken. Gerüchte, dass eine religiöse Glaubensgemeinschaft aus der Dorfschenke ein Schulungszentrum machen könnte, scheinen sich aber nicht zu bestätigen. Eine Bauvoranfrage und ein Bauantrag weisen auf private Wohnzwecke hin, sie waren nun Themen der Ortschaftsratssitzung Lipburg-Sehringen.

Die Gerüchte entstanden, weil bei privaten Grundstücksverkäufen weder die Gemeinde Badenweiler noch die Ortsverwaltung die neuen Eigner benennen darf. Auf Anfrage der Badischen Zeitung konnte Ursula Winterhalter, Leiterin des Grundbuchamts Müllheim, aus Datenschutzgründen nur bestätigen, dass es sich um mehrere Käufer handle.

Die Frage nach den Käufern stellte Ortschaftsrat Roland Nußbaumer auch am Lipburger Ratstisch. Dazu informierte Michael Lacher vom Bauamt Badenweiler, es handle sich um drei Paare. Tagesordnungspunkt war die Bauvoranfrage einer Bauherrengesellschaft, der BHG Marienhagen, zum Neubau eines Einfamilienhauses – mit eineinhalb Geschossen auf einer Grundfläche von neun mal neun Metern – auf der Nordwestseite des Grundstücks. Inzwischen sei auch ein Bauantrag eingegangen auf Umnutzung des Gasthauses zu Wohnzwecken. Die Zahl der Wohnungen werde nicht angegeben, er gehe von zwei bis drei Wohneinheiten aus, mutmaßte Michael Lacher. Nach dem Baugesetz sei der Neubau planungsrechtlich zulässig und die grundsätzliche Bebaubarkeit von der Kommune nicht ablehnbar, weil das Areal innerhalb des Ortsetters ohne Bebauungsplan liegt. Der Neubau müsse aber nach der Vorgabe des Wasserwirtschaftsamtes fünf Meter (statt der geplanten 4,50) von der Böschungsoberkante des Rammisbächle abrücken, so Lacher.

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Der Bauantrag beinhaltet einen Rückbau des denkmalgeschützten Ensembles – Haus, Innenhof, Scheune – in den ursprünglichen Zustand. Das bedeutet, dass der in den 1970er-Jahren angebaute Speisesaal abgerissen wird. "Das ist gut so, denn der Anbau war ein Fremdkörper", betonte Lacher. Anstelle des Speisesaales sind an der Westseite Balkone vorgesehen. Zur Hofseite hin sollen zwei neue Dachgauben die drei vorhandenen ergänzen, im Süden sind zwei Gauben übereinander geplant. Das Bauvorhaben geschehe in enger Absprache mit dem Denkmalamt und werde nach seiner Fertigstellung eine Bereicherung für das Dorf sein, befand Lacher.

Er sehe das auch so, betonte Ortsvorsteher Leonhard Mayer. Aber er habe ein Problem damit, dass mit dem Aus für den Gasthof ein Stück Dorfgeschichte kaputt gehe. Den Neubau hätte man nur mit einem Bebauungsplan verhindern können, dafür sei es aber vor der Versteigerung des Anwesens zu spät gewesen. Er befürchte, dass weitere Bauanträge, etwa für den Ausbau der Scheune folgen könnten, so Mayer. Die Ratsmitglieder Norbert Schwald und Ulrike Liebisch beantragten auch für den Neubau eine Stellungnahme des Denkmalschutzamtes. Beide lehnten die Bauvoranfrage ab. Der Bauantrag für das denkmalgeschützte Ensemble wurde hingegen einstimmig bewilligt.

Rathaus Badenweiler: Beide Bauvorhaben werden vom Gemeinderat am Montag, 26. Juli, 19.15 Uhr, vor der Ratssitzung im Bauausschuss behandelt.

Autor: Sigrid Umiger